[Rezension] Pratchett, Terry: Eine Insel

Details:

Originaltitel: Nation
Autor: Terry Pratchett
Gelesen von: Stefan Kaminski
Genre: Romane und Erzählungen
Gattung: Hörbuch
Verlag: Random House Audio ( 2009 )
Dauer: 4 h 59 Min. | gekürzt

Inhalt:

Die unbändigen Kräfte einer Tsunamiwelle hinterlassen Nichts als Zerstörung und Leid, aber für Mau, Daphne und alle anderen Überlebenden bedeutet dies auch ein Neubeginn, der sie über sich selbst hinauswachen lässt. Mitten im Pelagischen Ozean wird eine Insel zum Refugium für die Opfer des Meeres. Überlebende aus unterschiedlichen Kulturen finden sich dort zusammen, müssen ihre eigenen Horizonte überschreiten, um zu überleben. Zumal sie nicht die einzigen Überlebenden sind: Räuber bahnen sich den Weg auf die Insel und wollen sie unterwerfen.

Meinung:

Von einem Tag auf den anderen hört die „Nation“, ein Volk auf einer Insel im Pelagischen Ozean, auf zu existieren. Zerstörung und Tod sind die Überbleibsel einer gigantischen Tsunamiwelle. Als Mau nach Hause zurückkehrt, hat er alles verloren. Nur durch Zufall hat der Junge als Einziger seines Volkes überlebt, denn er war zum Zeitpunkt des Tsunami auf hoher See. Völlig verstört und mit unbändigem Hass auf die Götter, die diese Katastrophe zugelassen haben, versucht er Ordnung auf die Insel zu bringen, schafft die Leichen fort und erlebt die kommenden Tage in einer Wolke aus Ohnmacht, die sein Gefühlsleben tief in sein Inneres verbannt, wo er nicht verletzt werden kann.

Am liebsten würde Mau seiner Familie in den Tod folgen, doch ihm bleibt keine Zeit sich selbst zu vergessen, denn plötzlich taucht ein Geistermädchen auf, Daphne, die zu den Hosenmenschen gehört und an Bord der Sweet Judie, einem englischen Schoner, auf die Insel gelangt ist. Vorsichtig nähern sich die beiden einander an. Ihre Sprachschwierigkeiten und die kulturell bedingten Gesten und Verhaltensweisen führen anfangs zu großen – und lustigen – Missverständnissen, die sie durch viel Arbeit und Vertrauen ineinander aufheben können. Nach und nach folgen weitere Überlebende, die ihren Weg zur „Nation“ finden und es entsteht eine kleine Gemeinschaft. Doch diese neue Gruppe ist zerbrechlich und schon bald in großer Gefahr, denn Räuber drohen sie zu zerschlagen und heißt es wieder um Leben und Tod kämpfen.

Terry Pratchetts Roman Eine Insel ist gar nicht so einfach in Worte zu fassen, denn er beinhaltet so viel mehr, als das, was ich in diesen kurzen Abschnitten wiedergeben konnte. Pratchett verwendet die Mythologie der Aborigines, insbesondere den Schöpfergott Marlo mischt sie mit weiteren Elementen – den Großvatersteinen der „Nation“ –, mit „historischen Fakten“, siedelt seine Geschichte in unserer Welt und auch doch wieder in einer eigenen fiktiven Welt an. Er verflechtet magische Elemente mit streng rationalem Gedankengut, woraus ein Buch entsteht, in dem es um Freundschaft, Liebe, Hass und Abenteuer geht, um Gefahren, Mut und Selbstvertrauen; um Träume, Verluste und Hoffnungen.

Dieses Buch ist kein typisches Pratchett-Werk und lässt sich keineswegs mit den Scheibenwelt-Romanen vergleichen, für die der Autor weltberühmt geworden ist. Ich persönlich bin zwar nicht abgeneigt, aber auch kein großer Fan der Scheibenweltromane, deshalb war ich am Anfang doch etwas skeptisch, was dieses Hörbuch anbelangt hat, doch meine Vorbehalte hatten sich schon nach wenigen Hörminuten in Luft aufgelöst.

Vielleicht ist das nicht zuletzt Stefan Kaminskis Verdienst, der Pratchetts Buch seine Stimme leiht und mit viel Liebe zum Detail die Ereignisse erzählt. Für mich als Hörer sind die Figuren vor meinem inneren Auge regelrecht lebendig geworden. Jede hatte ihre eigenen Charakterzüge, eine eigene Geschichte, die sie auf diese Insel geführt hat und nicht zuletzt eine eigene Stimme. Durch detailreiche Beschreibungen, die nie langatmig wurden, hat jede Person ein Aussehen erhalten und ist nicht in stereotypen Schemen verschwommen.

Neben den Figuren, hat aber auch die Handlung nicht hinten anstehen müssen. Pratchett hat sich viel Gedanken um die Konstruktion seiner Geschichte gemacht, was man als Hörer auch bemerkt. Das Buch ist nicht langweilig, sondern spannend (aber auch nicht zu spannend), es ist faszinierend, hält den Hörer bei Laune, sodass man gar nicht mehr aufhören und nur in dringendsten Fällen auf den Pause-Knopf drücken will. Es neigt nicht zum Kitsch, ist dennoch einfach nur schön und ein klein wenig romantisch, hält aber auch immer einen humorvollen Part bereit, der an den richtigen Stellen für Aufmunterung sorgt. Zuletzt bietet Eine Insel verschiedene Erzählstränge, die miteinander verbunden sind, aber selbst beim „bloßen“ Hören nicht zu verwirrend angelegt sind.

Ein Hörbuch dessen Gesamtpaket stimmig ist und das mir wunderbare Hörstunden geschenkt hat. Eine wahre Hörempfehlung!

Fazit:

Es kommt selten vor, dass ich eine absolute Hörempfehlung ausspreche, aber genau das muss ich bei Terry Pratchetts Roman Eine Insel machen, denn ich habe mich in dieses Hörbuch regelrecht verliebt. Hier stimmt einfach Alles: Die Figuren, die Handlung, die Beschreibungen, sprich der komplette Inhalt, hinzukommt Stefan Kaminski, der den Figuren seine Stimme(n) leiht und ihnen somit den letzten Funken Leben einhaucht.

Bewertung: [5/5]

2 Kommentare

  1. Das Hörbuch klingt ganz interessant. Ich kenne bis jetzt von Terry Pratchet auch nur seine Scheibenweltromane und bin auch gerade erst dabei mir diese Welt zu erschliessen.
    Bei Hörbüchern habe ich auch schon öfters festgestellt, daß der Specher oder die Sprecherin ganz entscheidend sind. Von Stefan Kaminski habe ich bis jetzt noch nichts gehört.
    Beste Grüsse vom Bodensee,
    Michaela

  2. Wenn ich das Buch nicht schon auf englisch hätte, würde ich mich glatt für das Hörbuch entscheiden 🙂 Aber danke für die tolle Rezension! Ich mag Pratchetts Scheibenweltromane sehr, daher war ich erst ein wenig skeptisch, was das Buch betrifft. Aber jetzt bin ich beruhigt und werde es hoffentlich in der Vorlesungsfreienzeit lesen 🙂

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