[Rezension] Kerner, Charlotte: Kopflos

Details:
Originaltitel: Kopflos – Roman um ein wissenschaftliches Experiment
Autor: Charlotte Kerner
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Piper ( 2008 )
Seiten: 261

Klappentext: Der Künstler Gero von Hutten ist nach einem schweren Unfall vom Tod bedroht, sein Körper unheilbar geschädigt. Verzweifelt entscheidet seine Frau Yvonne sich für eine gewagte Operation: die Transplantation von Geros Kopf auf den Körper eines anderen Unfallopfers, des hirntoten Studenten Josef Metzig. Die Operation gelingt, zumindest medizinisch. Doch hat das Team um die Ärztin Lena einen neuen Menschen geschaffen? Wessen Leben führt er fort, und von wem ist Josef Frau schwanger? Wen liebt Yvonne – Gero, den Kopf oder Josef, den Körper?

Inhalt:

Die Neurologin Lena-Maria Kraft arbeitet für die Transplantationsfirma „Prometheus“. Als ein 18-jähriger Mann für hirntot erklärt wird und ein 32-jähriger Künstler nach einem Unfall am ganzen Körper schwerste Verletzungen davonträgt, bietet sich ihr eine einmalige Gelegenheit: die Familien der beiden Männer wollen, dass Gero von Huttens Kopf auf den Körper des hirntoten Josef Metzig verpflanzt wird. Aus medizinischer Perspektive ein revolutionäres Experiment, doch wer ist dieser neu erschaffene Mensch? Gero oder Josef?

Meinung:

Charlotte Kerners visionärer Roman beginnt mit der Ärztin Lena-Maria Kraft, die für eine Transplantationsfirma meist in der Forschung arbeitet. Hin und wieder müssen sich die Mitarbeiter aber auch vor Ort um Patienten kümmern. Dabei trifft die Neurologin auf Kara Metzig, deren 18-jähriger Sohn bei einem Fahrradunfall schwer auf den Kopf fällt und für hirntot erklärt wird. Die Mutter des jungen Mannes will nicht wahrhaben, dass ihr Sohn nicht mehr lebt und ist nicht bereit seine Organe zur Transplantation freizugeben.

In derselben Klinik liegt auch Gero von Hutten. Ein Maler, der bei einem Autounfall eine Hand verliert, schwere Verbrennungen und andere irreparable Schäden davonträgt. Lediglich sein Kopf ist völlig unverletzt. Geros Frau Yvonne und Josefs Mutter Kara treffen rein zufällig im Klinikpark aufeinander und während sich die beiden Frauen unterhalten, denen so viel Leid widerfahren ist, kommt ihnen eine Idee: was wäre, wenn beide Männer durch eine Operation weiterleben könnten, als ein einziger Mensch?

Das Experiment gelingt und von nun an lebt Gero von Hutten mit dem Körper von Josef Metzig. Oder umgekehrt? Lebt vielleicht Josef Metzigs Körper mit dem Kopf von Gero von Hutten? Charlotte Kerner konstruiert einen Versuch, der noch unglaublich klingt, aber schon in nicht allzu ferner Zukunft wahr werden könnte. Sie zeigt moralische und ethische Bedenken sowie juristische Fakten.

Die Autorin bezieht sich dabei vor allem auf ihre Figuren. Da wäre einerseits Yvonne von Hutten, die ihrem Mann versprochen hat, dass er wieder malen wird und die felsenfest davon überzeugt ist, dass der geheilte Mann ihr Gatte ist. Andererseits Josefs Mutter, die nicht wahrhaben will, dass ihr Sohn gestorben ist und den „Neuen“ immer noch als Josef und nicht als Gero von Hutten ansieht. Außerdem die Freundin des 18-Jährigen Rita Simon: Sie wollten kurz vor seinem Unfall unbedingt ein Baby haben. Erst ein Jahr nach der Operation erfährt die junge Frau, dass Josef „weiterlebt“ und ist anfangs schockiert, bis sie tatsächlich schwanger wird. Nur wer ist der Vater?

Und natürlich der „neue Mann“. Was passiert mit zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und für immer aneinander gebunden werden? Wer hat die Kontrolle? Der Geist oder der Körper? Gero lernt ein ganz neues Körpergefühl kennen und muss sich damit auseinandersetzen, dass „sein“ Körper andere Dinge verlangt, wie er als „Kopfmensch“ möchte. Sein Kopf will Yvonne, sein Körper Rita. Den inneren Kampf des „Neuen“ wird dem Leser immer wieder durch kleinere Absätze zwischen der eigentlichen Handlung vor Augen geführt und weckt somit seine Neugierde.

Charlotte Kerner setzt ihr Augenmerk aber auch auf einen medizinischen Kontext und flicht diesen in freistehenden Abschnitten in die Handlung ein. Das verleiht dem Buch – in Verbindung mit dem Sprachstil – eine größere Objektivität. Vor allem am Anfang von Kopflos, in dem Lena-Maria Kraft genauer beschrieben wird, herrscht, meiner Meinung nach, eine emotionslosere Stimmung – und das im positiven Sinne. Es wird viel auf die Vergangenheit der Ärztin eingegangen und beschrieben, von der alle Handlungsstricke ausgehen.

Kopflos ist ein interessanter Roman über ein wissenschaftliches Experiment der speziellen Art. Es lässt sich leicht lesen, hält den Leser in seinem Bann, da dieser wissen will wer letzten Endes die Oberhand behält: Kopf oder Körper?

Fazit:

Charlotte Kerners Roman Kopflos ist ein interessantes Buch, das sowohl ein gewagtes Experiment erläutert als auch die Personen, die dahinter stehen. Der medizinische Kontext wird in einer Weise erläutert, die auch für Laien verständlich ist. Neben der eigentlichen Hauptperson, dem neuen Menschen, stehen aber auch dessen Verwandte – sowohl von Gero als auch von Josef – im Fokus des Romans sowie die Ärztin Lena. Ein Buch, das neugierig macht und das sich mit der Frage befasst: welcher Teil des Körpers kontrolliert das „Menschsein“?

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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