[Rezension] Oliver, Lauren: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Details:

Originaltitel: Before I Fall
Autor: Lauren Oliver
Sprache: Deutsch
Genre: Young Adult
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Carlsen ( 2010 )
Seiten: 445

Inhalt:

Was würdest du tun, wenn heute dein letzter Tag wäre? Würdest du dich von den Menschen, die du liebst verabschieden? Dinge in Ordnung bringen oder doch etwas ganz Verrücktes tun? Jemandem die Meinung sagen oder ganz waghalsig Fallschirmspringen? Aber was wäre, wenn sich dein letzter Tag immerzu wederholen würde und du nichts dagegen tun kannst?

Meinung:

Samantha Kingstons letzter Tag beginnt wie jeder Andere. Sie steht kurz bevor ihre beste Freundin Lindsay sie abholt auf, schüttelt ihre kleine Schwester Izzy ab und stürmt in ihrem Valentinstagsoutfit aus dem Haus, ohne sich von ihren Eltern zu verabschieden. Gemeinsam mit Ally und Elody freuen sich die Freundinnen auf diesen ganz besonderen Tag. Sie malen sich aus, wie viele Rosen wohl jede von ihnen bekommen wird. Denn je mehr Rosen ein Mädchen bekommt, desto beliebter ist sie an ihrer High School.

Darüber hinaus soll für Sam dieser Tag allerdings besonders werden, denn am Abend ist sie mit ihrem Freund Rob verabredet, mit dem sie ihr erstes Mal verbringen will. Doch dazu kommt es nicht, denn am Abend geht es auf eine Party und dort läuft alles schief. Als die Mädchen in der Nacht gemeinsam nach Hause fahren, erleiden sie einen Autounfall unc Samantha stirbt.

Doch sie ist nicht tot. Stattdessen wacht sie durch das Klingeln ihres Weckers auf. Es ist der 12. Februar. Valentinstag. Sam kann es nicht fassen. Ist es wirklich möglich, dass sie gestern Abend – oder besser gesagt heute Abend – bei einem Autounfall stirbt? Oder war das alles nur ein böser Traum?

Lauren Oliver schreibt über ein sehr delikates Thema, den Tod, und schafft es dabei sich von anderen Büchern, die sich ebenfalls damit befassen, abzuheben. Und obwohl die Idee eines sich ständig wiederholenden Tages nicht neu ist, überrascht sie den Leser immer wieder.

Der Prolog des Buches hätte wohl nicht besser geschrieben sein können. In diesem lässt die Autorin den Leser mit Faszination und einer gehörigen Portion Neugierde zurück. Er beschreibt die letzten Minuten von Samantha Kingston, ihre Gedanken, ihre Gespräche mit den besten Freundinnen und auch das Philosophieren darüber, wie der Tag hätte besser verlaufen können, wenn sie nur gewusst hätte, dass sie zum letzten Mal an genau diesen Bäumen am Straßenrand vorbeifahren wird, zum letzten Mal den Schulflur hinunterläuft und Dinge zum ehemals besten Freund sagt, die sie nie wieder zurücknehmen kann.

Sam ist ein ganz normaler amerikanischer Teenager. Aus ihrer Sicht wird der Roman erzählt und dabei spricht sie auch hin und wieder den Leser direkt an. Dadurch wird man selbst zum Nachdenken anregt und überlegt, was man wohl an ihrer Stelle tun würde. Diese Verknüpfung zwischen Hauptfigur und Leser zieht sich durch das gesamte Buch.

In Sams Welt ist nicht alles rosarot, obwohl sie zu den beliebtesten Mädchen der Abschlussklasse gehört und tolle Freundinnen hat. Sie hat einen Freund, um den sie haufenweise Mädels beneiden, aber dennoch ist sie ein Mitläufer. Samantha war nicht immer das angesehene Mädchen in den sexy Klamotten. Früher wurde sie gehänselt wegen ihrem roten Gesicht mit den hellen Flecken, wenn sie nervös war oder sich schämte. Doch das liegt in der Vergangenheit und heute schließt sie sich den anderen an, wenn es darum geht „Psycho-Juliet“ eins reinzuwürgen. Dabei kennt sie Juliet Sykes eigentlich gar nicht.

Durch ihren Tod bekommt Sam eine andere Sichtweise auf ihr Leben. Sie erkennt, dass ihr Freund Rob nicht unbedingt der Traummann ist, den sie sich erhofft hat und mit dem sie ihr erstes Mal verbringen will. Auch Lindsay hat Geheimnisse von denen sie nichts ahnt und Sam testet ihre Grenzen aus. Denn je häufiger sich dieser letzte Tag wiederholt, desto mutiger wird sie und bricht aus der ihr zugeteilten Rolle aus. Das ist auch gut so, denn mit Samanthas Persönlichkeit konnte ich als Leser nicht sonderlich viel anfangen. Sie ist zu sehr von anderen beeinflusst und benimmt sich manchmal wie eine eingebildete Zicke.

Der Tag wiederholt sich ständig und dennoch wird es nicht langweilig, weil die Autorin immer wieder neue, dem Leser bisher nicht eröffnete Aspekte einbringt. Und Fragen tauchen auf: Was muss Sam tun, damit der tödliche Unfall nicht geschieht? Kann sie diesen überhaupt verhindern? Oder besteht ihre einzige Möglichkeit diesem Teufelskreis zu entkommen bestimmte Dinge zu erledigen, um dann die ewige Ruhe zu finden? Diese und andere Fragen begleiten das Lesen von Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie.

Das Buch hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, das einerseits schon aus der Thematik heraus entsteht, andererseits auch deshalb, weil Sam ihren letzten Tag immer und immer wieder erlebt, ohne dass sich irgendjemand sonst daran erinnern kann. Nur sie weiß, wie sich ihre Mitmenschen ihr gegenüber verhalten haben, nur sie sieht Dinge, die bisher im Verborgenen existiert haben.

Fazit:

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie ist ein bedrückender Roman über den Tod. Hauptfigur ist Samantha Kingston, ein wohl typischer amerikanischer Teenie. Sie ist beliebt und gemeinsam mit ihren Freundinnen nimmt sie keine Rücksicht auf weniger angesehene Mädchen, denn es gibt immer jemanden, der ausgelacht und verarscht wird. Dennoch ist sie eigentlich nur ein Mitläufer und der tödliche Autounfall lässt sie dies nur allzu genau erkennen. Der sich ständig wiederholende letzte Tag wird für sie von einer Hölle auf Erden zu einer Chance ihr Leben zu ordnen und Dinge wiedergutzumachen. Lauren Olivers Idee ist vielleicht nicht neu, aber dennoch überrascht sie den Leser mit ihrem Buch und überzeugt ihn vor allem mit ihrem Schluss.

Daher gibt es von mir 4 ½ von 5 möglichen Sternen.

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