[Rezension] Milford, Kate: Boneshaker

Details:
Autorin: Kate Milford | Originaltitel: The Boneshaker | übersetzt von Alexandra Ernst | Illustrationen von Andrea Offermann| Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Verlag Freies Geistesleben ( 2015 ) | Seiten: 381

Boneshaker von Kate MilfordMit dem Teufel ein Tänzchen wagen, erfordert mehr Mut, als die meisten Menschen besitzen. Das erfährt die junge Natalie Minks am eigenen Leibe, als sich in ihrer Heimatstadt Arcane seltsame Dinge ereignen. Sie wird plötzlich von unheimlichen Visionen heimgesucht, die sie bis zu Ohnmacht treiben. Eine kuriose Schaustellertruppe landet unfreiwillig in der Kleinstadt und sorgt mit ihrer medizinischen Jahrmarktsausstellung für Aufruhr unter den Bürgen. Oder können sie tatsächlich Wunder vollbringen?

Ein Jahrmarkt der Kuriositäten

Natalie Minks, ein ganz gewöhnliches Mädchen, lebt an der Grenze zur Moderne, als Automaten ein Wunder der technologischen Entwicklung sind. Sie liebt es aus Uhrwerk und Rädern kleine Flieger zu basteln, um sie zum Leben zu erwecken. Die Faszination, aus etwas Unbelebten zumindest für kurze Zeit ein sich bewegendes Objekt zu machen, hat sie ergriffen. Und als Dr. Biegebein mit seiner Schaustellertruppe in ihrer Stadt eine technische Medizinausstellung ins Leben ruft, erlebt Natalie, das Automaten wie perpetuum mobiles (die es aber bis dato nicht geben dürfte) sich immerzu bewegen und nie aufgezogen werden müssen. Welcher Trick steckt dahinter? Ist Dr. Biegebein ein Quacksalber behauptet, oder steht mehr ihm und den Archetypen der Wissenschaften?

Als ihre Mutter schwer erkrankt und fast alle Bürger Arcanes den Jahrmarkt mit seinen Mittelchen und Wundern besuchen, kommt Natalie gemeinsam mit ihren Freunden einem dämonischen Spiel auf die Spur. Sind all die Geschichten, die ihr ihre Mutter von der eins an jener Kreuzung, an der nun Arcane steht und früher die alte Stadt auflebte, wirklich war? Hat der alte und heruntergekommen Tom Guyot mit seiner Gitarre tatsächlich gegen den Teufel gekämpft, ihm Schnippchen geschlagen und hat er den Gefallen, der ihm der Teufel nun schuldet, eingelöst? Und wer ist der einsame Wanderer, der die Stadt genauso zufällig zu besuchen scheint, wie die Schaustellertruppe? Kann ihrer Mutter geholfen werden und wenn ja, was ist der Preis dafür? Unheimliche Anfälle überkommen Natalie, die sie ohnmächtig werden lassen, ihr Schwindel und Übelkeit hinterlassen und ihr Visionen der Vergangenheit geben – Erinnerungen, die nicht ihre eigenen sind.

Ein spannungsvolles Netz aus rätselhaften Geschichten

Boneshaker nennt Natalie ihr Rennrad, das ihr Vater für sie zusammengebaut hat und das sie beinahe um den Verstand bringt, denn es lässt sich nicht „einfach so fahren“. Es bricht ihr vielmehr beinahe die Knochen, wenn sie es versucht. Kate Milfords Debütroman beginnt mit einem atmosphärischen Spannungsaufbau. Zwischen Geschichten der alten Stadt, die nicht mehr existiert, und den Geschichten der Gegenwart spinnt sie gekonnt ein Netz des Personals ihres Romans. Alles knüpft sich an die Kreuzung Arcanes, wo einst der Teufel sein Unwesen trieb. Zwischen dämonischen Mythen und gespenstischen Automaten a lá E.T.A. Hoffmann sind ihre Figuren Marionetten eines teuflischen Puppenspiels. Wer zieht die Fäden, wer handelt freiwillig bösartig und wo endet die Grenze zwischen Gut und Böse überhaupt?

Boneshaker ist hat seine Schwächen, denn es schlingert zwischendrin hin und her ohne so recht voranzukommen. Der Leser weiß bis zu einem gewissen Grad mehr als Natalie, die sich manchmal der Wahrheit erst auf den zweiten Blick auf die Spur kommt, eben blind durch die Welt schreitet, während man als Leser schon einen Schritt weiter ist. Dennoch kann auch der Leser dem Puppenspiel erst am Ende des Buches auf die Schliche kommen und durchschaut das Teufelsspiel. Boneshaker ist ein Jugendbuch für jüngere Leser, die wissbegierig der Welt entgegenblicken und sich begeistern für unglaubliche Gegebenheiten. Überall lauern Kuriositäten und seltsame, beinahe verrückte Figuren. Jeder Satz kann eine Anspielung sein und zum Entschlüsseln der Geschichte beitragen. Wer ist wer im dämonischen Ratespiel? Und dabei sind auch die zu erwähnenden Illustrationen von Andrea Offermann recht hilfreich. Sie unterstützten das Kuriositätenkabinett Dr. Biegebeins und geben der Geschichte einen visuellen Touch.

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