[Rezension] Palahniuk, Chuck: Verdammt

Details:
Autor: Chuck Palahniuk| Originaltitel: Doomed | übersetzt von Werner Schmitz | Genre: Belletristik | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Manhattan Verlag ( 2015 ) | Seiten: 381

Verdammt von Chuck PalahniukMaddy Spencer ist tot. Aber so einfach ist das mit dem Tod nicht, denn sie ist ein 11-jähriges (nach eigener Aussage fettes) Mädchen, das als Geist in der Hölle gelandet ist, seit acht Monaten gegen Dämonen und Satan höchstpersönlich kämpft und nach dem verpassten Mitternachtsgong an Halloween dazu verdammt ist, ein Jahr lang unter den „Vortoten“, sprich den lebenden Menschen, zu verweilen.

Nichts für schwache Gemüter (oder Humorlosigkeit)

Maddy Spencer ist anders. Nicht, weil sie tot ist und als Geist auf Erden wandelt; nicht, weil ihre Eltern sie als Ikone der Grobianisten (einer Art Sekte) zum ewigen Seelenheil im Himmel ausgerufen haben. Nein, sie ist anders, weil sie vielleicht die Naivität eines 11-jährigen Mädchens besitzt, darüber hinaus aber ihrem ganz eigenen Daseinsplan folgt (oder folgte). Sie lässt nichts ungesagt, beschönigt selbst den ekeligsten Umstand in keiner Weise und versucht mit ihrem imaginären Freund Jesus (Gottes Sohn) gegen ihre Rebellen-Eltern aufzubegehren. Maddy Spencer hat ihre eigene Sicht auf die Welt; spätestens nach ihrem Tod als Erforscherin des Übernatürlichen.

Verdammt ist ein verrücktes Buch. Nicht nur, weil Maddy Spencer von Satan beauftragt ist, ihm Gottes Seelen zu bringen (was sie nicht will), sondern auch, weil man ohne Humor den abstrusen Situationen, in die Maddy gelangt, nicht begegnen kann. Viel ordinäres Vokabular sammelt Chuck Palahniuk in seinem Roman an, was teilweise handlungsbedingt (und in Ordnung) ist und teilweise einen drastischen Überhang beweist, der für Leser mit ästhetischen Empfinden schwer zu begreifen ist. Gewalt und vulgäres Verhalten trifft auf übernatürliche Story mit Witz und einer Anti-Heldin, was nicht jedermanns Sache ist, in jedem Fall aber Unterhaltung bietet; auch wenn dem einen oder anderen Leser ein „Irghs“ während des Romans entfahren könnte.

Sprachlich konnte mich das Buch deshalb nicht ganz überzeugen, aber – und das soll nicht unerwähnt bleiben – Palahniuk besitzt eine besondere Fähigkeit bildhafte Sprache zu konstruieren, die besonders bei den eher unappetitlichen Szenen (aber nicht nur dort) ausgefeilt ist. Leider dauert aber auch deshalb der Verständnisprozess von Verdammt manchmal länger, denn Maddy ist eine Künstlerin darin, überraschend-exzessive Vergleiche zu ziehen.

Der Geist im digitalen Zeitalter …

… spukt nicht in alten und verlassenen Häusern. Nein, der moderne Geist von heute bloggt und twittert mit seinen Kumpanen aus der Hölle. Um ins Diesseits einzugreifen, muss das Gespenst des 21. Jahrhunderts nicht mehr mühsam seine Kräfte bündeln, um Gegenstände umzuwerfen, nein, er nutzt das WWW und bloggt sich seinen Unmut von der toten Seele. Dieses Konzept hat Witz, leuchtete mir aber während des gesamten Buches nicht wirklich ein. Verdammt ist ein Roman, der starke Nerven fordert, der unsere Gesellschaft auf die Schippe nimmt und weder Religion noch Gesundheitsapostel verschont. Unverhohlen und zynisch erzählt Palahniuk seine Geschichte über unser Menschsein und überspitzt den Bogen dabei manchmal zu sehr – sowohl in sprachlicher als auch in inhaltlicher Hinsicht.

Ein Kommentar

  1. Das Buch klingt ja sehr skurril, also genau richtig für Chuck Palahniuk 😀
    Ich habe letztes Jahr „Fight Club“ gelesen und war total begeistert. Sein Schreibstil stich einfach sehr deutlich vor anderen heraus.

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