[Rezension] Pörksen, Bernhard; Detel, Hanne: Der entfesselte Skandal

Details:

Originaltitel: Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter
Autoren: Bernhard Pörksen und Hanne Detel
Genre: Aktuelles Zeitgeschehen
Reihe: –
Gattung: Sachbuch
Verlag: Halem Verlag ( 2012 )
Seiten: 247

Inhalt:

Die neuen Medien unseres Zeitalters lassen den Skandal, der einst hohen und bekannten Persönlichkeiten vorbehalten war, nach der Devise wer hoch oben ist, kann auch tief fallen, zu einem Phänomen werden, das jeden von uns treffen kann. Ein unbedachter Moment, eine Handykamera und Internetanschluss sind ausreichend, um einen peinlichen Moment auf einer Party, ein Streitgespräch oder einen witzigen Vorfall zu filmen und online zu stellen. Aber nicht nur Zufälle können sich zu Skandalen ausweiten, sondern auch selbst inszenierte Filmchen oder Texte, deren Verfasser sich über die potenziellen Folgen nicht im Klaren sind.

Wer kennt nicht das Star Wars Kid auf YouTube oder Where the Hell is Matt?, der tanzend um die Welt reist. Aus ihnen sind internationale Berühmtheiten geworden, die ihre Bekanntheit und die Auswirkungen auf ihr eigenes Privatleben nicht hatten abschätzen können.

 

Meinung:

Der Skandal. Ein Phänomen der Moderne, der sich durch die neuen Medien, wie Email, Facebook und Twitter sowie durch Handykameras und einfachem Internetzugang in Windeseile über den gesamten Erdball verbreiten kann. Während vor Jahren der Skandal noch prominenten Persönlichkeiten vorbehalten blieb, die in der Meinung des breiten Publikums eine Normverletzung begangen haben und für Empörung sorgten, ist der entfesselte Skandal heute ein Schlag, der jeden treffen kann.

Er ist allgegenwärtig und kann aus Banalitäten, die völlig irrelevant erscheinen, ein nationales oder sogar internationales Aufsehen erregen, sodass die Protagonisten des Skandals keinerlei Kontrolle mehr über dessen Verlauf haben, sei es, dass sie selbst dafür verantwortlich sind, nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder Opfer einer gezielten (Hass)Kampagne geworden sind.

Der Skandal ist nicht mehr von den klassischen Medien bestimmt, wie Zeitung, Fernsehen oder Radio, sondern kann von Einzelnen eingeleitet werden. Das können Blogger sein, aber ebenso Nutzer von sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Google+, sie können sich zu einer Gruppe zusammenschließen oder als anonyme/pseudonyme Individuen auftreten. Die Opfer des Skandals

Die Autoren Bernhard Pörlsen und Hanne Detel versuchen aber in ihrem Sachbuch nicht nur dem Phänomen des veränderten Skandals in der Gegenwart nachzukommen, sondern analysieren den Verlauf dieser Skandale, die kaum einem Menschen entgangen sein dürften, selbst dann nicht, wenn man wenig Interesse an Politik oder dem Zeitgeschehen hat. Der Plagiatsfall Guttenberg, der Rücktritt des Bundespräsidenten Köhler, WikiLeaks und das Video Collateral Murder sowie die Fotos der Verbrechen von Abu Ghraib.

Jeder dieser Skandale besitzt einen bestimmten Verlauf, der manchmal nur in Ansätzen, manchmal aber auch vollständig rekonstruiert werden konnte. In einigen Fällen wird aus einem bestimmten Ereignis nicht nur ein Skandal, sondern in einem weiteren Schritt wird der Umgang mit diesem skandalisiert. Die Opfer des Skandals, ob selbst herbeigeführt oder tatsächlich unschuldig, werden oftmals gnadenlos verfolgt und das nicht nur im virtuellen Web, sondern auch in der Realität. Drohbriefe kommen ihren Familien zu, sobald erst einmal ihre richtigen Namen bekannt geworden sind. Ein Schicksal, das jeden von uns treffen kann, wenn man nicht die Gefahren des Internets berücksichtigt. Und selbst dann kann Zufall und eine einzige Handykamera eine Lawine lostreten, deren Weg niemand mit Gewissheit vorhersagen kann.

Um die Verständlichkeit dieses Phänomens vollständig begreifen zu können, erklären die Autoren gezielt das neue Vokabular durch eingestreuten Definitionen, welche diese Medienphänomene genauer beschreiben. Was muss man unter Shitstrom, Menschenfleischsuche, Scandal-Surfing oder Crowdsourcing verstehen?

Dieses Sachbuch beschreibt ein Phänomen, das uns zu jeder Zeit und an jedem Ort ereilen kann, das gerade wegen der heutzutage vorhandenden Vernetzung sich innerhalb von weniger Stunden über die Grenzen des eigenen Landes hinweg ausbreiten und, sofern sich genügend Interessierte finden, zu einer wahren Schlammschlacht werden kann, gegen die man Nichts ausrichten kann, außer abwarten, bis der alte Skandal von einem neuen Skandal abgelöst wird, denn keiner hält ewig an.

 

Fazit:

Der entfesselte Skandal ist ein Sachbuch, das nicht nur durch seine Aktualität für sich spricht, sondern darüber hinaus jeden einzelnen Leser betrifft. Durch die intensive Recherche der Autoren, die zusätzliche Unterstützung von schwarz-weiß Fotos und Definitionserklärungen neuer Medienphänomene ist es auch für Leser verständlich geschrieben, die sich nicht so gut mit den neuen Medien, wie Smartphones, Twitter oder Social Web Media auskennen. Besonders deshalb aber auch weil das Buch die skandalträchtigen Ereignisse der letzten Jahre, wie den Rücktritt Köhlers, den Plagiatsfall Guttenberg oder die Fotos der Verbrechen in Abu Ghraib.

Bewertung: [5/5]

Danke an Blogg Dein Buch für das Rezensionsexemplar!

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