[Rezension] Marzi, Christoph: Grimm

Grimm Christoph MarziDetails:

Autor: Christoph Marzi
Genre: Jugendbuch
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Heyne ( 2010 )
Seiten: 560

 

Inhalt:

Vesper Golds Leben ändert sich innerhalb weniger Tage schlagartig. Ihre Eltern sterben unter mysteriösen Umständen, Kinder fallen plötzlich in tiefsten Schlaf und alle Eltern in ganz Europa haben den gleichen Traum. Die Mythen sind zurück und wollen die Herrschaft der Menschen beenden. Vesper gerät ins Visier der Wesen, die eigentlich nur harmlose Märchenfiguren sein sollten, doch als ein Wolfswesen ihr nach dem Leben trachtet, muss sie sich dafür entscheiden, an das Unmögliche zu glauben, um zu überleben.

Meinung:

Die fast erwachsene Vesper Gold lebt erst seit kurzem in Hamburg, nachdem sie an der Berliner Schule Probleme hatte und ihr Vater, ein erfolgreicher Regisseur, sie zu ihrer Mutter in die Hafenstadt geschickt hat. Doch Vesper lässt sich nicht unterkriegen. Mit ihrer Mutter versteht sie sich nicht sonderlich, weshalb sie allein lebt. In der Schule lässt sie sich Nichts sagen und jedem, egal ob er es hören will oder nicht, sagt sie die Meinung. Sie liebt es, nach der Schule (oder auch stattdessen) im Theater bei Ida zu arbeiten und dabei zu helfen, die Kostüme zu schneidern. Vesper ist ein aufmüpfiges Mädchen, das ihren Weg sucht.

Auch wenn sie nicht der Durchschnittsteenager ist, so lebt sie doch ein Leben, das man, trotz ihrer bekannten und reichen Eltern, als normal bezeichnen kann. Das ändert sich für immer, als ihr Vater in seiner Wohnung ermordet wird. Kaum erfährt Vesper von der grauenvollen Nachricht, erhält sei auch schon einen Brief ihres verstorbenen Vaters, mit dessem Ring, einem Schlüssel und dem Hinweis, sich vor den Wölfen in Acht zu nehmen. Wusste ihr Vater von seinem unausweichlichen Tod? Aber es kommt noch schlimmer. Kindern in ganz Europa fallen plötzlich in einen komatösen Schlaf. Alle Eltern haben den gleichen Traum, die Menschen sind erschüttert und ängstlich. Vesper wird von einem Mann im grauen Anzug verfolgt, ihre Mutter findet sie ebenfalls tot, doch zur Trauer bleibt ihr keine Zeit, denn ein schemenhaftes Wolfswesen will sie töten. Und plötzlich erinnert sich Vesper wieder an ihre Kinder, als ihre ältere Schwester ihr Geschichten erzählt hat, Geschichten von mutigen Mädchen und Vesper wird klar, dass der Selbstmord ihrer Schwester mit den eigenartigen Ereignissen, die vor sich gehen, in Verbindung steht.

Ich bin ein wirklicher Fan von Christoph Marzis Schreibstil. Diesen zeigt er auch wieder ganz gekonnt in Grimm. Langsam nähert er sich dem Märchenthema an, indem er kleine Phrasen einstreut, an die sich Vesper Gold aus ihrer Kindheit erinnert. Er spannt ein Netz aus Andeutungen, aus Erinnerungen und aus Märchenzitaten, das er bis zum Ende des Buches immer mehr zusammenzieht. Seine Geschichte ist bis ins letzte Detail durchdacht und seine Figuren sind kraftvoll.

Vesper hat mir besonders gut gefallen, da sie eine – für mich – eher untypische Heldin ist, die trotz ihrer Jugend, kein Blatt vor dem Mund nimmt und das ausspricht, was sich andere aus Höflichkeit nur denken. Eine weitere große Charakterkategorie, die Marzi grandios umgesetzt hat, sind die Mythen. Viele Märchenfiguren erhalten in dem einen oder anderen Gewand einen Platz im Buch. Aber sie sind nicht der böse Widerpart von Vesper und ihren Freunden, sondern Marzi thematisiert den Konflikt zwischen Gut und Böse und zeigt, wie er es bereits bei der Uralten Metropole getan hat, dass Figuren aus ihrer Vergangenheit und ihren Erfahrungen heraus handeln und somit nicht von Natur aus dem Bösen/Guten verfallen sind. So müssen sich auch Vesper und Leander klar werden, dass der Geheimbund, zu dem ihre Eltern gehört haben, nicht unbedingt die Guten in diesem Spiel sind.

Etwas unausgegoren fand ich dagegen die Liebelei zwischen Vesper und Leander, die es zwar für den Ausgang der Handlung benötigt hat, für mich aber zumindest zu Beginn recht störend und irgendwie Fehl am Platz war. Die beiden sind nur einen Tag zusammen und schon scheinen sie, für einander bestimmt zu sein. Darüber lässt sich aber hinwegsehen, denn Marzis Handlungsverlauf ist so geschickt und das Netz, das er aufbaut ist letztendlich nicht vollständig einsehbar und schafft somit eine immer spannend bleibende Story.

Fazit:

Christoph Marzi verbindet in Grimm alten Märchenstoff mit einer modernen Geschichte, die den Konflikt zwischen Gut und Böse erzählt. Aber nicht auf eine schwarz-weiß-malerische Art und Weise, sondern mit Figuren, die von ihrer Vergangenheit und der ihrer Familien beeinflusst sind, und deshalb zwischen dem, was gerecht und richtig erscheint, und dem, was möglicherweise falsch ist, stehen.

Bewertung: [4/5]

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