Rezension | Sieben Nächte in Tokio von Cecilia Vinesse

Sieben Nächte in Tokio

Sophia lebt mit ihrer Mutter schon seit Jahren in Tokio. Ihre Eltern sind geschieden, ihr Vater wohnt mit seiner neuen Familie in Paris und ihre ältere Schwester geht auf’s College. Sophia ist im vorletzten Jahr auf der Tokyo International Academy. Doch ihren Abschluss wird sie nicht an dieser Schule machen, denn schon in sieben Tagen endet ihre Zeit in Japan: der Arbeitsvertrag ihrer Mutter läuft aus. Das Umzugsunternehmen ist bestellt, der Flug nach Amerika gebucht. Doch Sophia hat mit der Stadt und ihren Menschen noch nicht abgeschlossen und die letzte Woche in der Metropole soll etwas ganz besonderes werden; Jamie Foster-Collins, kehrt zurück. Und Sophias Nerven liegen blank.

Sieben Nächte in Tokio: die Uhr tickt

Für Sophia tickt die Uhr jede Sekunde lauter, denn nur sieben Nächte bleiben ihr in der Stadt, die ihr zur Heimat wurde und in der ihre besten Freunde Mika und David leben, die auf die gleiche Schule gehen wie sie. In ihrer Zeit in Amerika hatte Sophia keine richtigen Freunde und geistig bereitet sie sich darauf vor, dass es nach ihrem Abflug wieder so sein wird. Doch ihre letzte Woche, die mit ihren besten Freunden unvergesslich werden sollte, wird überschattet. Jamie Foster-Collins, der vor ein paar Jahren von seinen Eltern in die Heimat Amerika geschickt wurde, um dort zur Schule zu gehen, kehrt zurück.

Sophia hat Angst, dem inzwischen jungen Mann wieder zu begegnen, denn damals sind die beiden im Streit auseinandergegangen. Aus den einstigen guten Freunden sind Feinde geworden, die jahrelang geschwiegen haben. Mika hingegen ist begeistert über die Rückkehr, denn Jamie ist ihr bester Freund. David dagegen fand den Trubel um Jamie schon immer zu viel. Zwischen den Freunden entspannt sich eine eigenartige Dynamik in den nächtlichen Streifzügen durch die japanische Metropole. Und der unausweichliche Abschied rückt immer näher, doch davor wird Sophias komplette Welt auf den Kopf gestellt.

Sieben Nächte in Tokio: Freundschaft & Liebe

Es ist einfach auf den Punkt gebracht, um was sich Cecilia Vinesses Jugendroman dreht: Liebe und Freundschaft sind die zentralen Themen, derer sich die Autorin annimmt. Sophia, Mika und David sind ein eingespieltes Dreiergespann und doch schwelt unterhalb dieser Freundschaft ein emotionales Feuer. Sofa, wie David sie nennt, ist heimlich in ihn verliebt. Doch dieser sucht nur kurze Abenteuer und keine feste Beziehung. Mika weiß von Sophias Gefühlen und versucht sie zur Räson zu bringen, bevor sie eine Dummheit begeht. Doch die Dummheit begehen Mika und David und Sophia steht plötzlich vor den Trümmern ihrer Freundschaft.

Dabei hat Sophia schon einmal einen Freund verloren, nämlich Jamie und diese Geschichte beginnt nun erneut. Während sich Mika und David immer weiter von ihr entfernen, die Zeit dahin rast und Sophia zwischen der Vergangenheit und ihrer neuen unbekannte Zukunft schwebt, arbeitet sie gemeinsam mit Jamie an dem, was damals passiert ist.

Sieben Nächte in Tokio: keine platte Lovestory

Jugendbücher lese ich leider in letzter Zeit immer weniger, weil mich die nervigen Liebesgeschichten, welche häufig oberflächlich und vorhersehbar sind, stören. Doch die Autorin Cecilia Vinesse hat sich da einen ganz bestimmten Dreh überlegt. Ja, auch ihre Liebesgeschichte, kann man schnell durchleuchten, aber nicht die gesamte Story. Denn hier und da wirft die Autorin ein weiteres Stück hinein, welches die Beziehungen der vier Freunde auf die Probe stellt.

Von vornherein ist das Ende des Buches festgesteckt: Sophia verlässt Japan (oder zumindest soll sie es verlassen). Der Countdown nähert sich mit jedem Kapitel seinem Ende, der 00:00:00. Doch so einfach macht es die Autorin dem Leser nicht. Denn Liebesgeschichte hin oder her, die Vergangenheit ist kompliziert und in kleinen Rückblenden erfährt dieser, was sich zwischen Sophia und Jamie zugetragen hat.

Sieben Nächte in Tokio“ ist ein schönes Jugendbuch, das sich ganz leicht lesen lässt. Trotz der einfachen Sprache wird die emotionale Ebene klar an den Leser transportiert. Der Roman besitzt eine gut gefüllte Story, die aus vier zentralen Figuren, nämlich den Freunden Sophia, Mika, David und Jamie, besteht. Cecilia Vinesse erzählt vom Erwachsenwerden und wie kompliziert es ist, Gefühle, Freundschaft und Vertrauen unter einen Hut zu bringen. Es sind keine neuen Themen, die die Autorin verwendet. Aber dafür nutzt sie einen besonderen Schauplatz und den Countdown, der herunterzählt und mit dem unweigerlich alles – ob geklärt oder ungeklärt – ein Ende findet.

Ebenso handelt „Sieben Nächte in Tokio“ von einer Familiengeschichte. Sophias Eltern sind geschieden und mit ihrer älteren Schwester versteht sie sich nur mäßig gut. Sophia hat viele Freiheiten, denn ihre Mutter vertraut ihr. Doch in den letzten Tage in einem Land, das ihr zur Heimat geworden ist, verschwimmt für Sophia auch die Grenze zwischen richtig und falsch.

Für alle Fans von Coming-of-Age-Romanen gepaart mit einer zarten Liebesgeschichte und einer tollen Protagonistin!

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autorin: Cecilia Vinesse | Originaltitel: Seven Days of You | übersetzt von: Stephanie Singh | Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: dtv ( 2017 ) | Seiten: 301

Weitere Rezensionen zu „Sieben Nächte in Tokio“:

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2 Kommentare

  1. Eine sehr schöne Rezension, liebe Ramona! Ich selbst habe „Sieben Nächte in Tokio“ vor einer Weile gelesen und war von dem Buch ähnlich angetan wie du. Besonders gefallen hat mir damals, dass es eben nicht diese typische Liebe auf den ersten Blick gibt, die in Jugendbüchern häufig zu finden ist (obwohl ich das phasenweise sehr mag), sondern der Fokus eher auf Freundschaften und deren Höhen und Tiefen gelegt und der Geschichte damit ein bisschen mehr Realität eingehaucht wurde.

    Ganz liebe Grüße,
    Maike

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