Rezension | Lauren Graham: Talking as fast as I can

Lauren Graham: Talking as fast as I can

Man kann sich darüber streiten, ob ein wahrer Fan (etwa von Gilmore Girls) auch über den Kern des eigentlichen Fandoms (der Serie) hinaus ein Fan sein muss. Etwa, wenn eine Schauspielerin, deren Figur (wie etwa Lorelai Gilmore) man abgöttisch liebt, ein Buch schreibt. Muss man das lesen? Nicht unbedingt, würde ich sagen, denn damit switcht man unweigerlich vom einen ins andere Medium, vom Fiktiven ins Reale (in diesem konkreten Fall in eine Autobiographie) und ist damit erstmal ganz weit weg vom eigentlichen Suchtfaktor.

Lauren Grahams Autobiographie „Talking as fast as I can“ zu ihrer Schauspielkarriere ist dann aber doch eindeutig eine Leseempfehlung für alle Gilmore-Girls-Fans! Denn Lauren Graham sprüht nicht nur als ihre Figur Lorelai Gilmore vor Lebensfreude, Charme und Charisma, sondern vermittelt auch durch ihre Worte, dass sie ein Mensch ist, der ihrer Figur charakterlich durchaus ähnelt.

Lauren Graham – Der Weg zur Schauspielerin

Ihre Kindheit verbrachte Lauren Graham nach der Trennung ihrer Eltern auf einem Hausboot. Gemeinsam mit ihrem Vater verbrachte sie dort viel Zeit, bis dieser sich entschied wieder zu heiraten. Lauren war ein schlaues Kind, übersprang sogar den Kindergarten, weil sie schon lesen konnte durch das tägliche Vorlesen mit ihrem Vater. Ab diesem Zeitpunkt galt für die künftige Schauspielerin immer der Gedanke, ein zusätzliches Jahr geschenkt bekommen zu haben, da sie früher eingeschult wurde. An diesen seltsamen Gedanken hing Lauren Graham selbst noch, als sie als Erwachsene den steinigen Weg zur erfolgreichen Schauspielerin zurücklegte. Witzige Anekdoten erzählt sie dabei, die diesen harten Weg auch als einen Lehrreichen beschreiben. Nicht alles ist Lauren Graham in den Schoß geworfen worden und besonders nicht ihre Karriere als Schauspielerin.

„Talking as fast as I can“ ist kein geradliniges Buch, es ist unterbrochen von Dialogen, Telefongesprächen oder Laurens Stimme, die sich beinahe überschlägt, Witze macht und sich selbst nicht gar so ernst nimmt. Sie erzählt vom Diätenwahn in Hollywood, verrät „Geheimnisse“ der Stars und berichtet davon, wie es damals war, in Prä-Internet-Zeiten, als man gerade mal ein paar Zeitschriften oder eine einzige Show (Entertainment Tonight) im Fernsehen hatte, um über die Stars und Sternchen informiert zu bleiben, sozusagen eine Ahnung vom Starleben zu ergattern.

Sie erzählt aber auch davon, dass nicht jede Rolle für einen gemacht ist, auch wenn Script und Story überzeugen, so muss auch das gewisse Etwas zwischen Rolle und Schauspieler stimmen, um dem fiktiven Charakter die größte Entfaltung zukommen zu lassen.

Die drei zwei Rollen der Lauren Graham

Was sind die Karriereschritte einer Frau in Hollywood? Anscheinend gibt es davon genau drei und jede Rolle einer Schauspielerin ist nicht automatisch vorgegeben, sondern entwickelt sich mit dem Angebot und den Eigenschaften. Es ist ein interessanter Gedanke, den Lauren Graham da hat, die Karriere einer Hollywoodschauspielerin in drei Abschnitte zu teilen. Für sie persönlich haben sich bisher zwei dieser Abschnitte herauskristallisiert: „Das Mädchen aus der Stadt“ und „the Mom“.

Auch wenn ich zu Laurens erstem „Schauspielabschnitt“ nur wenig sagen kann, so kann ich der zweiten nur allzu deutlich zustimmen. Nicht nur in Gilmore Girls hat sie mit ihrer Rolle der Lorelai Gilmore als Mutter geglänzt – als außergewöhnlichen, flippigen und einigartigen Mutter. Auch in der Serien Parenthood konnte mich Lauren Graham als Mutter und Kämpfernatur überzeugen, anders als bei den Gilmore Girls, aber nicht weniger gekonnt.

Ihre dritte Rolle steht noch in den Sternen und jeder darf also gespannt sein, welcher Rollencharakter sich hier für die Schauspielerin Lauren Graham auftun wird.

Das Leben – Lauren Graham als Schriftstellerin

Aber Lauren Graham erzählt nicht nur von ihrer Schauspielkarriere, denn auch als Schriftstellerin ist sie erfolgreich (die Autobiographie ist nämlich nicht ihr erstes Buch!).  Sie gibt Schreibtipps für angehende Autorinnen und Autoren, erzählt von ihrem ersten Buchvertrag und dem Leben zwischen Schauspielerei und Schriftstellerei, den wenigen freien Minuten, um zu schreiben und von Schreibblockaden, die es zu überwinden galt.

