[Rezension] Ruff, Matt: Ich und die anderen

Ich und die anderen von Matt RuffDetails:

Originaltitel: Set This House in Order. A Romance of Souls
Autor: Matt Ruff
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: dtv ( 2006 )
Seiten: 714

Inhalt:

Wie lebt es sich mit ganz vielen verschiedenen Identitäten in einer Person? Andrew Gage – 2 Jahre, oder, je nach Betrachtungsweise, 29 Jahre alt – weiß das, denn er ist eine Seele und beherbergt gemeinsam mit unzähligen anderen Seelenteilen Andy Gages Körper. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht, denn Ich und die anderen erzählt die Geschichte von Andrew, einer multiplen Persönlichkeit, und Penny Driver, die von Blackouts heimgesucht wird, die heimliche Botschaften erhält mit Listen von Dingen, die zu erledigen sind, die sie aber selbst nicht geschrieben hat und der oft Tage, sogar Wochen ihres Lebens fehlen.

Meinung zu „Ich und die anderen“:

Andrew Gages Seelenhaushalt gerät wortwörtlich durcheinander, als seine Chefin Julie eine neue Mitarbeiterin in die Reality Factory aufnimmt. Andrew erkennt sofort, dass es sich bei Penny – oder Mouse – um eine multiple Persönlichkeit handelt. Das Problem dabei ist nur, dass sie selbst das nicht weiß. Andrew hingegen kennt sich mit multiplen Persönlichkeiten bestens aus. Denn er selbst ist eine. Julie will, dass er Penny hilft, doch sowohl Andrew als auch seine anderen Persönlichkeiten, seine Seelen, sind nicht begeistert davon.

Andrew ist ebenfalls eine Seele. Er kontrolliert seinen Körper – oder vielmehr den Körper von Andy Gage – seit etwas mehr als zwei Jahren. Damals hat sein Vater, Aaron – ebenfalls eine Seele –, Andrew aus dem See gerufen, nachdem er in Andy Gages Kopf ein Haus und eine Landschaft mit See, Wald und der „Wüste“ gebaut hat. Diese Landschaft und vor allem das Haus sollten Ordnung zwischen den einzelnen umherirrenden, zersplitterten Seelen stiften, in welche Andy Gages Seele durch Missbrauch zerfallen ist.

Blackouts und nicht kontrollierte Handlungen der unterschiedlichen Seelen sollten damit gestoppt werden. Mit der Hilfe von Dr. Grey und Dr. Eddington ist es Aaron gelungen in Andy Gages Kopf eine Struktur in Form eines Hauses zu schaffen. Doch dieser Bau hat seine gesamte Kraft aufgebraucht und so hat er Andrew erschaffen – oder gerufen – der auf den Körper von Andy Gage aufpasst und den anderen Seelen erlaubt „Körperzeit“ in Anspruch zu nehmen.

Die anderen Seelen. Das sind unter anderem Adam, Andrews Cousin, Jake – ein erwachsener 5-Jähriger, der es liebt in Spielzeugläden einzukaufen, Tante Sam – die Franzsösischkennerin – oder Seferis, dessen Seele 2,70 m groß ist und unglaublich stark dazu. Neben diesen gibt es aber beispielsweise auch noch Zeugen: Seelen, die schreckliche Ereignisse bewahren, denen sich der Rest nicht gewachsen sieht. Die „Wüste“, ist eine Insel – mitten im See – auf welche Andrews Vater seinen Bruder Gideon gefangen hält; eine selbstsüchtige Seele, die nur sich selbst für real hält und alle anderen Seelen unterdrücken will.

Als sich Andrew dazu entschließt, Penny oder Mouse oder Maledicta – das Lästermaul – oder ihrem Zwilling Malefica und den unzähligen anderen Seelen von Penny Driver zu helfen, muss er sich auch der Vergangenheit von Andy Gage stellen, was sein eigenes Haus stark ins Wanken bringt.

Mit ich und die anderen hat Matt Ruff ein wunderbares, gefühlvolles, tiefsinniges Buch geschrieben. Die zahlreichen Figuren mit den unterschiedlichsten Charakteren wachsen dem Leser regelrecht ans Herz und obwohl man die eigentlichen Figuren an zwei Händen abzählen kann gibt es aufgrund der multiplen Persönlichkeit von Andrew und Penny zahlreiche andere Charaktere, die aber nicht nur oberflächliche Konstrukte sind, sondern Persönlichkeiten mit eigenen Bedürfnissen, Gelüsten und Ängsten.

Diese jederzeit auftauchenden Identitäten, welche die Handlungen von Penny bestimmen, und auch Andrews zahlreiche Gefährten machen dieses Buch spannend und unvorhersehbar. Aber auch der Verlauf dieser Krankheit, die damit einhergehenden Probleme verstrickt der Autor auf eine Art, die den Ernst der Erkrankung nicht verschleiert, aber gleichzeitig ein Gemisch aus kunterbunten Ereignissen erzeugt.

Wer Fool on the Hill von Ruff kennt, der wird sich auch nicht wundern, dass es mehr als nur einen einzigen Handlungsstrang gibt. Die vielen unterschiedlichen Erzählstränge bastelt er aber so gut in sein Gesamtkonzept ein, dass man als Leser keinen einzigen vermissen möchte, denn jede einzelne Figur in diesem Roman erhält ihre eigene Vergangenheit, ihre Leiden, Freuden und Schicksalsschläge.

Fazit zu „Ich und die anderen“:

Ich und die anderen ist rasant, unterhaltsam, chaotisch, spannend, abenteuerlich und sicherlich fänden sich noch weitere Adjektive, die das Buch beschreiben könnten, allerdings werden sie der Leseerfahrung nicht gerecht. Matt Ruffs Roman stimmt den Leser traurig, lässt Mitgefühl in ihm aufkommen, bringt ihn aber auch zum Lachen und zum gespannten Warten, wenn die Lesezeit knapp bemessen ist und man sich einfach nur danach sehnt, endlich wieder in die Welt von Andrew Gage und seinen Seelen eintauchen zu können.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

Ein Kommentar

  1. Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen! Obwohl es schon eine Weile her ist seit ich das Buch gelesen habe, schweben mir dennoch immer mal wieder Szenen im Kopf herum.

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