[Rezension] Stockett, Kathryn: Gute Geister

Details:
Autor: Kathryn Stockett
Originaltitel: The Help
Gelesen von: Nina Petri, Regina Lemnitz, Stephan Benson
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Hörbuch
Verlag: Random House Audio ( 2011 )
Dauer: 7 h 26 Min. | gekürzt

Inhalt:

Als die junge Skeeter nach ihrem Collegeabschluss nach Hause, in die amerikanische Kleinstadt Jackson, zurückkehrt, fühlt sie sich fehl am Platze. Das liegt nicht nur daran, dass ihr farbiges Dienstmädchen Konstantine, das sie aufgezogen hat, ohne Abschiedsbrief verschwunden ist, sondern auch daran, dass sie die konservativen Ansichten ihrer Mutter nicht mehr teilen kann. Sie will nicht heiraten und Kinder bekommen, sondern Journalisten werden und über Dinge berichten, welche die Leute bewegen und über die diskutiert wird. Als sie die Chance zu einem kontroversen Thema, nämlich der Problematik zwischen Weißen und Farbigen erhält, spitzt sich die Lage für die Farbigen zunehmend zu und eine Kooperation erscheint immer geringer. Gute Geister erzählt Geschichten aus den Perspektiven beider Seiten, welche die Komplexität der Rassendiskriminierung verdeutlichen.

Meinung:

In Jackson Mississippi herrscht 1962 eine strikte Rassentrennung. Die junge weiße Skeeter, frisch von der Universität, fühlt sich bei ihrer Familie nicht mehr wie Zuhause. Ihre Mutter will sie so schnell wie möglich verkuppeln und ihre bereits verheirateten Freundinnen, die zudem das College abgebrochen haben, um zu heiraten, sind vollständig eingenommen von den Vorbereitungen für Wohltätigkeitsbälle, ihren Kindern und dem Klatsch und Tratsch über Bekannte. Skeeter hingegen will Journalistin werden und um das zu erreichen, soll sie über ein Thema schreiben, das kein alltägliches Gesprächsthema ist, über das jeder x-beliebige Journalist berichtet, sondern kontrovers diskutiert werden wird.

Skeeter entscheidet sich dafür von den farbigen Dienstmädchen zu schreiben, die aus keiner wohlhabenden weißen Familie wegzudenken sind. Erst durch diese Arbeit wird ihr richtig bewusst, auf welchem dynamitgeladenen Boden sie sich eigentlich bewegt.

Zu diesen gehört Aibileen, eine schon in die Jahre gekommene Farbige, die sich bereits um etliche Haushalte und die dazugehörigen Babys gekümmert hat. Sie ist eine Ersatzmutter für die weißen Kinder, deren Mütter mit den gesellschaftlichen Verpflichtungen zu beschäftigt sind. Sie ist zugleich Köchin, Putzfrau und Organisationstalent. Sie ist für die Kinder ein Teil der Familie und für die meisten weißen Erwachsenen doch unsichtbar.

Ihre beste Freundin ist die 17 Jahre jüngere Minny, ebenfalls Dienstmädchen und Mutter von fünf Kindern und genaue Gegenteil von Aibileen. Sie hat ein großes Mundwerk und obwohl sie die beste Köchin in der Gegend ist, erhält sie nur schwer eine Anstellung, da Widerrede gegen die weißen Arbeitgeber beinahe so schlimm ist, wie diese zu bestehlen.

Aus den Perspektiven der drei Frauen lässt Kathryn Stockett die Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die eine Zeit beschreibt, in der Farbige noch keine Gleichstellung erfahren haben, in der es separate Toiletten für Weiße und Farbige gibt sowie getrennte Kinos, Schulen und sogar von Farbigen gebrauchte Schulbücher dürfen nicht an weiße Kinder weitergegeben werden. Es ist die Zeit von Rosa Parks, die durch ihren Mut bewirkt hat, dass Farbige freie Platzwahl in Bussen haben. Besonders vor dem Hintergrund, dass Farbige übel verprügelt werden, wenn sie nur ausversehen die falsche Umkleidekabine benutzen, erhält diese Tat einen ganz anderen Stellenwert.

