Rezension | Ikigai von Héctor García und Francesc Miralles

Rezension Ikigai

Als ich das Buch in London zur Hand genommen habe, war ich gleich hin und weg, denn alles Japanische fasziniert mich momentan sehr und dort gab es Büchertische, welche die japanische Literatur und den Lebensstil in den Vordergrund gestellt haben (ein Traum!). Ich persönlich lerne gerade Japanisch, lese Mangas und schaue gerne auch mal einen Anime. Zuerst dachte ich, dass Ikigai vielleicht Ähnlichkeiten mit Hygge hat, aber als ich die ersten Seiten gelesen hatte, wurde mir schnell klar, dass dies nicht stimmt. Ikigai ist etwas ganz anderes.

Ikigai – ein langes und glückliches Leben

Ikigai ist eine Einstellung zum Leben, die auf zwei Ziele hinarbeitet: ein möglichst langes und zugleich glückliches Leben. Dabei soll Ikigai – was frei übersetzt so viel bedeutet wie „das, wofür es sich zu leben lohnt“ – den Menschen darin  unterstützen. Ikigai kann für jeden Menschen etwas anderes sein und die japanische Kultur geht davon aus, dass dieser Sinn des Lebens, das Ziel des Menschen ist; ihn zu entschlüsseln und mit ihm alles zu meistern, das ist Ikigai.

Wie findet man sein eigenes Ikigai?

Um sein eigenes Ikigai zu finden, gibt es kein Patentrezept. Sobald man es aber gefunden hat, gibt es diverse Tipps und Regeln, die man befolgen sollte, um mit seinem Ikigai glücklich zu werden. Denn es reicht natürlich nicht aus zu wissen, welches Ziel man im Leben verfolgt, für welche Fähigkeit oder für welches Tun man leidenschaftlich brennt, sodass man alle anderen Widrigkeiten unbeschadet übersteht.

Ein erster Ansatzpunkt ist es, zu überlegen, mit welchen Dingen man im Leben gerne Zeit verbringt und zwar so gerne, dass man die Zeit und alles andere um sich herum vergisst. Ist es das Lesen eines Buches, die Gespräche mit den besten Freunden, das Zeichnen eines Bildes, das Herstellen eines Produktes? Ist es allein oder mit Menschen gemeinsam?

Ikigai des berühmten Regisseurs Hayao Miyazaki ist beispielsweise das Zeichnen der wunderbaren Animes, die ich sehr gerne anschaue. Ihn treibt es sogar sonntags und an Feiertagen in die Hallen der Ghibli Studios um dort in Stille zu zeichnen.

Ikigai: Im Flow leben

Neben seinem eigenen Ikigai mit dem man sowieos im Flow ist, sollte man auch versuchen andere – alltäglichere – Dinge im Flow zu genießen. D.h. zum einen immer nur eine Sache zur Zeit, denn Multitasking war gestern. Multitasking bedeutet nämlich, dass wir ständig zwischen mehreren Dingen hin- und herswitchen und das verbraucht unheimlich viel Energie und Zeit. Stattdessen sollten wir, um im Flow zu sein, eine Sache zur Zeit erledigen und dann auf zur nächsten.

Die Regeln des Ikigai

Soweit so klar oder? Aber mit der japanischen Lebensweise und dem Ziel ein langes und gesundes Leben zu führen ist geht noch mehr einher. Es gibt Regeln, die die beiden Autoren auf ihrer Suche nach Ikigai entdeckt und gesammelt haben. Denn so genau weiß natürlich niemand, was es für ein langes Leben wirklich braucht. Um das herauszufinden haben sie mit den alten Menschen in den Blue Zones gesprochen, jenen Zonen auf der Erde, die ein überdurchschnittlich hohes Alter aufweisen im Vergleich zur Bevölkerungsdichte. Japan ist vorne mit dabei, aber nicht nur japanische 100-Jährige kommen in diesem Buch zu Wort.

  1. Bleib aktiv – von seinem persönlichen Ikigai geht man nie in Rente!
  2. Gehe alles mit Ruhe an.
  3. Iss nicht zu viel – fülle deinen Magen maximal bis zu 80 %.
  4. Umgebe dich mit guten Freunden!
  5. Bleibe oder werde fit.
  6. Lächle.
  7. Finde wieder eine Verbindung zur Natur.
  8. Sei dankbar.
  9. Lebe im Hier und Jetzt.
  10. Folge deinem Ikigai!

Ikigai und was ich davon halte

Das Konzept von Ikigai hat sich mir nach Beenden des Buches durchaus erschlossen. Doch insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob es ein Konzept für mich ist. Auf der Suche nach dem leidenschaftlichen Etwas, das mein Leben motiviert, mich in schwierigen Zeiten weitermachen lässt, das mich gedanklich auch das mit einem leichten Schwung erledigen lässt, was ich eigentlich nicht erledigen will – ja auf dieser Suche bin ich auch und soweit kann ich dem Ikigai-Konzept gut zustimmen. Ich glaube jeder Mensch benötigt ein solches Ikigai, um dem Leben entgegenstehen zu können mit all seinen Höhen und ebenso dunklen Tiefen.

Aber sein Ikigai allein zu finden, reicht laut diesem Lebenshilfe-Ratgeber nicht unbedingt aus, denn das Ziel ist ein langes und glückliches Leben und hier hake ich ein. Glücklich (ja gerne), lang (nun vielleicht). Über 100 Jahre alt werden ist für mich ein unvorstellbarer Gedanke und dafür muss man eigentlich  ganz schön viel tun (siehe u.a. die obigen Regeln). Ich nehme gerne den Gedanken zu Ikigai mit auf meinen Lebensweg, aber der Rest, den Héctor García und Francesc Miralles auf ihrer Reise gesammelt haben, klingt für mich nach einem Regelwerk, dessen Befolgung wiederum harte Arbeit ist. Und diese „Zwänge“ will ich mir in meiner jetzigen Lebensphase nicht aufbürden. Ich persönlich suche ein Leben, das wunderbar ist, das mich glücklich und zufrieden macht – und das ganz unabhängig von seiner Länge.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autoren: Héctor García und Francesc Miralles | Vollständiger Titel: Ikigai – The Japanese Secret to a Long and Happy Life | Originaltitel: Ikigai: Los secretos de Japón para una vida larga y feliz | übersetzt von: Heather Cleary | Genre: Ratgeber | Reihe: – | Gattung: Sachbuch | Verlag: Hutchinson ( 2017 ) | Seiten: 194 | Sprache: Englisch

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