[Rezension] Nestvold, Ruth: Flamme und Harfe

Details:
Originaltitel: Yseult
Genre: Romane & Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Penhaligon ( 2009 )
Seiten: 697

Klappentext: Einst, zu einer Zeit jenseits der Geschichte, saß eine Frau, so schön wie der Mond, auf einem Pferd und betrachtete ein Feuer. Das Feuer ist Teil der Geschichtsschreibung. Die Frau jedoch ist Teil der Legenden…

Tristan und Isolde, Tristram und Isot, Essylt und Drust, Yseult und Drystan: Die Naben haben sich im Laufe der Zeit geändert, Liebende aber waren sie immer – und ihr Schicksal wurde nie vergessen.

Die meisten Erzählungen über sie beginnen mit dem Mann. Diese beginnt mit der Frau.

Inhalt: Im alten Irland – Erius – ist Yseult die Weise Königin der Tuatha Dé Danann. Sie bestimmt entscheidet durch Heirat wer zum Hochkönig ernannt wird. Ihre Tochter Yseult die Schöne soll gegen ihren Willen Marcus Cunomorus, den König von Dumnonia, heiraten. Um das zu verhindern lässt sich ihre Mutter nach altem Brauch vom Hochkönig scheiden. Stattdessen lernt die junge Yseult Marcus‘ Sohn Drystan kennen, der sich als Barde ausgibt. Beide verlieben sich ineinander, doch Drystans Geheimnis wird entdeckt…

Meinung: Irland zur Zeit der Christianisierung – damals wurde die Insel, deren Bewohner noch mehrheitlich dem Alten Pfad der Göttin folgten, Eriu genannt und war in fünf Provinzen unterteil: Laigin im Süden, Mumu im Südwesten, Connachta im Westen, Ulaid im Norden und Midhe.

Yseult die Schöne ist die Tochter von Yseult der Weißen, Königin der Tuatha Dé Danann und Königsmacherin – sie bestimmt durch Heirat wer Hochkönig von Eriu wird. Beide tragen das Blut der alten Rasse, der Feadh Ree, in sich und besitzen somit drei Gaben, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind: Die Gabe des Wandels, des Rufes und des Wissens.

Das junge Mädchen, das nichts mehr anstrebt als so berühmt und weise zu werden wie ihre Mutter, wird in die Kämpfe zwischen den Königen Erius verwickelt. Ihr Stiefvater Lóegaire, der Hochkönig, will sie zwingen den König von Dumnonia (Cornwall) Marcus Cunomorus zu heiraten, denn jener will die Prophezeiung seines Todes verhindern.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und einigen Anhängern des alten Weges stellt sie sich gegen ihn und das Christentum, welches Patraic – der heute als St. Patrick bekannt ist – in Eriu verbreiten will. Auch Erius Könige sind geteilter Meinung und somit entbrennt nicht nur schon der lang anhaltende Zwist mit den Briten aufs Neue, sondern auch Krieg zwischen den einzelnen Clans der Tuatha.

Marcus‘ Sohn Drystan wird bei einem Zweikampf mit Yseults Onkel schwer verletzt. Den Onkel kann er töten, doch ohne die Heilkünste von Yseult der Weisen muss er sterben. Somit wird er heimlich nach Eriu gebracht, um dort Hilfe für seine tödliche Wunde zu finden. Er gibt sich als Barde Tandrys aus. Als er genesen ist verliebt er sich unsterblich in Yseult die Schöne und auch sie kann der Anziehung des jungen Mannes nicht lange widerstehen.

Doch eines Tages wird Drystans Geheimnis entdeckt und er muss nach Dumnonia in Großbritannien (Alba) fliehen. Aber das Schicksal hat mit den beiden Liebenden mehr vor: Yseult wird – um ihre Mutter zu reten – gezwungen Marcus zu heiraten und begegnet unausweichlich im Land des Feindes ihrem geliebten Drystan wieder. Trotz des Vertrauensbruches lieben sich beide immer noch unsterblich. Doch ihre Liebe muss ein Geheimnis bleiben, denn andernfalls droht beiden der Tod.

Das Buch ist nicht nur in einzelne Kapitel, sondern auch in Bücher unterteilt, in denen häufige Perspektivwechsel vorgenommen werden. So werden für den Leser die Handlungen der beiden Protagonisten Yseult und Drystan sowie deren Anhänger klarer und nachvollziehbarer. Beide lieben ihr Land und verhalten sich ihrer Erziehung und ihrem Gewissen entsprechend.