Es ist die Zeit von Martin Luther King, der sich für die Rechte der Farbigen einsetzt, eine Zeit, in der Protestmärsche sich häufen und das Thema der Rassendiskriminierung brisant ist. Besonders im konservativen Jackson, eine amerikanische Kleinstadt, in der jeder seinen Platz hat und es nicht gerne gesehen wird, wenn Leute – besonders Farbige – aus den gesellschaftlichen Strukturen ausbrechen. Aber auch Skeeters Lebensweise wird eher naserümpfend aufgenommen, weshalb sie ihr Projekt – Interviews mit Hausangestellten zu führen – geheim hält. Nicht so sehr um ihretwillen, sondern vielmehr für die Dienstmädchen, die durch ihre Kooperation nicht nur ihren Job verlieren könnten, sondern, im schlimmsten Fall, sogar ihr Leben.

Gute Geister ist ein interessantes Buch, gerade deshalb weil es die komplementäre Situation in diesen brisanten Jahren widerspiegelt. Die farbigen Frauen wissen von ihrer Kindheit an, dass sie eines Tages Dienstmädchen werden. Sie sind als solche unabkömmlich für die weißen Haushalte und werden durch die Kinder in die Familie integriert. Diese lieben ihre Ersatzmütter inständig, bis sie eines Tages erwachsen sind und die Dienstmädchen ersetzt, sie selbst Mütter werden und eigene Dienstmädchen haben. Ein Kreislauf, der im festgefahrenen Jackson von kaum einer Person durchbrochen wird. Außer der jungen Skeeter, die sich allerdings der Tragweite ihrer Handlungen am Anfang nicht bewusst wird und erst durch ihre Arbeit versteht, wie komplex und prekär die Rassenfrage wirklich ist.

Daneben zeichnet das Buch aber auch auf gekonnte – und ebenso erschreckende – Weise die Problematik der Rassenfrage nach. Es ist erschütternd zu hören, wie Farbige als niedere Menschen angesehen worden sind. Allein die Tatsache, dass eine der Figuren eine Initiative für Hauspersonalsanitäranlage ins Leben ruft, was so viel bedeutet wie alle farbigen Angestellten sollen eine separate außerhalb des Hauses aufgestellte Toilette benutzen, da die Ansicht vorherrscht, „farbige Krankheiten“ könnten durch die Nutzung derselben Toilette übertragen werden, spricht für sich.

Kathryn Stockett hat es geschafft ein ergreifendes und mitreißendes Buch zu schreiben, das den Leser (oder Hörer) kaum dazu bringen kann aufzuhören. Die Geschichten, die erzählt werden, aus dem Alltag der farbigen, aber auch der weißen amerikanischen Frauen der 1960er Jahre sind spannend und vermitteln die Problematik des Konflikts auf anschauliche Weise. Leidglich das Ende des Buches hat mich etwas enttäuscht, da ich gerne mehr über Reaktionen erfahren hätte (ohne zu viel an dieser Stelle verraten zu wollen).

Fazit:

Die US-amerikanische Autorin Kathryn Stockett berichtet in ihrem Roman Gute Geister auf anschauliche, spannende, interessante, aber auch erschreckende Weise die Rassenproblematik in Amerika der 1960er Jahre. In dieser Zeit lebt Martin Luther King, der sich für die Rechte der Farbigen einsetzt und durch sich häufende Protestmärsche erlangt die Diskussion einen gefährlichen Punkt, an welchem Farbige wegen Belanglosigkeiten (beinahe) zu Tode geprügelt werden. Anhand eigenständiger Persönlichkeiten, wie der jungen weißen Skeeter, die Farbige als gleichwertige Menschen sieht, der ältlichen, liebenswerten Aibileen oder der vorlauten Minny wird diese Zeitgeschichte in einer amerikanischen Kleinstadt beispielhaft erzählt.

Bewertung: [4/5]

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