Rezension | The Expanse (2) Calibans Krieg von James Corey

The Expanse 2: Calibans Krieg

James Holden is im ersten Band von James Coreys Sci-Fi-Reihe „The Expanse“ gerade so mit dem Leben davongekommen: Eros ist mit dem überaus gefährlichen, außerirdischen Protomolekül auf der Venus aufgeschlagen und Detective Miller hat sich geopfert, um den Rest der Menschheit zu retten. Dieses Molekül tötet Menschen, lässt sie zu Kotz-Zombies werden oder verwendet Maschinen wie Menschen als Bausteine für seine eigene Weiterentwicklung. Wohin es sich entwickelt, ist unbekannt.

Doch weder James Holden noch seine kleine Crew, die nun das gekaperte marsianische Schiff Rosinante ihr Eigen nennen dürfen, kommen zur Ruhe. Das gesamte Sonnensystem ist in Aufruhr und kaum ein Jahr ist vergangen als ein nächster Angriff die zerbrechliche Waagschale der drei großen Mächte des Sonnensystems zum Klirren bringt: Mars, Erde und der Gürtel sind in höchster Alarmbereitschaft.

The Expanse: Das Schicksal von Ganymed

Dieses Mal trifft es Ganymed, einen Jupitermond, der von einem Monster attackiert wird und einen Schusswechsel zwischen den Erd- und Mars-stationierten Soldaten auslöst. Einzige Überlebende des monströsen Überfalls ist die toughe Marsianerin Bobbie, deren gesamtes Team vom Monster abgeschlachtet wird. Anfangs will ihr niemand glauben, doch die Kameras ihres Anzuges lügen nicht und Bobbie wird zum Spielball der politischen Mächte.

Ehe sich James Holden und seine Crew versehen, stecken sie wieder mitten im Geschehen. Holden ist eine Berühmtheit geworden und als er sich auf den Weg nach Ganymed macht, steht er unter geheimer Überwachung. Denn wo James Holden auftaucht, kann schnell der nächste Krieg ausbrechen. Getarnt mit einem Versorgungsschiff, versuchen er, seine intelligente XO Naomi, der starke Techniker Amos und sein hervorragender Pilot Alex die Wahrheit herauszufinden. Dabei treffen sie auf den mehr toten als lebendigen Biologen Prax, der verzweifelt nach seiner entführten 4-jährigen Tochter Mei sucht, auf einem Mond, der dem Untergang geweiht ist und dessen lebensnotwendige Systeme versagen.

The Expanse: die Jagd nach einem verschwundenen Mädchen

Und man könnte meinen, dass die Geschichte von vorne beginnt: wie im ersten Band macht sich James Holden auf die Suche nach der verschwundenen Mei, die an einer Immunerkrankung leidet und nur Stunden vor dem Angriff des Monsters verschleppt wurde. Ist alles Zufall oder steckt dahinter ein perfider Plan, dem noch weitere Kinder zum Opfer gefallen sind?

Der zweite Band dieser großartigen Sci-Fi-Reihe „The Expanse“ ist ebenso actiongeladen wie sein Vorgängerband. James Corey versteht es unterschiedliche Erzählstränge zu eröffnen, diese parallel laufen zu lassen, ohne das Langeweile entsteht und sie am Ende wieder zusammenzuführen. In einem laut krachenden Showdown!

The Expanse: Das Sonnensystem & seine Kolonien

Noch immer versucht das gesamte Sonnensystem und seine unterschiedlichen Mächte Erde, Mars und der Gürtel, die Ereignisse von Eros und den grausamen Verlust so vieler Menschen zu verarbeiten. Die politischen Verhältnisse sind angespannt und als die Nachrichten von Ganymed sich verbreiten, beginnen sich die einzelnen Lager zu formieren und jede Partei ihre eigenen Ziele zu verfolgen.

Mitten in dieses Minenfeld tritt nicht nur James Holden, der sich auf Prax‘ Seite schlägt, um ein kleines unschuldiges Mädchen zu retten, sondern auch die Stellvertretende Untergeneralsekretärin der Erde Chrisjen Avasarala, eine knallharte, strategische Politikerin.

Im zweiten Band der Expanse-Reihe erzählt Corey aus weit mehreren Perspektiven. Bereits bekannt ist uns James Holden, daneben der verzweifelte Vater Prax, die leidenschaftliche Mars-Soldatin Bobbie und die emotionslose Politikerin Avasarala. Politische Fäden werden gesponnen und ein Spiel der Mächte entspinnt sich. Avasarala wird zum Gegenpol von James Holden. Während dieser die Wahrheit über alles stellt, weiß die Politikerin, dass heikle Informationen zur falschen Zeit oder am falschen Ort platziert, zum Krieg und Untergang des Sonnensystems führen können. Für sie geht es nur um eines: nicht zu verlieren.

