Rezension | Illuminae von Amie Kaufman & Jay Kristoff

Illuminae von Amie Kaufman und Jay Kristoff

Die Zukunft: Ein brutaler Angriff auf die Planetenkolonie Kerenza. Und zwei Jugendliche, die mehr Glück als Verstand haben: Kady Grant und Ezra Mason überleben den heimtückischen Angriff auf ihren Planeten und können mit riesigen Raumschiffen fliehen. Das vorliegende Buch „Illuminae“ sind die zusammengefassten Akten über jenen Angriff auf die Kolonie: Protokolle, E-Mailverkehr, Kameraauswertungen und zum Teil geschwärzte Unterhaltungen oder Tagebucheinträge.

Illuminae: Der Angriff auf die Kolonie
– eine Verschwörung von BeiTech

Alles beginnt mit den ersten Protokollen, nämlich der Aufnahme der Zivilisten, die den Angriff von BeiTech auf die Minenkolonie des Planeten Kerenza IV überlebt haben. Kady Grant ist eine rebellische Jugendliche, die am Tag des Angriffs mit ihrem Freund Ezra Schluss gemacht hat. Doch gemeinsam konnten sie den tödlichen Angriff gerade so überleben. Kady landet auf der Hypatia, einem Forschungsschiff, und Ezra auf der Alexander, dem einzigen bewaffneten Raumschiff, das fliehen konnte.

Aber mit dem Angriff von BeiTech enden die Illuminae-Akten nicht. Das dritte Raumschiff, die Copernicus, wird von der KI AIDAN, der Künstlichen Intelligenz der Alexander, unter Beschuss genommen und zerstört. Lediglich ein paar wenige Shuttles haben es geschafft, auf die Alexander zu fliehen, wo sie seither unter Quarantäne auf Deck 4 gehalten werden. Die KI wurde abgeschaltet und diejenigen, die sich geweigert haben auf die Shuttles der Copernicus – also auf ihre eigenen Leute – zu schießen, wurden gnadenlos hingerichtet.

Ein Virus, der den Wahnsinn freilässt

Etwas ist auf der Copernicus vorgefallen: ein Virus ist ausgebrochen, der aus den infizierten Menschen schreckliche Wesen werden lässt, die sich auf alles Lebende stürzen. Aber es kommt noch schlimmer, denn dieses Virus ist nur ein Problem, das nun von der zerstörten Copernicus auf die Alexander übergeschwappt ist. Ein feindliches Schiff von BeiTech, die Lincoln, hat die Auseinandersetzung auf Kerenza IV überstanden und ist ihnen dicht auf den Fersen mit nur einem einzigen Ziel: die Überlebenden der Kerenza-Minenkolonie zu vernichten, um den Angriff für den Rest des Universums zu verschleiern.

Eine Verfolgungsjahr durch das Universum

Die Kommunikationswege zur nächst größeren Raumstation sind abgeschnitten, die Künstliche Intelligenz AIDAN, mit deren Hilfe die Waffensysteme einwandfrei funktionieren, ist abgeschaltet worden, und die Lincoln holt schnell auf. Waffenfähiges Personal ist knapp auf den beiden übrig gebliebenen Schiffen und so werden alle Zivilisten, auf ihre Fähigkeiten geprüft und eingesetzt. Ezra Mason, im Gegensatz zu Kady ein gehorsamer junger Mann, wird zum Piloten ausgebildet und untersteht ab sofort der UTA (United Terran Authority). Kady findet dagegen aufgrund ihres rebellischen und gegen Autoritäten gerichtetes Verhalten keine weitere Beachtung von den Führungskräften ihres Schiffes.

Doch insgeheim wird sie von einem Vertrauten auf der Hypatia zur Hackerin ausgebildet, denn sie hat Talent, und versucht zu entschlüsseln, was die Führungskräfte der beiden Schiffe zu verheimlichen versuchen: den schrecklichen Phobos Virus, der den Untergang der Copernicus herbeigeführt hat und eine KI, die außer Kontrolle geraten ist, um unter allen Umständen das Übergreifen des Virus zu verhindern.

Die Uhr tickt, die Lincoln kommt näher, Menschen sterben, Entscheidungen werden getroffen, Rätsel gelüftet und Geheimnisse bewahrt. Im ersten Band der „Illuminae Files“ wurde dokumentiert, wie sich die Mannschaften der beiden übrig gebliebenen Raumschiffe auf das Zusammentreffen mit der Lincoln vorbereiten und welche Schritte eingeleitet werden, um einerseits keine Panik zu erzeugen und andererseits ein mögliches Überleben zu gewährleisten.

