[Rezension] McNamara, Ali: Tatsächlich Liebe in Notting Hill

Tatsächlich Liebe in Notting Hill

Details:
Originaltitel: From Notting Hill with Love … Actually
Autorin: Ali McNamara
übersetzt von: Sina Baumanns
Genre: Frauenroman
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Goldmann Verlag ( 2012 )
Seiten: 448

Inhalt:

Scarlett hat eine große Leidenschaft: Das Kino. Sie liebt nichts mehr als die Filme mit Hugh Grant, darunter vor allem Notting Hill und Tatsächlich Liebe, aber auch Pretty Woman gehört zu ihren Favoriten. Immer dann, wenn sich Scarlett in ihrem Leben langweilt, flüchtet sie sich in ihre Tagträume bestehend aus den Happy-End-Kinofilmen, die sie so liebt. Damit stößt sie nicht nur bei ihrem Verlobten David, sondern auch bei ihrem Vater und ihrer Freundin Maddie auf taube Ohren. Um ihre Gedanken zu ordnen und den Menschen in ihrem Leben zu beweisen, dass Kinofilme keine Zeitverschwendung sind, sondern sich Hollywoodmomente auch in der Realität wiederfinden, wird Scarlett für einen Monat Haussitter in Notting Hill.

Meinung:

Scarlett ist eine Tagträumerin. Sie liebt das Kino und immer dann, wenn das Leben sich von seiner öden Seite zeigt, träumt sich Scarlett in einen ihrer Lieblingsfilme, vergleicht Menschen, die ihr begegnen mit Schauspielern aus diesen Filmen und vergisst dabei alles andere um sich herum. Ihr Umfeld reagiert auf Scarletts Tagträume mit Augenrollen und Abweisung. Besonders ihr Verlobter David, den sie ihn wenigen Wochen heiraten soll, ist zunehmend gereizt, wenn Scarlett sich sogar bei für ihn wichtigen Geschäftsterminen in ihre Traumwelt flüchtet.

Nicht nur David macht sich Sorgen um Scarletts Verhalten, sondern ebenfalls ihre Freundin Maddie und ihr Vater, der ihr verrät, dass ihre Mutter – die Scarlett als Baby verlassen hat – ebenfalls ein Fable für Kinofilme hatte. Scarletts Freundin hat eine Idee: Bekannte, die in Notting Hill leben, werden einen Monat in Dubai verbringen und suchen einen Haussitter. Wer wäre besser geeignet als Scarlett, die mit ein bisschen Abstand ihr Leben überdenken und herausfinden soll, was für sie am wichtigsten ist?

Heimlich plant Scarlett aber weit mehr. In Notting Hill, dem Spielort ihres Lieblingsfilms, will sie Filmmomente erleben und so ihren Freunden und ihrer Familie zeigen, dass Filme nicht nur Fiktion sind, sondern auch in der Realität einen Platz haben.

Noch bevor sie in ihrem neuen Heim ankommt trifft sie in der Buchhandlung, die in dem Film Notting Hill vorkommt, einen jungen Mann, den sie aufgrund ihrer Tagträumereien fälschlicherweise für einen Buchhändler hält. Dieser reagiert ziemlich unfreundlich und zeigt Scarlett damit, dass die Menschen in Notting Hill nicht unbedingt netter sind, weil sie dort wohnen. Ausgerechnet dieser Mann, Sean, ist ihr neuer Nachbar.

Durch weitere Zufälle, die durchaus wie aus einem Film zu sein scheinen, lernt Scarlett neue extrovertierte Freunde kennen und ehe sie sich versieht ist sie mit Sean auf der Hochzeit seiner Cousine und erlebt einen Filmmoment nach dem Nächsten. Der ihr anfangs so unsympathische Mann unterstützt sie bei der Suche nach ihrer Mutter, der Frau, von der sie nichts weiß, außer dass sie ebenfalls eine Liebe zum Kino hatte. Scarletts Gefühlswelt gerät aus den Fugen. Sie sucht nicht nur nach ihrem eigenen Happy End, sondern schwankt zwischen Realität und Fiktion, von den Verpflichtungen, die sie bereits eingegangen ist, von den Erwartungen ihrer Freunde und Familie und die ihres eigenen Herzens.

Die Protagonistin Scarlett ist eine Tagträumerin und auch wenn ich gerne selbst in Tagträumen schwelge, so übertreibt es Scarlett definitiv. Die Kritik und die Sorge ihres Umfeldes konnte ich selbst sehr gut nachvollziehen, denn das ständige Schwelgen in Filmen, die vielen Filmzitate und das Vergleichen jeder einzelnen Person, der Scarlett begegnet mit irgendeinem Schauspieler sind teilweise wirklich too much.

Um das Buch genießen zu können, sollte man als Leser eine Großzahl der Filme selbst kennen, es ist aber nicht erforderlich, dass man sie alle in- und auswendig kennt, da Scarletts Freunde, vor allem Sean, der eher ein Filmehasser ist, keine Ahnung von den meisten ihrer Lieblingsfilme haben und so immer mit den nötigsten Informationen zur aktuellen Filmszene, deren Bestandteil sie unwissentlich geworden sind, versorgt werden.

Ein wirklicher Minuspunkt für mich war aber – und das betrifft wieder Scarlett – ihre Unentschlossenheit. Ihre Gefühle für Sean versucht sie zu verdrängen, da sie mit David verlobt ist. Sie selbst springt in ihren Gedanken immer hin und her, kann sich aber nie für einen der beiden Männer entscheiden, bzw. tut das, was alle anderen Personen und Familienmitglieder von ihr erwarten und gibt mehr auf deren Urteil, als auf ihr eigenes Gefühl. Genau das ist ein Punkt, den ich nicht als eher unrealistisch einstufe. Scarlett ist eine Träumerin, die ihr eigenes Happy End sucht und gibt dann letztendlich in der Realität doch nichts auf ihre eigenen Gefühle, sondern glaubt – gegen alle ihre Erfahrungen – den Menschen, die nur wenig aus den vergangenen Wochen ihres Lebens mitbekommen haben. Ihr Happy End erhält sie dann letztendlich, indem sie eine absolut passive Rolle einnimmt und sozusagen hineingestoßen wird, ohne sich selbst ihr Glück aktiv zu suchen.

Nichtsdestotrotz ist Tatsächlich Liebe in Notting Hill eine schöne Unterhaltungslektüre, die vor allem für die Fans von Hugh-Granz-Filmen und Hollywoodliebesfilmen geeignet ist. Am Ende des Buches hat die Autorin Ali McNamara dazu extra noch einen kleinen Fragebogen angehängt, um das Wissen der Leser zu den fünf liebsten Filmen Scarletts zu testen und einen kleinen Anhang über die besten Besichtigungstipps in Notting Hill.

Fazit:

Wer sich selbst gerne in Tagträumen verliert und in die Welt von Büchern oder Filmen eintaucht, wird in Scarlett eine Gleichgesinnte finden, die ihre Träumereien exzessiv betreibt. Sie sucht Filmmomente im wahren Leben und erlebt dabei selbst den Film ihres Lebens mit neuen Freunden und der Aufdeckung ihrer Vergangenheit, indem sie ihre verschwundene Mutter sucht. Zwar übertreibt es die Autorin mit den Filmvergleichen und –zitaten, dennoch ist Tatsächlich Liebe in Notting Hill eine romantische Unterhaltung für Zwischendurch, die vor allem für Fans von Hollywood-Liebesfilmen geeignet ist.

Bewertung: [3/5]

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