Rezension | Geschichten aus dem His-Dark-Materials-Universum

His Dark Materials Kurzgeschichten Philip Pullman

Mit seinem neuen Buch „Über den wilden Fluss“ taucht Philip Pullman wieder in das  Universum von His Dark Materials ein. Bevor ich diese neue  Trilogie beginne, habe ich zur Einstimmung die beiden Kurzgeschichten gelesen: „Once Upon a Time in the North“ und „Lyra’s Oxford“ spielen in der Welt von His Dark Materials. Das erste Büchlein vor den Ereignissen von Pullmans bekannter Trilogie, der zweite Band danach.

In die Vergangenheit mit „Once Upon a Time in the North“

Held dieser Geschichte ist der texanische Aeronaut Lee Scoresby, der auch in der His-Dark-Materials-Trilogie eine Rolle spielt. Zu jener Zeit ist er noch jünger und auf der Suche nach Gelegenheitsjobs, als es ihn nach Novy Odense verschlägt, einem kleinen Städtchen im Norden. Was den Anschein eines verschlafenen Örtchens hat, entpuppt sich schnell als Ort verzweifelter Unterdrückung. Gemeinsam mit seinem Dæmon, der Häsin Hester, stellt er sich auf die Seite der Gerechtigkeit und flieht nicht vor einem gefährlichen Waffenkonflikt.

Es ist die Zeit, in welcher die Bären in Novy Odense leben, doch von ihrer strahlenden Vergangenheit und ihrem einschüchternden Wesen ist nicht viel übrig geblieben. Denn den Bären ist es verboten ihre selbstgebauten Waffen oder Rüstungen zu tragen. Stattdessen verrichten sie in der Stadt niedere Arbeiten und werden von der restlichen – menschlichen – Bevölkerung weitestgehend ignoriert. So auch unser alter Freund Iorek Byrnison, der sich in „Once Upon a Time in the North“ zum ersten Mal mit Lee Scoresby verbündet.

Denn neben den unterdrückten Bären steckt auch Kapitän van Breda in Schwierigkeiten. die Große Minengesellschaft von Larsen Manganese lässt ihn nicht mit seiner Fracht den Hafen verlassen. Stattdessen ist er seit längerem an diesem Ort gefangen, obwohl er eine Deadline einzuhalten hat. Er droht seine wertvolle Fracht sowie sein Schiff zu verlieren. Als dann auch noch ein alter Bekannter, ein Auftragskiller, auftaucht, der sich in Novy Odense niedergelassen hat, weiß Lee Scoresby, dass er sich für die Gerechtigkeit in Gefahr bringen muss.

His Dark Materials – Über Gerechtigkeit und Mut

Once Upon a Time in the North“ ist eine Geschichte darüber den Mut zu finden, sich selbst in Gefahr zu bringen, um anderen zu helfen, die unterdrückt oder schikaniert werden. Es ist aber auch eine Geschichte über Zusammenhalt und Vertrauen, wenn man sich erst kennengelernt hat und schon gemeinsam gegen Unrecht kämpft. Diese kurze Geschichte über Tapferkeit hat einen leichten Touch des Vergangenen an sich. Sowohl sprachlich als auch vom Setting her merkt man als Leser: Das war „davor“, das ist eine Geschichte, die erzählt wird, als alles noch anders war.

Besonders die Begegnung mit Iorek Byrnison hat mich sehr gefreut, da er in der Trilogie eine beeindruckende Persönlichkeit ist. „Once Upon a Time in the North“ ist eine klassische Geschichte aus dem „His Dark Materials„-Universum, die von Unterdrückung und Macht erzählt, aber auch von Gemeinschaft, Loyalität sowie Toleranz und das Zusammenspiel zwischen Mensch und Dæmon aufzeigt. Die Zeichnungen von John Lawrence ergänzen die Geschichte auf ihre eigene Weise, hätten aber weit besser gedruckt werden können.

Eine Geschichte über Lug & Trug: „Lyras Oxford“

Mit „Lyras Oxford“ rücken wir eher in die Gegenwart der Trilogie um Lyra und ihrem Dæmon Pan. Das Abenteuer – so vermute ich – im hohen Norden ist vorbei und sie ist zurück ans Jordan College nach Oxford gekehrt. Der Dæmon einer Hexe kommt allein nach Oxford, verfolgt von einer Schar wütender Vögel, um Lyras Hilfe zu suchen. Seine Hexe ist schwer erkrankt und er muss einen Alchemisten namens Mr Makepeace suchen, um ein Heilmittel zu erhalten.

Besonderes Goodie bei dieser Geschichte ist die beiliegende Karte von Oxford, deren Betrachtung ein ganz eigentümliches Gefühl von Geheimnissen vermittelt. Die kranke Hexe ist bekannt mit Serafina Pekkala, weshalb Lyra dem Vogel-Dæmon der Hexe Yelena Pazhets auch auf jeden Fall helfen will, den geheimnisvollen Alchemisten zu finden.

Lyras Oxford“ ist ein süßes, kleines Abenteuer, das ebenfalls mit Zeichnungen von John Lawrence gespickt ist. Diese Kurzgeschichte erzählt von Lug und Trug, von Schein und Sein, aber auch von der Ruhe vor dem Sturm. Lyra und Pantalaimon müssen sich wieder auf ihre Instinkte verlassen, wer auf ihrer Seite steht und wer vielleicht nicht.

Eine Rückkehr in Philip Pullmans Universum:
His Dark Materials

Für die Rückkehr in eines meiner liebsten fiktiven Universen, nämlich in das von His Dark Materials, waren die beiden kurzen Geschichten von Philip Pullman ideale Wegweiser. Die Vorfreude auf ein weiteres Abenteuer haben sie durchaus vorangetrieben und auch das Begegnen mit altbekannten Figuren war einfach nur schön. Für große Fans von His Dark Materials durchaus eine Leseempfehlung, allen anderen empfehle ich die Trilogie selbst oder den neuen Band „Über den wilden Fluss„, denn die beiden Kurzgeschichten bieten wirklich nur kurzweilige Unterhaltung.

Bibliographie zu den Büchern:

Autor: Philip Pullman | Originaltitel: Once Upon a Time in the North | Sprache: Englisch | Verlag: Summersdale Yearling ( 2017 ) | Seiten: 132

Originaltitel: Lyra’s Oxford| Sprache: Englisch | Verlag: Yearling ( 2017 ) | Seiten: 72

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