[Rezension] Michael Büker: Ich war noch niemals auf Saturn

In welcher Einheit werden so gigantische Entfernungen gemessen, die wir uns im Geiste überhaupt nicht mehr vorstellen können? Was genau ist das Roboterland? Und was ist eigentlich das wichtigste Problem bei einem langen, langen Weltraumausflug? (Ja, der Treibstoff!) Diese und andere Fragen beantwortet der Diplomphysiker Michael Büker in seinem Buch „Ich war noch niemals auf Saturn“ mit viel Esprit und Charme. Wer nüchterne Daten und Fakten erwartet, der braucht dieses Buch erst gar nicht in die Hand zu nehmen, denn gemeinsam mit dem Autor begibt sich der Leser auf eine aufregende und humorvolle Weltraumfahrt.

Unser Sonnensystem

Das Raumschiff ist startklar, der Proviant festgeschnallt und die Reiseroute berechnet. Los geht es also mit Michael Büker auf eine unmögliche Raumfahrtmission weit darüber hinaus, was die Menschheit per Satellit, Sonde oder sonstiger technischer Errungenschaft überhaupt jemals erblickt hat. Aber zunächst bleiben wir auf gewohntem Terrain, nämlich in unserem eigenen Sonnensystem mit den acht Planeten und dem zurückgestuften (ja, auch für mich persönlich war das ein harter Schlag, der mein Weltbild ins Wanken brachte) Zwergplaneten Pluto. Nach Festlegung dreier Kriterien, die einen Planeten definieren, wurde der neunte Planet unseres Sonnensystem Pluto zum Zwergplaneten degradiert. Aber auch als zwergenhafter Planet hat Pluto (und er ist nicht der einzige seiner Art) seine Reize und mit diesen tröstet Michael Brüker seine Leserschaft über den Statusverlust hinweg.

  1. Planeten kreisen regelmäßig um die Sonne,
  2. sie sind groß genug um durch ihre eigene Schwerkraft annähernd kugelrund geworden zu sein,
  3. und es können zwar Monde um sie herumfliegen, aber sich keine ähnlich großen Nachbarn in der Umgebung ihrer eigenen Umlaufbahn aufhalten.
    (S. 101 | E-Book „Ich war noch niemals auf Saturn“)

Aber nun befinden wir uns mit Pluto schon im Kuipergürtel und damit im Hinterhof unseres Sonnensystems, bei den TNO = transneptunischen Objekten. Unsere Weltraumreise beginnt allerdings als Erdenbewohner ganz klassisch auf der Erde, die zur Sonne eine Entfernung von gut 150 Millionen Kilometern, oder eben eine AE (= „Astronomische Einheit“) hat. Im Vergleich dazu ist unser ständiger Begleiter, der Mond, gerade mal ca. 420 000 km von uns entfernt.

Und von dort aus entführt uns Michael Büker von einem Planeten zum anderen und macht es seinen Lesern leicht, die Komplexität des Sonnensystems zu verstehen, indem er Vergleiche zieht, die wunderbar witzig sind und in unsere Lebenswelt passen, wie etwa ein Park voller Süßigkeiten, welche das Sonnensystem in seinen Entfernungen im Kleinen widerspiegeln sollen. Dabei lässt der Autor und Wissenschaftler seiner Phantasie freien Lauf und entwirft im Verlauf seines Buches weitere alltagstaugliche Vergleichsbeispiele, die uns das Verstehen als Nicht-Physiker einfacher machen.

Welche Planeten gehören gleich noch einmal zum Sonnensystem?

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Die Sterne um uns herum

Und diese Beispiele sind besonders dann notwendig, wenn wir uns aus dem Sonnensystem entfernen und in die Regionen vordringen, die noch kein Mensch betreten, kein von Menschenhand entworfenes Flugobjekt erreicht hat: die Sterne um uns herum. Wir erleben sie als Nebel, als fremde ferne Galaxien.

Aber was genau ist ein Stern? Das Hertzsprung-Russell-Diagramm clustert wie folgt: Hauptreihensterne, Zwergsterne und Riesensterne. Unsere Sonne wird dabei als ein mittelschwerer Stern klassifiziert und gehört zu den Hauptreihensternen. Zu viele, trockene Infos? Nicht bei Michael Büker, denn dieser beschreibt die Welt der Sterne mit so viel Leidenschaft und Witz, dass mich der Funke der Astronomie, den ich als Jugendliche zu einem klitzekleinen Teil ausgelebt, wiederentdeckt habe. Man spürt die Begeisterung, die er selbst für das Universum und die darin enthaltenen Objekte hat und diese Begeisterung ist ansteckend! Wissenschaft muss nicht langweilig sein und das beweist Michael Büker mit seinem Buch ein um’s andere Mal. Sicherlich ist vieles vereinfacht dargestellt, sodass man auch mit einem kaum vorhandenen physikalischen Verständnis die Beschreibungen versteht.

Und neben den Beschreibungen und Informationen, die Büker liefert, versteht er es Rationales mit der richtigen Portion Emotion zu verbinden. So blieb mir die innige Beziehung eines Doppelsternsystem ganz besonders im Gedächtnis. Der hellste Stern an unserem Himmel, Sirius, besteht nämlich aus Sirius A und Sirius B. Letzterer wird von Sirius A beinah überstrahlt, da er bereits zum Weißen Zwerg, einem kleinen, kaum noch mit Leuchtkraft besetzten Stern geworden ist. Und doch gehören die beiden Sterne zusammen und bilden den Sirius, wie wir ihn an unserem Sternenhimmel sehen.

Und es geht noch weiter – das Universum

Die Reise unseres Raumschiffs ist damit aber noch nicht zu Ende, denn das Universum ist noch weit gigantischer, als wir es uns gedanklich ausmalen können und der nächste Stopp ist unsere Milchstraße, unsere Galaxie – eine Insel von Sternen. Es hat ein bisschen was von Romantik, wenn man an die Ausmaße des Universums denkt, das hell erleuchtet von einer unvorstellbaren Anzahl an Sternen besiedelt ist. Und ebenso berührend, wenn man daran denkt, dass die ersten von ihnen bereits ihr Strahlen eingebüßt haben, andere aber gerade mal die Hälfte ihrer Lebenszeit, so wie unsere Sonne, aufgebraucht haben und immer noch als „jung“ gelten, wenn man vom Ursprung des Universums bis ins 21. Jahrhundert rechnet.

„Ich war noch niemals auf Saturn“ besitzt aber nicht nur inhaltlich sowohl großen Unterhaltungs- als auch Lerneffekt, sondern auch die Zeichnungen von Frau Kirschvogel sind bittersüß und bilden gleichzeitig einen weiteren Mehrwert des Buches, denn eine genauere Betrachtung der Illustrationen lohnt sich allemal! Und neben der spannenden Reise durch das Universum vergisst Michael Büker auch nicht die geschichtlichen Fakten, den Rückblick auf die Antike, als die ersten Planeten, damals als Wanderer bezeichnet, entdeckt und benannt wurden. Benennungen, Historisches und Fachbegriffe erwähnt und erläutert er ebenso, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger, sondern immer mit der ihm eigenen Mischung aus Witz und Wissen.

Ach und wer wissen will, was es mit den Schwarzen Löchern auf sich hat, der sollte einfach zu diesem Buch greifen und einen Ausflug ins Universum unternehmen!

Details zum Buch: Autor: Michael Büker | Genre: Astronomie | Reihe: – | Gattung: Sachbuch | Verlag: Ullstein ( 2016 ) | Autorenwebseite

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