[Rezension] Ramadan, Ortwin: T.R.O.J.A. Komplott

T.R.O.J.A. Komplott von Ortwin Ramadan

Details:
Autor: Ortwin Ramadan | Genre: Jugendbuch, Dystopie | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Coppenrath ( 2015 ) | Medium: Hardcover | Seiten: 382

Beta lebt in einer Welt, in welcher dem Menschen keine Geheimnisse mehr bleiben. Jeder Bewohner der Vereinigten Staaten besitzt einen Biochip im Arm, der die Nano-Bots NX-3 in seinem Körper kontrolliert. Das neue Gesundheitsbewusstsein überwacht so die Menschen. Kaffee ist verboten, fettiges Essen nur in Maßen erlaubt, Operationen via Nano-Bots Zuhause sind möglich und sündhaftes Essen ist gänzlich unmöglich.

Der gläserne Mensch existiert; aber nicht nur im Auftrag der Gesundheit, sondern auch im Geheimen: Jeder Mensch, der die neuen NX-4 Bots in seinem Körper hat, besitzt keine Privat- oder Intimsphäre mehr, denn ein Geheimdienst beobachtet verdächtige Personen durch eben diese Bots, die sich an den Sehnerv koppeln – du bist nicht allein, du weißt es nur nicht. Davon ahnt Beta nichts, nur die ständigen Kopfschmerzen treiben sie in den Wahnsinn; als ihre Mitbewohnerin ermordet wird, muss Beta fliehen und wird Zielperson skrupelloser Männer.

Kontrolle versus Freiheit

Kaffee ist eine verbotene Droge. Die Gesundheit das höchste Gut des Menschen, das unter allen Umständen verteidigt werden muss. Krankheiten müssen im Keim erstickt werden und der Mensch darf nicht einmal mit einer Nichtigkeit dagegen verstoßen. Über die Biochips werden alle Menschen kontrolliert und überwacht, denn in ihrer Blutbahn befinden sich kleine Nano-Bots, die alles aufzeichnen, was sich in ihrem Körper tut.

Nico ist Anwärter für das FBI. Er hat die harten Prüfungen und Auswahlprozesse positiv abgeschlossen und wartet nun auf seinen ersten Einsatz. Doch anstatt in einer öffentlichen Einrichtung zu landen, gerät er in eine Geheimoperation: von nun an soll er Zielpersonen beobachten, aber nicht durch Spionage oder Verfolgung, sondern direkt durch die Augen des Verdächtigen. Die Nano-Bots der neusten Version NX-4 können sich an den Sehnerv jedes Beliebigen ankoppeln und übertragen so Bilder an die Zentrale von allem, was das Opfer sieht.

Der gläserne Mensch …

… ist geboren. Intim- oder Privatsphäre bestehen nicht mehr. Eine 24-Stunden-Überwachung sorgt dafür, dass die nationale Sicherheit nicht gefährdet wird. Nico beschleicht schnell ein ungutes Gefühl. Ist das alles rechtens? Dürfen Menschen so sehr kontrolliert und beobachtet werden? Und warum genau ist seine erste Zielperson ein beinahe unschuldig aussehendes Mädchen? Was hat Beta getan und weshalb ist sie auf der Flucht? – Fragen, die er nicht stellen darf.

Die junge Beta ist auf der Flucht vor der Gesundheitspolizei, denn sie entzieht sich notwendiger Behandlungen. Sie ist aber auch auf der Flucht vor einer unsichtbaren Gefahr: Ihre Mitbewohnerin wurde ermordet und ein seltsamer Brief, der ihr gilt, zwingt sie dazu, ihr Leben aufzugeben und in eine ungewisse Zukunft zu fliehen; mit nichts als der Kleidung an ihrem Körper.

Hinter der Fassade einer gesunden Gesellschaft schwelt aber auch Unmut gegen das System. Es gibt Aufwiegler, die gegen die totale Überwachung rebellieren, die NO-TEC-Bewegung, für die der freie Wille des Menschen entscheidender ist als seine erzwungene Gesundheit. Nico gerät mitten in einen unfairen Kampf. Aus seiner Einheit verschwinden ständig Leute und es fehlt an Rekruten. Zur Außenwelt hat er keinen Kontakt, nur durch die Augen Betas, nimmt er am Leben teil.

Ortwin Ramadans T.R.O.J.A. Komplott hat einen spannenden Einstieg geboten und die Geschichte war so rasant, dass ich sie innerhalb eines Zuges durchgelesen habe. Dabei greift Ramadan eine brisante Thematik auf, der gläserne Mensch in Zeiten digitaler Technik, und treibt sein Gedankenexperiment bis an die Spitze, indem der eigene Körper zum Verräter wird. Aus zwei Perspektiven erzählt der Autor die Geschichte um Geheimorganisationen, ihre Gegenbewegungen und eine fanatische Gesundheitspolitik, welche die Freiheit des Einzelnen drastisch beschränkt: Nico ist ein treuer und folgsamer Landsmann, der Beste seiner Abschlussklasse, der einen guten Job erledigen will und Beta, die Taschendiebin, die sich irgendwie durchs Leben schlägt und zur Zielperson der Geheimorganisation wird.

Der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, denn stückchenweise entschlüsselt sich, warum Beta so wichtig für die Organisation ist und was diese Leute bereit sind zu opfern, um die Macht im Staat zu halten. Doch im Verlauf der Geschichte rasen die Ereignisse viel zu schnell dahin (vielleicht aufgrund der recht kurzen Kapitel) und lösen sich teilweise sogar viel zu einfach auf. Während manche Stellen oberflächlich erzählt werden, wird die Detailtiefe an anderer Stelle nur angerissen. Die Figuren sind zwar sympathisch (oder unsympathisch), sie erlangen aber nie eine außergewöhnliche Charaktervielfalt, sondern sind zweckmäßige Figuren, die die Geschichte vorantreiben. T.R.O.J.A. Komplott war für mich ein Unterhaltungslektüre für Zwischendurch, die mir eine brandaktuelle Thematik näher gebracht hat und die kritisch aufzeigt, wie grandiose Erfindungen der Medizin zur Kriegsführung und diktatorischen Überwachung missbraucht werden. Eine ausgereifte Detailtiefe hätte der Geschichte aber durchaus mehr Gewicht verleihen können, so bot sie kurzweilige Unterhaltung.

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