[Rezension] Langer, Siegfried: Alles bleibt anders

Alles bleibt anders

Details:
Autor: Siegfried Langer
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Atlantis Verlag ( 2008 )
Seiten: 240

Inhalt:

Frank Miller erwacht eines Tages am Goerlitzer Bahnhof in Berlin. Er steht mitten auf den Gleisen und nur durch Zufall – der ankommende Zug hat Verspätung – wird er nicht überrollt. Ungläubig starren ihn die Passanten an, doch auch Frank ist ungläubig, denn nur Bruchstücke seiner Erinnerung sind ihm geblieben. Als sich herausstellt, dass er bereits seit drei Jahren für tot gehalten wird, stellt sich die Frage, wo Frank seither verblieben ist. Er wird verfolgt. Seine ehemalige Verlobte glaubt nicht, dass er der Frank Miller ist. Seine Mutter verzweifelt umso mehr. Und was bedeutet das Hakenkreuz, dass in seinen Gedanken auftaucht? Chaos.

Die Chaostheorie: Wenn ein Schmetterling in Shanghai mit seinen Flügeln schlägt, könnte er in New York einen Wirbelsturm auslösen, der die Stadt verwüstet. (frei nach Edward Lorenz)

Meinung:

Viele tausend Welten, die sich nur minimal voneinander unterscheiden, in einzelnen kleinen Faktoren, manche davon mit weitreichenden Konsequenzen. Parallele Welten, die nebeneinander existieren. Die eigene Person vielfach existent. Was würdest du tun, wenn es dir möglich wäre zwischen diesen parallelen Welten zu reisen? Für immer aus deiner Welt entschwinden oder versuchen die Missstände in der Vergangenheit zu ändern, am Beispiel einer Welt, die deiner gleicht doch nur viel perfekter ist?

Siegfried Langer behandelt genau diese Thematik in seinem Roman Alles bleibt anders. Wie würde unsere Welt heute aussehen, wenn Hitler den 2. Weltkrieg gewonnen hätte? In einer solchen Welt lebt Frank Miller. Ihm wird die Möglichkeit eröffnet die Geschichte zu ändern, indem er in eine parallele Welt reist. In eine Welt, die sich nur in einem einzigen Punkt unterscheidet: Dort gibt es keinen Nationalsozialismus und die Frage stellt sich: an welchem Punkt der Geschichte hat sich das Blatt gedreht, durch welches Ereignis wurde der Verlauf der Geschichte geändert und wird es Frank und seinen Freunden gelingen das gleiche für ihre Welt herbeizuführen?

Aber etwas läuft schief und Frank erwacht auf den Schienen des Goerlitzer Bahnhofs, nur knapp dem Tod entrinnend, da der Zug Verspätung hat. Bruchstücke aus Erinnerungen finden sich in seinen Gedanken wieder, mit denen er nichts anfangen kann. Schrittweise verfolgt er diese, findet seine Mutter, seine ehemalige Verlobte und einen Mann, der ihm nach dem Leben trachtet. Daneben steht ein System, das kein revolutionäres Gedankengut duldet, sondern nach Macht und Kontrolle strebt und das um jeden Preis.

Alles bleibt anders folgt keiner einzigen chronologischen Zeitfolge, sondern besteht aus einigen Zwischenspielen, deren Verbindung zur Handlung der Leser erst noch finden muss. Gemeinsam mit dem völlig ahnungslosen Frank Miller begibt er sich auf die Suche nach der Bedeutung seiner Erinnerungsbruchstücke. Diese Suche und der Rückblick in sein anderes – richtiges – Leben sind am Anfang verwirrend für den Leser, werden aber nach und nach in all ihren Geheimnissen gelüftet und immer spannender und „schneller“. Die beginnende Klarstellung der vorangegangenen Ereignisse dagegen gestaltet sich recht langatmig und der Leser braucht zweitweise Durchhaltevermögen, was sich aber definitiv auszahlt.

Fazit:

Das Gedankenexperiment, das Langer in seinem Roman erschafft, ist im doppelten Sinne interessant. Parallele Welten und Zeitreise sind Themen, die ich sehr faszinierend finde. Daneben konstruiert der Autor eine alternative Welt, in welchem der Nationalsozialismus Europa überzieht. In mehrfacher Weise also zeigt der Roman Möglichkeitswelten auf, die das Lesen spannend gestalten. Lediglich die Passagen, über Chaostheorie und die Entwicklung ihres Planes zur Auslöschung des nationalsozialistischen Systems sind langatmig, aber dennoch auch lohnenswert, da die Spannung danach rasant ansteigt.

Bewertung: [4/5]

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