Rezension | Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumhafte Nachtmahr

Prinzessin Insomnia von Walter Moers

Willkommen zurück in Zamonien! Der neue Roman von Walter Moers setzt ein im Schloss der Prinzessin Insomnia bzw. der Prinzessin Dylia, die im ganzen Land für ihre Schlaflosigkeit bekannt ist. Ihr Rekord bisher lag bei 22 schlaflosen Nächten. Jede bekannte Methode des Landes wurde schon an ihr getestet, doch bisher gab es für die Prinzessin kein Heilmittel. Stattdessen frustet sie die Nächte allein vor sich hin und beobachtet die seltsamen Dinge, die um sie herum geschehen, je länger sie nicht geschlafen hat.

Die seltsamen Fähigkeiten der Prinzessin Insomnia

Mit jeder weitern schlaflosen Nacht, mit der sich Dylia herumschlagen muss, entdeckt, sie, dass ihr ungewöhnliche Fähigkeiten zu eigen werden. Nach vier Tagen kann sie Musik riechen, nach sechs Tagen kann sie die Gefühle eines Pfirsichs ertasten und ab Tag neun schmeckt sie Farben. Nach elf Tagen ist es Dylia sogar möglich ihre eigenen Hände mit einem Röntgenblick zu durchleuchten. Doch das ganz Besondere, das Prinzessin Insomnia durch den Schlafentzug erkannt hat, ist die Existenz der Zwielichtzwerge. Daumengroße, bunte und halb durchsichtige Zwerge, die sich auf der Fensterbank ihres Schlafzimmers tummeln und komplett aus Seifenblasen zu bestehen scheinen. Immer nur zu Tagesbeginn entdeckt sie die lustigen Gesellen, die jede Sekunde zu platzen scheinen, wenn sie ihnen zu nahe kommt.

Prinzessin Insomnia: die kreative (Sprach-)Künstlerin

Trotz der vielen schlaflosen Nächte, in welchen das gesamte Schloss ruht, nur sie als Prinzessin wach ist und manchmal durch die Gänge huscht, manchmal in ihrem Zimmer verweilt, besitzt Dylia ein Talent: ihr ist nie langweilig. Sie ist kreativ und findet für jeden Moment die geeignete Beschäftigung.

Jeden Tag begibt sich Dylia auf die Suche nach 13 Pfauenwörtern, die sie dann über den Tag hinweg versucht in einen Satz oder in ein Gespräch einzubauen. Pfauenwörter sind ganz besonders schöne Wörter, die sie wie einen kleinen Schatz hegt. Und noch etwas ist ihr eigen: Sie verdrängt alles, was Ihr Angst macht oder negativ ist und denkt stattdessen an wichtige Dinge oder wertvolle Gedanken: gehaltvolle Bücher, unsterbliche Melodien, die Pfauenwörter oder gelungene Witze des königlichen Hofnarren.

Dylia liebt Buchstaben und Wörter und erschafft sich ihre eigene Realität mit neuen Wörtern. Aus all jenen Wörtern, die negativ sind, wie etwa Krankheiten, baut sie Anagramme, um ihnen das Furchteinflößende zu nehmen.  Aber nicht nur in Sachen Wortkunst ist Dylia kreativ. Sie ist auch eine große Erfinderin auf dem Papier: Sie erschafft Regenbogenfarbenerfindungen. Mit all diesen geistigen Mitteln kämpft sie gegen die körperlichen Schmerzen der Schlaflosigkeit.

An die Zukunft denkt Prinzessin Insomnia nur selten und das Schicksal weist sie weit von sich. Stattdessen sammelt sie wunderbare Erinnerungen. In ihrem Kopf sitzt eine jadegrüne Erinnerungsspinne, die begleitet von ihrer Gehirnmusik dann hervorkommt, wenn sie eine Erinnerung in ihre Schatzkammer packt. Ihr Leben hat Prinzessin Dylia trotz ihrer Schlaflosigkeit im Griff, denn sie schafft sich ihre Welt nach ihren Gedanken. Doch das ändert sich, als plötzlich ein steinschwerer Nachtmahr auf ihrer Brust sitzt und ihr die Luft entzieht.

Der apltraumfarbene Nachtmahr: Havarius Opal & Prinzessin Insomnia

Der Nachtmahr mit Namen Havarius Opal hat nur ein Ziel: Er will, dass sich Prinzessin Dylia aus dem Fenster stürzt. Denn von ihren Ängsten ernährt sich der Nachtmahr und sobald die Prinzessin in den Tod stürzt, kann er weiterziehen zu seinem nächsten Opfer. Doch bis dieser Tag kommt, wird er Dylia verfolgen, nicht von ihrer Seite weichen, sie erschrecken und so in den Wahnsinn treiben, bis sie ihr Leben selbst beendet.