Die Charaktere verändern sich aber über die Jahre hinweg und somit werden Entscheidungen revidiert oder neu beschlossen. Diese führen wiederum zu weitreichenden Folgen. Das gesamte Buch besteht aus einzelnen Verstrickungen und auf vergangenen Bestimmungen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Das Liebespaar entscheidet nämlich nicht nur über sein eigenes Schicksal, sondern über das eines ganzen Reiches.

Ruth Nestvold schildert in ihrem Werk aber nicht nur die Liebesgeschichte zwischen den beiden, sondern auch die politischen Umstände jener Zeit, den Konflikt zwischen Heiden und Christen und den alten Weg der Kelten, der aus Magie und dem Glauben an eine dreifaltige Göttin gebunden war. Diese einzelnen Zusammenhänge sind am Anfang des Buches sehr verwirrend, werden aber im Laufe der Geschichte entworren und verständlich dargestellt.

Teilweise ist das Buch jedoch sehr zäh zu lesen. Einige unwesentliche Ereignisse, wie bloßes Kriegsgetummel und endlose Schlachtenplanungen hätten daher abgekürzt werden können. Trotzdem schafft es die Autorin immer wieder den Leser in ihren Bann zu ziehen, obwohl man weiß, wie die Geschichte der beiden Liebenden ausgeht, ein Funken Hoffnung bleibt während des Lesens immer erhalten.

Fazit:

Ruth Nestvolds Roman Flamme und Harfe erzählt die Geschichte der Liebenden Drystan und Yseult. Obwohl diese Liebesgeschichte beinahe so bekannt ist wie die von Romeo und Julia, verpackt die Autorin sie in einen weit umfassenderen Kontext: Eriu, das alte Irland und die Insel Alba, Großbritannien, liegen im Krieg. Heiden und Christen kämpfen um die religiöse Vorherrschaft und die Länder sind durchzogen von einzelnen Feindschaften. Auch wenn sich einige Passagen sehr zäh lesen und der Leser einiges Durchhaltevermögen an den Tag legen muss, beschreibt der Roman keine einfache Liebesbeziehungen, sondern eine Liebe, an die ein ganzes Königreich gebunden ist.

Daher 3 ½ von 5 möglichen Sternen.

7 Kommentare

  1. „Die Nebel von Avalon“ hab ich ja nie zu Ende gelesen. Ich denke das ist schon noch mal ein großer Unterschied. Es geht nicht ganz so stark in diese magische Linie hinein. Aber Arthur kommt auch vor, allerdings als Heerführer ^^ Aber ich denke wer die Nebel von Avalon mag, für den ist dieses Buch genau das Richtige!

  2. Hallo Kari,
    sehr schöne Rezi. Und sie spiegelt meinen Eindruck ganz gut wieder. Ich glaube, ich habe dem Buch soagr die gleiche Bewertung verpasst. (Mal nachgeschaut… Ne, ich hab ihm nur 3 Sterne gegeben.) Eine rezi habe ich bis heute leider nicht hinbekommen…
    LG
    Melli
     

  3. Ich hatte das Buch auch schonmal in der Hand und habe es wieder weggelegt. Nicht mein Thema 😀 Auch nach der Rezi nicht 😉 Ich hab irgendwann mal ein Buch angefangen was ähnlich war…Keine Ahnung wie das heisst…War ausgeliehen und ich habs nach wenigen Seiten aufgegeben.

  4. Also wenn ich es nicht hätte rezensieren müssen, dann hätt ich wohl auch irgendwann einfach aufgehört zu lesen, weil sich das einfach endlos gezogen hat. Das ist eines dieser Bücher, das man liest und liest und liest und doch nicht vorankommt. Aber gepackt hat es mich trotzdem irgendwie, aber eben nicht restlos.

  5. @ Melli: Ehrlich gesagt, diese Rezi war wirklich nicht einfach zu schreiben. Inhaltlich hab ich ja so viel unberücksichtigt gelassen, da sie ja jetzt schon ziemlich lang ist.

  6. @Kari
    Ich glaube, genau deswegen habe ich sie auch immer noch nicht geschrieben. Manche Bücher lassen sich nur schwer oder gar nicht rezensieren, finde ich.

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