Rezension | Mit dem Schreiben anfangen von Hanns-Josef Ortheil

Mit dem Schreiben anfangen von Hanns-Josef Ortheil

Mit dem Schreiben anfangen – mein persönlicher Ausgangspunkt

Ich liebe es zu lesen und ich liebe es zu schreiben. Während ich das eine, nämlich Lesen, einigermaßen auf die Reihe bekomme, erleidet das andere, nämlich Schreiben, eine ordentliche Durststrecke. Wenn ich in einer guten Phase bin, dann schaffe ich es gerade mal so für den Blog zu schreiben. Aber eigentlich liebe ich es auch darüber hinaus Texte zu verfassen, doch das habe ich schon unendlich lange nicht mehr gemacht.

Der Entschluss mich wieder mehr mit der schreibenden Tätigkeit zu befassen, steht schon länger. Die Umsetzung war bisher sehr mangelhaft, weshalb mich das Buch „Mit dem Schreiben anfangen“ sofort angesprochen hat. Denn ist der Titel nicht gerade das, was mich seit Monaten umtreibt? Ja! Und doch haben das Buch und ich leider nicht zusammengepasst

Mit dem Schreiben anfangen – die Zielgruppe

Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: Ich bin nicht die Zielgruppe dieses Buches. Hanns-Josef Ortheil spricht mit „Mit dem Schreiben anfangen“ junge Autorinnen und Autoren an, die das Schreiben als berufliche Zukunft sehen. Wer lediglich das Schreiben als kreatives Hobby betreiben möchte oder sogar darüber hinaus als eine Passion, der ist mit diesem Buch ganz einfach falsch bedient. Dieser Ratgeber zeigt nämlich in unterschiedlichen Kapitel mit Übungsteilen, wie man seinen Tagesrhythmus als künftige Autorin oder als künftiger Autor komplett dem Schreiben widmet. Für mich als Vollzeit-Berufstätige ein gar unmögliches Unterfangen!

Mit dem Schreiben anfangen – der Aufbau

Das Buch von gerade mal 150 Seiten ist in fünf Kapitel aufgeteilt:

I. Textprojekte und Schreibaufgaben: Räume, Zeiten und Begleitung des Schreibens
II. Textprojekte und Schreibaufgaben: Anfangen
III. Textprojekte und Schreibaufgaben: Material sammeln und ordnen
IV. Textprojekte und Schreibaufgaben: Einsteigen
V. Textprojekte und Schreibaufgaben: Ausbauen

Wie sich vielleicht schon aus der Struktur des Buches erkennen lässt, ist „Mit dem Schreiben anfangen“ kein Buch, das einem zeigt, wie man seinen ersten großen Roman schreibt.

Vielmehr ist der Titel Programm: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein tägliches oder zumindest regelmäßiges Schreiben möglich ist? Das beginnt bei der räumlichen Situation, einem Schreibplatz, der den Bedürfnissen des Schreibenden gerecht wird, und endet bei täglichen Routineübungen, die als Rituale das Schreiben fest im Alltag verankern.

Mit dem Schreiben anfangen –
WIRKLICH mit dem Schreiben anfangen

Worauf es Hanns-Josef Ortheil in diesem Buch ankommt, ist tatsächlich das Schreiben tief in den Alltag hineinzugraben und in jeder Begegnung, jedem Zettel oder Magazin Material zu erkennen, das dem eigenen Schreiben dienlich sein kann. Dabei wird wert auf das Handwerk gelegt, also z. B. mit unterschiedlichen Arten von Stiften auf Papier schreiben – unabhängig vom Inhalt.

Für jede seiner Methoden und Übungen bringt er Autorinnen und Autoren aus unserer Zeit oder berühmte SchriftstellerInnen der Vergangenheit ein und zeigt, wie diese den einen oder anderen Übungsschritt selbst durchgeführt haben. Sei es David Wagner, der auf seinen Reisen immer wieder in einem Hotelzimmer geschrieben und dieses beschrieben hat (Kap. IV Serielles Schreiben 4: Einen bestimmten Raumtyp immer wieder aufsuchen) oder E.T.A. Hoffmann, der von jeglichen Stimulanzien, wie Alkohol, Abstand gehalten hat.

Hanns-Josef Ortheil geht auf das Schreibwerkzeug ein, die unterschiedlichen Phasen von Schreiben sowie auf den Ort des Schreibens und welche unterschiedlichen Fokusse man in Textformen setzen kann. Er versucht dem Leser näher zu bringen, dass Schreiben nicht nur bedeutet an einem großen Werk zu schleifen, sondern dass allein das aktive Schreiben, egal welcher Art, der erste Schritt zum professionellen Schreiben ist.

Dabei hebt er sich selbst manchmal etwas zu sehr hervor, geht aber durchaus auf viele Autorenkolleginnen und -kollegen ein, die man im ersten Denken vielleicht hier nicht als „Übungsbeispiele“ vermuten würde: Stefanie Sargnagels Facebook-Meldungen oder Claudia Vamas‘ kurze Twittermeldungen – beides pointierte Darstellungen eines „Ichs“.

Mein Fazit …

Abschließend glaube ich, dass, wenn man zur Zielgruppe des Buches gehört, durchaus einen Handwerkskasten vorgelegt bekommt, der einem dabei hilft, seinen Alltag und das Schreiben zusammenzubringen. Nicht jeder Tipp in diesem Buch ist für jeden Schreibenden geeignet. Aber allein als eine Ideensammlung für das schreibende Denken und Umsetzen kann sich „Mit dem Schreiben anfangen“ gut eignen. Sofern man noch ganz am Anfang steht und es einem ernst genug ist, ein professionelle(r) SchriftstellerIn zu werden.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Hanns-Josef Ortheil | Originaltitel: Mit dem Schreiben anfangen. Fingerübungen des Kreativen Schreibens | Genre: Ratgeber | Reihe: Kreatives Schreiben | Gattung: Sachbuch | Verlag: Dudenverlag ( 2017 ) | Seiten: 158

Weitere Rezensionen zu „Mit dem Schreiben anfangen“:

Buchperlenblog | Lillis Buchseite | Lexas Leben

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