[Rezension] Sarkissian, Julie: Liebe Lucy

Details:
Originaltitel: Dear Lucy | Autorin: Julie Sarkissian| übersetzt von: Mayela Gerhardt | Genre: Romane Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Atlantik ( 2014 ) | Seiten: 384

Liebe LucyLucy ist Lucy-auf-der-Farm und muss immer dort bleiben, damit ihre Mum mum sie auch wiederfindet. Lucy ist das Mädchen, das am vorsichtigsten mit den Eiern umgehen kann, sagt Missus, doch Mister interessiert das nicht. Samantha hingegen kümmert sich um Lucy, aber Samantha muss sich auch um ihr Baby im Bauch kümmern, denn sie kennt das Geheimnis des Wachsens.

Lucy und ihr ganz besonderer Blick auf die Welt

Lucy ist kein normales Mädchen. Sie sieht die Welt durch ihre Augen, wie jeder andere Mensch und hat doch einen ganz anderen Blick auf diese. Sie versteht die Welt und die Menschen, die darin leben, nicht so wie alle anderen. Ihr Verstand konzentriert sich auf Kleinigkeiten, auf die Details in den Dingen und wird dabei oft missverstanden. Sie muss auf der Farm bleiben, damit ihre Mum mum sie findet, aber gleichzeitig möchte sie auch ihr Versprechen gegenüber Samantha einhalten und ihr helfen, für sie eine Familie zu sein. Lucy lebt in einer Welt, die eingeschränkt ist in ihrer Sichtweise und die ständig mit äußeren Einflüssen, mit Erwartungen ihrer Umwelt kollidiert und explodiert.

Die Welt versteht Lucy nicht und Lucy versteht die Welt nicht.

Lucy ist einfältig, aber gerade deshalb unschuldig und liebenswert. Sie wird von den meisten Menschen missverstanden und nur Samantha ist bereit auf ihre Besonderheiten einzugehen. Sie weiß, dass sie von aller Welt verlassen ist, genau wie Lucy, und nur gemeinsam eine Zukunft in Freiheit haben. Aber Lucy weiß das nicht. Sie hegt die kindliche Hoffnung eines Tages wieder mit ihrer Mum mum vereint zu sein und bis dahin lebt sie ein Leben, dessen Tragik sie gar nicht erkennt. Aber auch wenn der Leser sie eher bemitleiden könnte, so muss er das nicht, denn Lucy ist ein Mädchen, das ihren Weg geht, mit all seinen Einschränkungen und Schwierigkeiten. Sie steht zu ihrem Wort, auch wenn sich das manchmal anders gestaltet als man erwartet.

Und das Drumherum der Geschichte

Aber nicht nur Lucy als Protagonistin ist besonders, sondern auch die Menschen, die wir durch ihre Augen kennenlernen dürfen. Nur Stückchenweise können wir die anderen Figuren wirklich begreifen, denn sie reden mit Lucy auf eine einfache, aber doch auf eine ernste Weise. Julie Sarkissian beschreibt in einem langsam ansteigenden Spannungsbogen die Beweggründe jedes Einzelnen und entschlüsselt dabei Geheimnisse, die sprachlos machen, die bedrückend sind und in die Tiefen der menschlichen Seele blicken lassen.

Liebe Lucy erzählt von einem sich wiederholenden Kreislauf tragischer Gestalten, von Ungesagtem und Heuchelei für einzwängende Moralvorstellungen einer glücklichen Familie. Die Autorin beschreibt die verwirrenden Wahnvorstellungen, die tiefe Traurigkeit und Depression einer Frau, die zu allem bereit ist und einem Mann, der alles für seine große Liebe tut.

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