[Rezension] Stachniak, Eva: Der Winterpalast

Der WinterpalastDetails:
Originaltitel: The Winter Palace
Autorin: Eva Stachniak
übersetzt von: Peter Knecht
gesprochen von: Anna Thalbach
Genre: Historischer Roman
Reihe: Winterpalast-Reihe (?)
Band innerhalb der Reihe: 1
Gattung: Roman
Verlag: HörbucHHamburg ( 2013 )
Medium: Hörbuch
CDs: 6 | 467 min. | (gekürzt)

Wir schreiben das 18. Jahrhundert in St. Petersburg. Elisabeth Petrowna hat die Macht in Russland ergriffen und führt ein hartes, aber ihrer Meinung nach gerechtes, Regime, in welchem kein Bürger zum Tode verurteilt wird, aber auch kein Halt vor Folter genommen wird. An ihrem Hof herrscht Misstrauen an jeder Ecke. Geheime Gänge, unsichtbare Türen und Intrigen sorgen dafür, dass Spione sowie Spioninnen Augen und Ohren von Elisabeth sind. Aber nicht nur sie hat ihre Handlanger, sondern auch den Gesandten internationaler Höfe und ihren eigenen politischen, hochrangigen Offizieren ist nicht 100%ig zu trauen.

Eine Welt der Maskerade

Einem Haifischbecken gleicht der Hof von Kaiserin Elisabeth Petrowna, an welchem nur derjenige überlebt, der klug handelt, der unsichtbar wird und jedes noch so kleine Detail als Hinweis auf eine gefährlichen Intrige betrachtet. In diese Welt wird die junge Waise Wawara hineingeboren. Sie kommt mit 16 an den Hof der Kaiserin und wird von einer einfachen Näherin, wofür sie kein Talent hat, zur Spionin, wofür sie in der Tat Talente durch die Ausbildung, die ihre Eltern ihr ermöglichten, hat. Ihre mädchenhafte Erscheinung sorgt dafür, dass sie von den meisten oben herab oder gar nicht erst beachtet wird und so wird Wawara bald eine Meisterin darin das höfische Leben auszuspionieren und gleichzeitig zu wissen: sie kann niemandem vertrauen. An jedem Tag, in jeder Minute ihres Lebens muss sie sich verstellen, muss sie ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume verstecken, um nicht das Opfer einer Erpressung zu werden. Wawara schlägt sich auf ihre Art durch das tägliche Leben und mit etwas Glück gelingt es ihr zu bestehen.

Der Kaiserin Wort ist Gesetz

Als die junge Sophie, Prinzessin von Anhalt-Zerbst, mit ihrer Mutter an den Hof kommt, wird sie als Gemahlin für Elisabeth Neffen, dem Großfürsten Peter Fjodorowitsch, auserwählt, was nicht jedem am Hofe passt. Von nun an wird sie Katharina genannt und muss sich dem Willen der Kaiserin unterordnen, deren Wohlwollen sie schnell verliert. Sie lernt auf harte Art und Weise, dass Naivität am Hof eine tödliche Eigenschaft ist, die sich die zukünftige Kaiserin nicht leisten kann. In Wawara findet sie eine Freundin, der sie trauen kann und die ihr wohl gesonnen ist, obwohl sie das eigentlich nicht sein dürfte. Mit viel Geschick lebt Wawara zwischen den politischen Intrigen, ihrem eigenen Leben – der aufgezwungenen Heirat mit einem Offizier durch die Kaiserin – und ihrer Freundschaft zu Katharina der Großen. Die Kaiserin wird immer eigenwilliger und versucht ihre Feinde geschickt aus dem Weg zu räumen. Als Wawara in die politischen Wirren hineingezogen wird, muss sie entscheiden auf welcher Seite sie steht, auch mit dem Wissen, dass eine solche Entscheidung jederzeit den Tod oder Verbannung bedeuten kann.

Eva Stachniak beschreibt mitreißend das intrigante Wesen des russischen Hofes unter Elisabeth Petrowna. Dabei nimmt sie historische Gestalten und setzt sie um ihre fiktive Figur der Wawara, die als hübsches, aber unscheinbares Mädchen zwischen Kaiserin, Vize-Kanzler und der jungen Sophie von Anhalt-Zerbst steht und wie ein Spielball der Mächtigen hin- und hergeworfen wird; die nur bedingt ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen kann und stattdessen versucht die politischen Intrigen, sofern möglich, für sich zu nutzen. Es ist ein Verwirrspiel aus Masken, Lügen und der Macht, die in den Händen desjenigen liegen, der die Tricks der anderen zu durchschauen weiß.

Zum Hörbuch im Speziellen

Die Schauspielerin Anna Thalbach leiht der Hauptfigur Wawara ihre Stimme und schafft es dabei eine gute Mischung zu erzeugen, zwischen den manchmal langatmigen höfischen Passagen, die Abwarten und erstarrtes Nicht-Handeln ausdrücken und den zwanghaften Gehorsam des höfischen Stabes. Sie lässt den Leser, genauso wie Wawara es ist, in Ungewissheit gegenüber allen anderen Figuren. In den recht kurzen Tracks ist es ein Rätselraten, wenn es darum geht, wem zu trauen ist und wem nicht. Selbst die zarte Freundschaft zwischen Wawara und Katharina beruht auf gegenseitigen Nutzen und nie entschlüsselt sich endgültig, ob tiefes Vertrauen und Freundschaft das Zwangssystem am kaiserlichen Hof zu durchdringen.

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