[Rezension] Kai Weyand: Applaus für Bronikowski

Details:
Autor: Kai Weyand| Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Wallstein ( 2015 ) | Seiten: 188

NC ist über dreißig und noch auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Im Gegensatz zu seinem erfolgreichen Bruder, der in London lebt, ist er selbst noch nicht einmal richtig erwachsen. Seine Eltern sind nach Kanada ausgewandert, ohne ihn und seinen älteren Bruder mitzunehmen. Seither hat sich das Verhältnis nicht nur zu seinen Eltern abgekühlt, sondern auch zu seinem Bruder Bernd. NC steht für No Canadian, eigentlich heißt er Nies, was während seiner Schulzeit häufig zur Belustigung seiner Mitschüler geführt hat. Sein Bruder hingegen ist ein C, ein Canadian, der früh seine Karriere begonnen und die Entscheidung seiner Eltern für gut befunden hat.

NC – der die Welt anders sieht.

Schon immer ist NC von Büchern besessen, besonders nachdem seine Eltern ihn im Stich gelassen haben. Doch in Worten sieht er oftmals andere Dinge, andere Meinungen und Aussagen als der Rest der Menschen um ihn herum. Sein Denken über die Welt unterscheidet sich von dem anderer und so stößt er ein ums andere Mal besonders Fremde vor den Kopf, schüchtert sie ein, irritiert sie oder macht ihnen sogar Angst. Doch NC ist kein schlechter Mensch oder hat böse Absichten, sondern er sieht in der Welt Dinge und interpretiert diese ganz anders und das führt immer wieder zu Missverständnissen.

„Es bedeutete, mit Worten das zu bezeichnen, was zu sehen war, und nicht das, was man in ihnen sehen wollte. Er wollte das nicht vergessen.“ S.17

So auch mit der Bäckereifachverkäuferin, von der er ein Gebäckstück empfohlen haben möchte, dem alten Herrn mit dem dreibeinigen Hund, den er für den Inbegriff eines Künstlers hält oder seine Exfreundin, der er von seinem Lebenswandel als Bestattungshelfer durch die Blume hindurch erzählt und die vollkommen entsetzt darüber ist, mit welcher Freude er den neuen Job ausführt.

Mit einer Leichtigkeit erzählt Kai Weyand von seinem Antihelden, der die Welt auf einzigarte Weise sieht und dies auch seinen Mitmenschen auf seine verkappte Art näher bringen will. Das gelingt ihm jedoch nur selten, meist wird NC falsch verstanden und geht seinen Weg allein. Den Genuss seiner Welt erlebt er meist mit sich selbst, so auch die aufkeimende Freude in einem Bestattungsinstitut arbeiten zu dürfen. Während seine Familie und sein Umfeld erschrocken sind, lernt NC, dass der Tod nichts Ekelerregendes ist. Eine Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit versammelt sich in Weyands Roman „Applaus für Bronikowski“, aber der Schabernack, den er mit den Toten treibt, mündet nie in eine bloßstellende Lächerlichkeit, sondern vermittelt eine Heiterkeit, die ein solches Thema auf den ersten Blick nicht vermuten lässt. NC ist eine tragisch-komische Figur, die trotz seiner kuriosen Ideen nie lächerlich erscheint, sondern vielmehr Sympathien weckt und manchmal auch Mitleid, da die Welt ihn nicht versteht.

„Applaus für Bronikowski“ ist ein unterhaltsamer, aber auch kurzweiliger Roman der Gegenwartsliteratur, der gerne noch ein paar Seiten und ein paar Situationen mehr von NCs belustigenden Abenteuern in der alltäglichen Welt hätte haben können. Besonders gefallen hat mir die Atmosphäre des Romans, die sich mit Figuren und Handlung optimal zu einem Bild zusammenfügt.

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