[Rezension] Kanehara, Hitomi: Tokyo Love

Details:
Originaltitel : Hebi ni piasu
Autor: Hitomi Kanehara
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: List ( 2006 )
Medium: Hardcover
Sprache: Deutsch
Seiten: 117

Inhalt:

Die 19-jährige Lui lebt in Tokyo und ihr Alltag besteht einzig aus Langeweile. Als sie auf den auffälligen Ama trifft, der sich eine Schlangenzunge hat machen lassen, ist sie Feuer und Flamme. So schnell wie möglich will Lui ebenfalls eine gespaltene Zunge haben. Der Schmerz, der damit einhergeht, macht ihr nichts, er gefällt ihr vielmehr.

Meinung:

Lui ist jung und lebt in Tokyo. Ihr Leben ist von Langeweile geprägt, bis sie in einer Bar auf Ama stößt. Er ist tätowiert und hat eine gespaltene Zunge, eine Schlangenzunge. Vollkommen fasziniert, von dem jungen, außergewöhnlichen Mann, lässt sich Lui in seine Welt führen. Sie ist gebannt von seiner Zunge und lässt sich sofort ein Piercing stechen, das sie Schritt für Schritt weiten wird, bis nur noch ein letzter Schnitt zur gespaltenen Zunge fehlt. Den Schmerz, der dabei erzeugt wird, genießt die junge Frau.

Durch Ama lernt sie Shiba-San kennen, dem ein Tätowierladen gehört. Dieser lässt sich am besten als sexueller Sadist beschreiben und mit ihm geht Lui ein gefährliches Spiel ein, das ihr das Leben kosten könnte. Alle drei Figuren in Hitomi Kaneharas Buch haben dunkle Geheimnisse, die nur in Ansätzen ans Tageslicht kommen. Sie haben Vergangenheiten, die im Dunkeln bleiben und Gedanken, die nur verschwommen an den Leser weitergetragen werden.

Die Rezension zu einem durchschnittlichen Buch ist für mich eine der Schwersten. Denn was sagt man über ein Buch, das so dahin dümpelt? Zu dieser Kategorie gehört Tokyo Love. Es war weder besonders spannend, noch wirklich romantisch noch total widerlich mit Gänsehautgarantie. Die Figuren sind auf den 117 Seiten nicht in die Tiefe gegangen, sondern unausgereifte Schatten geblieben. Vielleicht war das Absicht von der Autorin, ihre Protagonisten, die nicht dem normalen Bürgertum angehören, sondern ganz andere Ansichten und Denkweisen aufzeigen, dem Leser nur zum Teil Preis zu geben.

Die Lektüre von Tokyo Love war dennoch angenehm, wenn dieses Wort überhaupt passen kann, denn die sadistischen Passagen waren doch nicht ganz ohne. Bei japanischer Literatur muss man auf einiges gefasst sein und deshalb hatte ich auch große Erwartungen und rechnete mit allem erdenklichen (und auch Dingen, die ich mir lieber nicht vorstellen will). Das hat sich aber in diesem Buch nicht bestätigt. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass der Roman einfach zu kurz geraten ist und ich gerne noch tiefer in die Charaktere eingedrungen wäre.

Fazit:

Von japanischer Literatur bin ich so einiges gewöhnt: Sie kann sowohl schockierend, als auch beeindrucken sowie einfach nur wunderschön sein. Tokyo Love von Hitomi Kanehara hingegen war durchschnittlich. Auch wenn die sadistischen Ansätze, die in diesem Buch durchkommen, durchaus zum Schockieren einluden, so fand ich die Erzählung insgesamt betrachtet zu oberflächlich. Es geht nicht in die Tiefe, man kann die Figuren nicht wirklich fassen – keine von ihnen – und gerade das hätte mich sehr interessiert.

Daher gibt es von mir 2 ½ von 5 möglichen Sternen.

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