Obwohl Prinzessin Insomnia eigentlich furchtbare Angst verspüren müsste, ist sie eher skeptisch gegenüber Opals Versuchen, sie von seinem Ziel zu überzeugen. Der Nachtmahr scheint eher ein lustiger Geselle zu sein, auch wenn er dies hinter vorgehaltenen Drohungen zu verschleiern versucht. Eine Möglichkeit gibt es für Dylia den Nachtmahr wieder loszuwerden, doch die ist höchst komplex. Erst einmal muss Opal Dylia davon überzeugen, dass er kein Phantasiewesen ist, sondern eine echte Gefahr für die Prinzessin darstellt. Deshalb begeben sich beide auf eine abenteuerliche Reise zum dunklen Herz der Nacht.

Prinzessin Insomnia: Kunterbuntes Gewäsch

Und damit beginnt die Reise in das Innerste von Dylia mit kunterbunten und seltsamen Gestalten; Mit der wahren  Erkenntnis über die Zwielichtzwerge und der Suche nach echter Freundschaft.

Es hätte so ein schönes Buch werden können. Ich bin ein begeisterter Fan von „Die Stadt der träumenden Bücher“ und habe mich deshalb auf den neuen Roman von Walter Moers gefreut. Der Verlag hat sich nicht lumpen lassen und die Ausstattung des Buches ist einfach traumhaft. Überall gibt es bunte Zeichnungen von Lydia Rode, die wirklich ein wahrer Hingucker sind und die Geschichte perfekt ergänzen.

Wundervolle Ideen, aber der Rest …

Aber ansonsten konnte mich „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ nicht überzeugen. Die Story ist ziemlich schwach und die Dialoge eher fad als unterhaltsam. Die ständigen Wortklaubereien, Buchstabenverdreher und Wortneuschöpfungen gingen mir ziemlich auf die Nerven. Ich liebe die deutsche Sprache (nicht zuletzt als Literaturwissenschaftlerin), aber für mich waren diese Drehungen eher eine Qual zu lesen als eine Freude, das Spiel der Wörter – was es wohl sein sollte – zu verfolgen. Für mich waren diese Passagen sinnloses Geschwätz, um dem Buch mehr Länge zu verleihen.

Die Grundidee ist durchaus schön und einzelne Elemente sind wundervoll: wie etwa die Erinnerungsspinne oder die liebevollen und großartigen Zwielichtzwerge, die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Aber das sind eben leider nur einzelne Elemente. Die beiden Hauptfiguren Dylia und der Nachtmahr sind mir beide durchweg unsympathisch geblieben. Auch die Verweise auf die reale Welt (wie etwa Steuererklärung oder Immobilienpreise) habe ich im Zusammenhang des Textes überhaupt nicht verstanden. Und das sind nicht die einzigen Verweise geblieben, die für mich nicht zur Geschichte gepasst haben.

Es geht in Walter Moers Roman um das wichtige Thema Freundschaft und Zusammenhalt. Aber die gesamte Geschichte hat nur allzu wenig mit Zamonien zu tun, sie könnte in jeder anderen phantastischen Welt spielen. Die freudige Erwartung eine neue zamonische Geschichte zu erleben, hat sich also schnell zerschlagen. Aber auch die Geschichte an sich konnte mich zu keiner Minute packen. Es war ein zäher, langweiliger Weg vom Start bis zum Ende. Viele Dinge, die vorkamen waren vollkommen sinnlos für den Handlungsverlauf; es war ein phantastisches und kunterbuntes Gewäsch, aus meiner Perspektive lediglich Seitenfüller.

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ und ich haben einfach nicht zueinander gefunden. Es hatte zu wenig Zamonien und zu viele sinnlose Textpassagen, die ich nicht lustig fand. Die Grundidee dieser Geschichte ist süß und beinhaltet viel Phantasie, doch die Umsetzung finde ich misslungen. Für mich ein Moers, der kein Moers ist und hoffentlich nur eine Ausnahme bleibt.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Walter Moers | illustriert von: Lydia Rode | Genre: Fantasy | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Knaus ( 2017 ) | Medium: Hardcover | Seiten: 338

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kapri-zioes | Bella’s Wonderworld | Wortmalerei

Ein Kommentar

  1. Ich habe das Bich verschlungen und fand es sehr gut. So sieht es in einem Gehirn halt aus, so chaotisch und unrealistisch. 🙂 Jedenfalls wohl in meinem. Aber ja, Zamonien kam quasi nicht vor.

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