[Rezension] Sally Gardner: Zerbrochener Mond

Details:
Autorin: Sally Gardner| Originaltitel: Maggot Moon | übersetzt von Ingo Herzke | Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: CARLSEN ( 2014 ) | Seiten: 277

Zerbrochener Mond von Sally GardnerStandish Treadwell ist 15 Jahre alt und lebt in Zone 7. Er kann weder richtig lesen noch schreiben. Dafür versteht er neben der Heimatsprache, die er spricht, auch noch die Muttersprache. Standish lebt bei seinem Gramps, denn seine Eltern sind verschwunden. Verschwunden bedeutet oft auch tot. Standishs bester Freund Hector und dessen Eltern sind ebenfalls verschwunden. Sie wurden abgeholt. Standish trägt kurze Hosen, denn lange Hosen haben nur die Kinder, die in der guten Straße wohnen, mit Müttern, die jeden verraten, der aufbegehrt. Standish hingegen wohnt mit seinem Großvater in einer verlassen Straße, in der sich Ruine an Ruine reiht.

Der eine sichere Ort in der Dunkelheit

Zone 7 ist die Heimat von Standish, eine begrenzte, kontrollierte und regulierte Welt, in welcher Spitzel einander verraten, die Ärmsten um jede Nahrungsquelle heimlich kämpfen und jeder, der sich gegen die Regierung stellt, ob mit Wort oder Tat, erbarmungslos zum Schweigen gebracht wird. In Standishs Straße sind bereits alle anderen Häuser unbewohnt, seine Eltern verschwunden, sein bester Freund ebenso. Standish versteht die Welt, in der er lebt, nicht vollständig. Er kann weder richtig lesen noch schreiben, ist aber dennoch nicht auf den Kopf gefallen. Er versteht Sprache, so auch die Muttersprache. Er ist ein guter Beobachter, ein guter Freund und besitzt ein Herz, das Mitgefühl kennt.

Immer dann, wenn er seine Eltern vermisst, der Druck der Obrigkeit zu groß wird oder er Angst hat, seinen Großvater nicht mehr wiederzusehen, wenn dieser nach der Sperrstunde nach draußen verschwindet, flüchtet sich Standish in seine Phantasie. Eine Welt, in welcher er mit einer Rakete zum Juniper, seinem erfunden Planeten fliegt, und frei ist. Standish glaubt an Veränderung, er glaubt an das Gute im Menschen und er besitzt Hoffnung, die – wie sich zeigt – noch nicht bei allen verloren ist. Nicht jeder der konform gekleideten Menschen steht für die Rasse der Reinheit, sondern wirkt im Untergrund gegen das Regime, das jedem die Menschlichkeit zu rauben versucht, grausam ist und auf bestialische Weise tötet.

Über Mut und Tapferkeit …

… schreibt Sandy Gardner, mit einem besonderen Sprachstil, der zum Entdecken einlädt, der nicht immer frei heraus das sagt, was geschieht, sondern den Leser dazu auffordert hinter das zu sehen, was Standish auch ungefiltert aufnimmt, dessen wahres Gesicht er erst im zweiten Anlauf entschlüsselt. Zerbrochener Mond ist eine wirklich berührende Geschichte, in der vor allem guten Menschen Unrecht widerfährt, in welcher der Tod ein alltäglicher Begleiter ist und juristische Gerechtigkeit ein Fremdwort bleibt. Ein Junge sieht diese Ungerechtigkeit, erfährt sie am eigenen Leib und beschließt nicht tatenlos zuzusehen, sondern aufzubegehren, obwohl die Chance, tatsächlich etwas zu bewirken so gering ist und das, was er dafür zahlt, sein Leben ist.

Auch die Gestaltung des Buches will ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, sie erzählt parallel die Geschichte einer Ratte auf der Suche nach Essbarem und ihr grausames Schicksal, das sie dabei ereilt. Zerbrochener Mond auch in dieser Hinsicht mehrere Ebene, die dieses Buch lesenswert machen.

Ein Kommentar

  1. Wow! Die Geschichte klingt ganz toll! Ich mag besonders den Teil mit der Flucht in Fantasie. Die Gestaltung des Buches kann man im Netz ja noch nicht so gut erkennen, aber das Cover allein sieht schon ganz toll aus, finde ich!

    Liebe Grüße,

    Laura

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