[Rezension] O’Donnell, Lisa: Bienensterben

Bienensterben von Lisa O'DonnellyDetails:
Autorin: Lisa O’Donnell | Originaltitel: The Death of Bees | Genre: Gegenwartsliteratur | übersetzt von: Stefanie Jacobs | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: DuMont Buchverlag ( 2014 ) | Seiten: 319

Es ist Weihnachten, als sich das Leben der beiden Schwestern Marnie und Nelly für immer verändert. Ihre Eltern sterben und damit die 12-jährige Nelly nicht plötzlich allein im Heim aufwachsen muss, wird der Tod der drogennehmenden Eltern vertuscht und die Leichen im Garten vergraben. Die 15-Jährige Marnie, intelligent, aber gleichzeitig rebellisch und sturköpfig, versucht ihre kleine Schwester vor einem noch schwierigeren Leben zu beschützen, zumal Nelly manchmal in ihrer eigenen Welt lebt und von ihrer Umwelt nicht immer für voll genommen wird.

Ein Leben im Unsichtbaren

Die Nachbarschaft, in der die Mädchen wohnen, interessiert sich kaum, so gelingt es ihnen den Tod der Eltern zu vertuschen. Einzig ihr Nachbar Lennie bemerkt, dass im Haus der Mädchen so einiges nicht stimmt. Er ist einsam, seit sein Geliebter gestorben ist. Nach außen hin ist Lennie ein verurteilter Perversling. Er wird gemieden. Umso mehr Zeit bleibt ihm, seine Umwelt wahrzunehmen. Er liebt es, wenn Nelly auf ihrer Geige spielt und er hofft, dass Marnie noch auf den richtigen Weg gerät.

Einzig die Schule beobachtet die Mädchen genau und obwohl Marnie eine Einserschülerin ist, wird sie immer wieder aufgefordert sich in ihrem Verhalten zu verbessern. Sie trinkt, hat Sex und ist rebellisch. Die Lehrer ermahnen sie, denn in ihren Augen gehört Marnie nicht zu den braven Schülerinnen, sie soll genau in ein solches Muster passen, um akzeptiert zu werden. Auch Nelly wird misstrauisch beäugt, denn hin und wieder hat sie Aussetzer, liegt am Boden und schreit, nur Marnie kann sie beruhigen. Doch das ist zu viel Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, welche die Mädchen nicht gebrauchen können.

Die Mädchen leben zwei unterschiedliche Leben. Nelly lebt noch in einer beschützten Welt, auch wenn sie durch ihre Eltern schon viel erlebt hat und Marnie kennt die Gefahr von Drogen, Dealern und dem Leben, in das man hineinschlittert, aber um jeden Preis will sie ihre manchmal nervige und völlig naive Schwester beschützen. Um dies zu stämmen, geht sie mit Lennie eine unausgesprochene Allianz ein. Die Mädchen freunden sich mit dem alten Mann an, er kocht für sie und gibt ihnen ein warmes Zuhause, seine Tür steht ihnen immer offen. Und für Lennie eröffnet sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Familie, Wärme und die Geborgenheit von Menschen, die um einen sind. Im gegenseitigen Schutz vergehen die Wochen, doch die verschwundenen Eltern erregen immer mehr Aufmerksamkeit …

Ein sprachlicher Pluralismus in der Geschichte

Aus drei Perspektiven wird die Geschichte der beiden verwaisten Kinder erzählt: Marnie, die zwar intelligent ist, aber eine derbe Sprache besitzt und kein Blatt vor den Mund nimmt; Nelly, die aus einem anderen Jahrhundert zu stammen scheint. Ihre Sprache wirkt gestelzt, sie verwendet immer wieder „einstudierte“ Floskeln und ist eine Träumerin. Und zuletzt Lennie, der sich immer wieder an seinen toten Geliebten wendet. Er ist eine einsame Seele, der mit seinem Leben bereits abgeschlossen hat. Aber in Nelly und Marnie sieht er eine Zukunft, die auf wackligen Beinen steht.

An dem Debüt von Lisa O’Donnell hat mir besonders die Geschichte gefallen, die sich durch vielerlei Fäden aufbaut und berührend ist. Sie erzählt nicht nur das schwierige Leben der beiden Mädchen, sondern sie berichtet auch von Nächstenliebe und Aufopferung für andere. Jede Figur hat ihre eigene Stimme, ihre eigene Sprache, die zwar manchmal auch recht nervig ist, aber dafür authentisch verfasst wurde. Bienensterben ist eine Geschichte, die mitten aus dem Leben stammt, die keine beschönigenden Worte enthält, sondern die reales Leben anschneidet, die Schicksale zeigt und Menschen, die auf sich allein gestellt sind und dort Hilfe finden, wo sie sie nicht für möglich gehalten haben. Der Roman bezeichnet die ruppige Seite, die von Schatten belasteten Verwirrungen, in welche die Figuren hineinrutschen und alleine nicht wieder herausfinden können.

 

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