Rezension | Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Christopher Boone ist 15 Jahre alt, doch kein „normaler“ Jugendlicher. Er versteht die Welt anders, denn er hat das Asperger-Syndrom. Er liebt Primzahlen und nimmt gesagte Dinge viel wörterlicher als die Menschen in seiner Umgebung. Sobald es um Emotionen geht, hat Christopher es schwer, diese einzuordnen. Er geht auf eine Sonderschule und braucht seine eigene Ordnung: rote Autos sind gut, gelbe sind schlecht. 4 rote Autos hintereinander sind ein sehr guter Tag. 5 sogar ein superguter Tag. 5 gelbe Autos in einer Reihe dagegen sind ein schwarzer Tag. Dann spricht Christopher mit niemandem.

Christopher Boone – der Detektiv

Eines Tages gerät Christophers geordnete Welt ins Wanken: Er findet den Nachbarshund Wellington tot auf dem Rasen, erstochen mit einer Mistgabel. Völlig fasziniert und konzentriert nähert er sich dem Hund und entfernt die Mistgabel. Mit Blut beschmiert findet die Nachbarin ihn, wie er den Hund an sich drückt. Diese flippt aus, verständigt die Polizei und die nimmt Christopher mit, denn der versucht den Polizisten zu schlagen, der den 15-Jährigen anfassen will. Christopher dreht manchmal durch, wenn ihm alles um ihn herum zu viel wird und die Ordnung durch Chaos ersetzt wird.

Aber Christopher gibt nicht auf. Auch wenn sein Vater ihn dazu drängen will sich nicht in die Angelegenheiten anderer Leute einzumischen, will er den Mörder von Wellington finden. Dazu begibt er sich auf Ermittlunsgtour durch die Nachbarschaft und zwingt sich mit den Menschen zu sprechen. Mit Fremden spricht Christopher allerdings nur sehr ungern, aber für die Wahrheit gibt er alles. Christopher ist fest entschlossen, denn was, wenn er Wellingtons Mörder kennt und ihm tagtäglich begegnen muss? Ein Gedanke, der für Christopher unvorstellbar ist.

Die Welt durch die Augen von Christopher Boone

Die Welt ist für Christopher eine Art mathematische Gleichung. Er ist fasziniert von der Eigenheit der Primzahlen und darf sogar als erster Schüler seiner Sonderschule das Abitur in Mathematik machen. Denn Christopher versteht Mathematik und liebt es Gleichungen zu lösen. Würde die Welt aus Formeln bestehen, wäre sie um einiges leichter für den 15-jährigen Jungen. Doch stattdessen besitzt die Welt um ihn herum so viele Schattierungen, die er nicht verstehet.

Gesichtsausdrücke, Emotionen oder gesprochene Worte, die etwas anderes meinen als das, was sie im wörtlichen Sinne ausdrücken. Christopher sieht die Welt eher schwarz und weiß und jede Facette, die dazukommt, ist für ihn ein beinahe unüberwindliches Hinderniss. Sie erzeugen Chaos in Christophers Weltbild, das er nur mit Mühe und Unterstützung seiner engsten Vertrauten bewältigen kann.

Christopher Boone – ein Buch für eine bessere Welt

Es gibt diese Bücher, bei denen man ganz schnell das Gefühl hat, während man sie liest, wird man ein besserer Mensch. Genau so ein Buch ist „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ von Mark Haddon. Christopher Boone sieht die Welt mit anderen Augen. Er hat ein gutes Herz und einen großen Gerechtigkeitsinn. Er versucht trotz seiner Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen jedes Ziel, das er sich setzt, zu erreichen. Und auf seinem Weg den Mordfall Wellington aufzuklären, entdeckt er eine Ungeheuerlichkeit, die sein Vertrauen in die ihm geliebten Menschen zutiefst erschüttert.

Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ ist ein wichtiges Buch, denn es zeigt, dass man ebenso wertvoll ist auch wenn man nicht der absoluten Norm entspricht. Es zeigt, dass jeder Mensch Fehler macht, egal wie schlau er ist und dass es Wege gibt, wie man diese Fehler wieder gutmachen kann. Christopher Boones Geschichte erzählt aber auch, egal wie unüberwindlich ein Ziel erscheint, mit dem notwendigen Durchhaltevermögen lässt es sich erreichen – wenn auch manchmal nicht so wie erwartet.

Mark Haddons Buch ist eine bewegende Geschichte, die so erzählt wird, als würde Christopher sie erzählen. Sympathisch ist dieser Held schon von Anfang an, gerade wegen seiner außergewöhnlichen Erzählweise. Da wären beispielsweise die Kapitel, die nach Primzahlen aufgeteilt sind, oder die unterschiedlichsten Zeichnungen und Diagramme, die dem „normalen“ Leser Christopher Weltblick verdeutlichen sollen. Zwar schweift er gerne mal ab von der eigentlichen Geschichte, was ich manchmal als störend empfand, aber genau hierin zeigt sich wahrscheinlich auch die Besonderheit seines Wesens und des Asperger-Syndroms.

Christopher Boone ist eine faszinierende Persönlichkeit und seine Geschichte ist eine Geschichte über Freundschaft, Familie und Liebe; aber auch über Vertrauen, Verlust und Verletzungen, gerade dann wenn man meint das Richtige zu tun. Aus den Augen von Christopher Boone wird einem noch einmal viel klarer vor Augen geführt, wie kompliziert menschliche Beziehungen sind, wie viel Arbeit hinter jeder einzelnen steckt und dass auch scheitern erlaubt ist.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Mark Haddon | Originaltitel: The Curious Incident of the Dog in the Night-Time | übersetzt von: Sabine Hübner | Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Karl Blessing Verlag ( 2003 ) | Seiten: 283

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3 Kommentare

  1. Das Buch habe ich vor einigen Jahren gelesen und sehr gemocht. Das Ziegen-Paradoxon verfolgt mich seitdem beinahe ohne Unterbrechung.
    Einige Zeit, nachdem ich es gelesen habe, habe ich ein paar Wochen mit einer Familie verbracht, deren Sohn Asperger-Syndrom hatte. Ich war überrascht, wieviel Christopher Boone ich in ihm entdeckt habe. Die Mutter hatte das Buch auch gelesen und fand ebenfalls, dass Haddon es sehr gut trifft.

    1. Liebe Marion,

      toll, dass du auch noch eine Bestätigung erhalten hast, dass Mark Haddon tatsächlich weiß, wovon er schreibt. Ich hab mir das beim Lesen zwar schon irgendwie gedacht, aber wenn man selbst mit dem Asperger-Syndrom keine Berührungspunkte hat, kann man ja auch komplett daneben liegen.

      Viele Grüße, Ramona

  2. Hallo Ramona!
    Wenn du dich generell für Autismus interessierst, kann ich dir nur wärmstens „Buntschatten und Fledermäuse” empfehlen – ein unglaublich faszinierendes Buch, das mir nach über zehn Jahren noch immer in lebhafter Erinnerung geblieben ist. Vielleicht ist es auch etwas für dich?
    Viele Grüße!

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