Illuminae: ein ganz faszinierendes Erzähl-Konzept

Schlägt man „Illuminae“ auf, so erkennt man als Leser sofort, dass hier kein normales romanhaftes Erzählkonzept vorliegt, sondern dass das Buch eine Sammlung von vielen unterschiedlichen Dokumenten ist, die in ihrer Gesamtheit eine Geschichte ergeben. Es gibt Interviewmitschnitte, Berichte, offizielle Durchsagen, Kameraaufzeichnungen, Tagebucheinträge von Kady, geheime E-Mail-Dialoge sowie Zeichnungen. Ein  Countdown zählt runter bis zum Eintreffen der Lincoln, ein anderer Zählmechanismus zeigt die steigende Zahl der Virus-Opfer. Aber ebenso stehen bei fast allen diesen Dokumenten nachträglich hinzugefügte Kommentare, denn die Akten erzählen das, was sich ereignet hat.

Dieses ganz besondere Konzept ist am Anfang recht fordernd für den Leser, der sich in all diesen Textpassagen – manche davon sind geschwärzt, andere durchgestrichen, manche spielen auf der Alexander, der Hypatia oder auch der Copernicus vor ihrer Zerstörung. Manche Dokumente werden von Pseudonymen genutzt oder jemand loggt sich mit einem fremden Accounts ein, um geheime Gespräche zu führen.

Eine findige Heldin mit viel Willenskraft

Kady wird zur gewitzten Hackerin und verfolgt die Spur der Wahrheit quer durch den Weltraum. Die Akten belegen allerdings, dass ihre Spur nicht unbemerkt geblieben ist, sondern dass fast alles, was sich zugetragen hat und mit der Zerstörung von Kerenza zusammenhängt, aufgezeichnet wurde. So erlebt der Leser hautnah alle Emotionen, erhält manchmal aus objektiver, manchmal aus subjektiver Hand neue Informationen und bastelt sich nach und nach ein komplexes Bild der Ereignisse.

Neben Kady und Ezra spielt auch die Künstliche Intelligenz AIDAN eine entscheidende Rolle, denn um gegen die Lincoln nur den Hauch einer Chance zu haben, muss die KI wieder eingeschaltet werden – und keiner weiß, ob sie wieder durchdrehen wird oder nicht.. Immer mehr Menschen sterben, der Countdown zählt immer schneller nach unten und die Zahl der Opfer seit der Zerstörung der Kolonie steigt immer weiter an. Ein sich immer enger zuziehender Knoten nimmt den Figuren aus „Illuminae“ die Luft und die Chance darauf zu überleben.

Mit jeder Seite steigen Spannung beim Leser und Verzweiflung bei den Figuren

Je mehr Wissen dem Leser Preis gegeben wird, desto unglaublicher entwickelt sich die Geschichte. Es geht um menschliches Versagen, um verzweifelte Entscheidungen, um das Halten der Ordnung, ein tödliches Virus, das freigesetzt wurde, und zwei junge Liebende auf unterschiedlichen Schiffen, verloren im Weltraum.

Obwohl das Konzept von „Illuminae“ eher darauf angelegt ist die Fakten des Vorfalls darzulegen, könnte dieses Buch kaum emotionaler sein. Das Autorenduo Amie Kaufman und Jay Kristoff sind wahre Meister darin die wohl gesetzten Dialoge und Tagebucheinträge so treffend zu formulieren, dass die Verzweiflung und die nagende Hoffnung, das Gefühl von Angst immer weitergetragen wird und sich zunehmend steigert; Mit jedem Toten, mit jeder Minute, die uns näher an das Eintreffen des Kampfschiffes, der Lincoln, bringt. Und die alles entscheidende Frage: wird die fehlerhafte KI AIDAN der Grund dafür sein, dass alle Kerenza-Überlebenden am Ende im Weltraum sterben?

Ein spannendes Abenteuer ist allein das Leseerlebnis, das man mit „Illuminae“ hat. Ein Space-Abenteuer im Jugendbuchformat, das nicht zu kitschig ist, wo Gefühle eine Rolle spielen, die Protagonisten aber schnell erwachsen werden im Anblick der schrecklichen Ereignisse um sie herum. „Illuminae“ zeigt das Zerren verschiedener Kräfte in einer Extremsituation, nämlich im Moment des puren Überleben-wollens, und zeigt ebenfalls, wie beim Versuch, das Richtige zu tun, falsche Entscheidungen gefällt werden.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autoren: Amie Kaufman, Jay Kristoff | Originaltitel: Illuminae | Sprache: Englisch | Genre: Jugendbuch, Science Fiction | Reihe: The Illuminae Files | Band innerhalb der Reihe: 1 | Gattung: Roman | Verlag: Rock the Boat ( 2015 ) | Seiten: 599

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