Doch ihre Gegenspieler sind hellwach und versuchen Avasarala auszubooten. Aber was sind ihre Pläne? Welche Mächte sind bereit das schreckliche Protomolekül für ihre eigenen Zwecke einzusetzen und was haben die energetischen Ausschläge auf der Venus zu bedeuten, auf der das Molekül ungehindert sein gewaltiges Treiben fortsetzen kann?

The Expanse: emotional, politisch, actiongeladen

In einem Satz kann man dieses Buch schlichtweg nicht zusammenfassen. Es steckt voller Abenteuer, aussichtsloser Situationen, Charaktere, die Leidenschaft beweisen, intrigante politische Verwicklungen, eine emotionale Vater-Tochter-Geschichte und das größere Ganze: Die Zukunft der Menschheit und die Aussicht auf außerirdisches Leben.

Calibans Krieg“ zeigt, wie das politische Spiel funktioniert, welche Fäden gezogen werden müssen, um das Spiel am Laufen zu halten und wie nah ein Fall am vorübergehenden Sieg liegen kann. Es fasziniert mit anzusehen, wie die einen versuchen das Richtige zu tun aus purer Leidenschaft und moralischen Verständnis, wie Holden und Bobbie, und wie andere abwarten und zur scheinbar richtigen Zeit die Hebel in Bewegung setzen.

The Expanse – Calibans Krieg“ brilliert durch eine spannende und actiongeladene Story ebenso wie durch seine ganz unterschiedlichen, schillernden Charaktere. Ich liebe starke Figuren, die allerdings zugleich nicht perfekt sind. Und genau das schafft James Corey: er zeichnet energiegeladene Figuren mit Stärken und Schwächen, mit Fehlentscheidungen und moralisch verwerflichen Ansichten, mit powervollen und moralisch überragenden Momenten. Ich liebe jede einzelne seiner Figuren für genau diese wunderbaren nicht-perfekten Charakterzüge. Science Fiction vom Feinsten!

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: James Corey (Pseudonym der beiden Autoren Daniel James Abraham und Ty Corey Franck) | Originaltitel: Caliban’s War | übersetzt von: Jürgen Langowski | Genre: Science Fiction | Reihe: The Expanse | Band innerhalb der Reihe: 2 | Gattung: Roman | Verlag: Heyne ( 2017 ) | Seiten: 670

Meine Rezension zu Band 1 – Leviathan erwacht.

2 Kommentare

  1. Großartige Rezension zur Expanse Reihe, die mir aus der Seele spricht.

    Eine kleine Anmerkung zu „politisch“ hätte ich in diesem Kontext jedoch:

    Die Politik von „The Expanse“ wurde ja von Verge und SyFyWire zerlegt und unter die Lupe genommen. Auch wenn der Grundkonsens ist, dass Politik ein essentieller Bestandteil der Welt und des Storybuildings ist, so wird keine politische Message (zum Beispiel Syndikalnarchismus wie in der OPA ist besser oder schlechter als das politische System der Erde oder des Mars) transportiert. Die moralische Wertung bleibt innerhalb der Charaktere und da auch sehr differenziert – zum Beispiel, wenn Amos lieber Naomi die Entscheidung überlässt, was richtig und was falsch ist.
    So betrachtet wäre The Expanse in Relation zu manchen Dystopien eher „unpolitisch“, was – aus verständlichen Gründen! – auch die Position des Orbit Verlages ist.

    Wenn man sich im Gegensatz dazu die (ähnlich aufgesetzte, ebenfalls großartige und teilweise noch höher gelobte) „Avatar Reihe“ (Mutation, Todessprung) von Ivan Ertlov ansieht, bemerkt man dort, dass sehr wohl Wertungen gegenüber dem Leser vorgenommen werden – vor allem in den Gedanken des Ich-Erzählers. Somit sind diese Bücher, trotz allem Firefly Feelings und augenzwinkernden Humors, absolut politisch.

    Wie übrigens auch so ziemlich jedes Werk von Terry Pratchett, aber das ist ein anderes Kapitel…

    1. Hallo MariRoar,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. In Sachen „politisch“ kann ich dir voll und ganz zustimmen. Ich habe das deshalb angeführt, weil sich ja viel um die politische Welt dort dreht und wer welche Fäden zieht etc. Das fand ich hier weit stärker vertreten als im ersten Band.

      Mit Terry Pratchett bin ich leider nie wirklich warm geworden, ich glaube das wird nichts mehr. Ivan Ertlov werde ich mir aber definitiv mal genauer anschauen!

      Viele Grüße
      Ramona

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