Lauren Graham schreibt aber auch von ihrem Single-Dasein (als sie noch Single war) und den schwierigen Interviewfragen, der fehlenden Balance zwischen Privatem und Beruflichem, sowie der Entscheidung, was sie mitteilen will und was nicht. „Talking as fast as I can“ ist ein unterhaltsames Leseerlebnis, das alle Gilmore-Girls-Fans aber auch nostalgisch stimmt, denn natürlich berichtet Lauren Graham auch vom Revival „Gilmore Girls: A Year in a Life“ und wie es war alte Kollegen wieder zu treffen und die eine Rolle, die sie erfolgreich gemacht hat, erneut zu spielen.

„Talking as fast as I can“ – ein Fazit

Lauren Graham ist witzig und ideenreich, ihr Buch strotzt nur so vor Lebensfreude, aber auch Tipps sowie Lebenserfahrung und diese gibt sie an ihre Leser weiter, nicht belehrend, sondern auf sympathische Art und Weise – und so quirlig-verrückt wie es auch eine Lorelai Gilmore tun würde. Allerdings sollte „Talking as fast as I can“ nicht ganz so ernsthaft gelesen werden, denn hier und da ist doch die Frage, ob Lauren Graham nicht ins Fiktive abdriftet, etwa wenn es um Hollywoods Jugendwahn geht und ihrer eigenen Einstellung dazu.

Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen, denn viele Bilder im Netz sprechen eine andere Sprache, als die, die Lauren Graham in ihrem Buch nutzt. Grahams Autobiographie ist zur richtigen Zeit erschienen, mit dem Revival der Gilmore Girls, das alle Fans eh schon in eine wahre Nostalgiewelle gestoßen hat, und auf dieser Welle schwimmt ihr Buch mit. Auch dieses drückt auf die emotionale Tränendrüse und Lauren Graham verstärkt dies sicherlich bewusst an der einen oder anderen Stelle. „Talking as fast as I can“ ist unterhaltsam und den einen oder anderen Trick werde ich mitnehmen. Für Gilmore-Girls-Fans ein Lesetipp, aber kein Muss, denn die Nostalgie lässt sich auch mit ganz vielen Folgen Gilmore Girls herstellen (ein Tipp aus eigener Erfahrung! ^^)

Buchdetails:
Autorin: Lauren Graham | Genre: Autobiographie, Erinnerungen | Reihe: – | Gattung: Autobiographie | Verlag: Ballantine Books ( 2016 ) | Seiten: 209

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4 Kommentare

  1. Hallo Ramona,
    vor einigen Wochen habe ich ‚Talking as fast as I can‘ als ungekürztes Hörbuch gehört. Gelesen wird es von Lauren Graham höchst selbst und das verpasst dem sowieso schon quirlig-lustigen Buch noch mal einen ganz anderen Anstrich.
    Ich bereue meine Wahl auf keinen Fall und hatte noch Tage später einige Sätze und Anekdoten im Kopf.
    Ob ein Nicht-Fan etwas mit ihr anfangen kann bin ich mir leider auch nicht sicher, ich hingegen fand das Hörbuch sehr gelungen.

    Viele liebe Grüße,
    Rena

  2. Grüß dich.

    Eine wirklich sehr schöne Rezension, die Schuld daran ist, dass ich das Buch gerade bestellt habe. 🙂 Es kommt sogar im August auf Deutsch raus, falls du das noch unterbringen möchtest. (Fischer Verlag).

    Ich freue mich jetzt erst mal auf das Buch, denn ich bin gerade ein wenig auf Gilmore Girls Entzug. Ich hatte vor, alle Folgen erneut zu sehen, bevor ich mich an A year in a life wage, allerdings habe ich das dank der Kids erst vor Kurzem geschafft. 😀 Jetzt habe ich auch diese Folgen durch und brauche dringen Nachschub. Wie fandest du die neuen Folgen? Habe bislang viel negative Kritik gelesen. Es war nicht unbedingt perfekt, aber im Großen und Ganzen fand ich sie sehr gelungen.

    Liebe Grüße,
    Nise

    1. Hallo Nise,

      freut mich, dass meine Rezension den Buchkauf angestoßen hat. Mit den neuen Gilmore-Girls-Folgen habe ich mich inzwischen ausgesöhnt. Als ich sie das erste Mal gesehen habe, war ich irgendwie richtig schockiert. Rory war mir so unsympathisch, die Sache mit Paul und ihre Unentschlossenheit bzw. Planlosigkeit (Job ohne Geld annehmen, Jobinterview ohne Vorbereitung etc). Und dann ihre angebliche Pleite aber das ständige Jet-Setten? Irgendwie war da viel nicht schlüssig. Am besten fand ich die Geschichte um Emily.

      Viele Grüße, Ramona

  3. Hi Ramona,

    endlich habe ich deinen Blog durch das #litnetzwerk auch entdeckt und direkt mal abonniert.:)

    Ich habe „Talking As Fast As I Can“ dieses Jahr auch (aus Nostalgie und weil ich Lauren ziemlich cool finde) gehört und kann dir nur in allem zustimmen. Das Buch ist witzig und bietet einige interessante Einblicke in Hollywood, dennoch wird auch vieles nicht angesprochen, etwas oberflächlich behandelt oder gerade angesprochen, um den Nostalgie-Faktor hoch zu halten.
    Trotzdem hat es mir echt gut gefallen, gerade da Lauren das Ganze mit so viel Charme und Witz vorgetragen hat, dass ich sie direkt sympathisch fand.

    Liebe Grüße
    Effi

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