[Rezension] McCarthy, Cormac: Die Straße

Die Straße von Cormac McCarthy

Details:

Originaltitel: The Road
Autor: Cormac McCarthy
Genre: Dystopie, Postapokalypse
Reihe: –
Gattung: Romane und Erzählungen
Verlag: Rowohlt ( 2008 )
Seiten: 253

Inhalt:

Ein vollkommen zerstörtes, vollständig verbranntes Amerika. Winter, Kälte, grauer Schnee. Asche, soweit das Auge reicht. Durch diese Landschaft ziehen ein Vater und sein kleiner Sohn auf der Suche nach Hoffnung und der notwendigen Nahrung, die sie einen weiteren Tag überleben lässt.

Meinung:

Amerika gleicht einer Einöde. Alles Leben ist vernichtet, die Bäume recken sich mit ihren blattlosen Ästen gen Himmel. Wie Mahnmale verlachen sie die wenigen Überlebenden, die sich auf Nahrungssuche gegenseitig bekämpfen. Von Ort zu Ort ziehen, auf der Suche nach noch haltbaren Konservendosen, denn die einst lebendige blühende Erde ist zu einer toten Welt mutiert, in der es Asche regnet und keine Knospen mehr durch den Erdboden dringen. Jeder Tag bedeutet Gefahr und könnte der letzte sein, den man erlebt.

So ergeht es einem Jungen und seinem Vater. Namenlos ziehen sie durch das einst reich bevölkerte Amerika. Sie fliehen vor dem Winter, der seine eiskalte Hand immer weiter nach ihnen ausstreckt. Hat er sie erst einmal in seinen Klauen, bedeutet das für beide den sicheren Tod. Ihr Ziel ist die Küste und die damit verbundene Hoffnung, Menschen zu entdecken, die ihnen wohlgesonnen sind; möglicherweise Zivilisation vorzufinden.

Alles, was sie besitzen, tragen sie am eigenen Leib oder in ihrem Einkaufswagen, den sie bei Bedarf im Gebüsch verstecken. Um ihre Füße haben sie Stofffetzen gewickelt, denn Schuhe sind Mangelware. Fast jeder Ort, jedes Haus ist geplündert und so wächst der kleine Junge ohne Namen in einer trostlosen grauen Welt auf. Er hat die funkelnde, von Elektrizität erleuchtete Welt nie kennengelernt.

Cormac McCarthys postapokalyptischer Roman ist bedrückend. Vielleicht gerade deshalb, weil seine Protagonisten keine Namen besitzen. Jeder von uns könnte an ihre Stelle treten, wenn die Welt zu Ende geht und nur noch Asche und Verderben übrig bleiben. Ein Funke Hoffnung treibt den Vater und seinen Sohn voran. Ein Hoffnungsschimmer, der so schwindend gering ist, dass der Faden, an welchem er hängt jederzeit durchschnitten werden kann. Einzig ihr Überlebenswille lässt sie Tag für Tag etliche Kilometer laufen, immer auf der Hut vor Menschen, die ihnen Böses wollen.

Das Gute in dieser Welt bewahrt der Vater in der Liebe zu seinem Kind, das er unter allen Umständen am Leben erhalten, das er lächeln und spielen sehen will. Dem es das Herz bricht, wenn er sieht, wie abgemagert sein Sohn ist und wie still er wird im Angesicht der Schrecken und Unmenschlichkeit, die er miterleben muss.

Die Dialoge in McCarthys Buch sind Wenige. Denn was gibt es zu sagen, wenn man Tag für Tag nur um das Überleben kämpft, kaum noch zu Essen hat, hungert, am Ende seiner Kräfte ist und den Gedanken an den Tod verbannen möchte. Ein Gedanke, der sich immer wieder einschleicht und daran, dass nur noch ein Schuss Munition im Revolver übrig ist. Rückblenden ermöglichen dem Leser zu erfahren, was geschehen ist, warum die Mutter des Kindes tot ist und gleichzeitig stehen die Fragen im Raum: Wird es beiden möglich sein zu überleben und was erwartet sie am Ende ihrer Reise?

Fazit:

Der postapokalyptische Roman Die Straße von Cormac McCarthy ist ein spannendes Buch, nicht gerade deshalb, weil sich ein actionreiches Ereignis an das andere reiht, sondern vielmehr, weil der Autor die zwei namenlosen Figuren – den Vater und seinen Sohn – Persönlichkeit verleiht durch ihre Gedankenwelt, ihre Handlungen, die Rückblenden und die allessagende Stille, in der sie sich bewegen. Ein Roman, der betrübt, aber zugleich den Funken von Hoffnung nie sterben lässt, egal wie winzig er auch scheint.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.