[Rezension] Whitcomb, Laura: Silberlicht

Details:

Originaltitel: A Certain Slant of Light
Autor: Laura Whitcomb
Sprache: Deutsch
Genre: Fiction, Young Adult
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: PAN ( 2010 )
Seiten: 311

Inhalt:

Die 27-jährige Helen ist seit 130 Jahren tot. Doch sie ist nicht in den Himmel aufgefahren, sondern existiert als Licht – als Geist – auf der Erde. Um nicht in ihr kaltes Grab hinab gezogen zu werden, muss sie sich einen Bewahrer suchen, den sie sein ganzes Leben lang begleitet. Momentan ist das der Englischlehrer Mr. Brown. Helen ist daran gewöhnt, dass sie nicht wirklich in das Leben der Menschen eingreifen kann, sondern lediglich eine Beobachterin ist. Doch eines Tages sehen sie zwei menschliche Augen direkt an und bringen damit Helens Welt völlig durcheinander …

Meinung:

Helen ist Licht, eine Geisterwesen. Sie existiert in dieser Form seit 130 Jahren und muss sich immer wieder auf’s Neue einen Bewahrer suchen, den sie begleitet. Dies war bisher immer ein Schriftstellern, dem sie eine Muse sein möchte, auch wenn sie nur selten in das Geschehen der Menschen eingreifen kann. Meist bemerkt die sterbliche Welt ihre Anwesenheit  nur durch ein paar zufällig zu Boden fallende Blätter, wie ein sanft wehender Windhauch.

Sie war 27 Jahre alt, als sie starb und ist davon überzeugt, etwas Schreckliches getan zu haben, weshalb sie nicht in den Himmel aufsteigen darf. Doch Helen kann sich nicht an ihr menschliches Leben erinnern, nur wenige Bruchstücke davon sind in ihrer Erinnerung zurückgeblieben. Sie muss sich immer in der Nähe ihrer Bewahrer aufhalten, wenn nicht, greift die kalte nasse Erde ihres Grabes nach ihr und versucht sie in der einsamen Dunkelheit zu ertränken.

Eines Tages, als sie wieder einmal den Englischunterricht ihres Bewahrers Mr. Brown beiwohnt, fühlt sie sich plötzlich beobachtet. Ein unscheinbarer, blasser Schüler namens Billy Blake beobachtet sie. Dieses Gefühl, endlich von einem Menschen wahrgenommen zu werden, stürzt Helen erst in ein Chaos aus Verwirrung und Angst. Sie war daran gewöhnt, dass es nur sie und Mr. Brown gab. Die neue Situation erschreckt sie, dennoch will sie wissen, was es damit auf sich hat.

Das Geheimnis ist bald gelüftet, denn Billy ist nicht derjenige, der er zu sein scheint. In ihm steckt James Deardon. Er ist ebenfalls ein Licht und hat Billys leeren Körper an sich genommen, bevor er von etwas Bösem ergriffen werden konnte. Seit wenigen Wochen lebt er nun dessen Leben. Helen ist fasziniert davon, denn sie wusste nicht, dass Lichtwesen wirklich in menschliche Körper eindringen können.

Um endlich wieder einen Apfel schmecken, den Wind auf der Haut spüren und vor allem um James berühren zu können, wagt Helen den Schritt und nimmt sich der leeren Hülle von Jenny an. Doch schnell entpuppt sich dieser als Fehler. Denn Jennifers Eltern sind religiöse Fanatiker, die ihre Tochter unterdrücken und ständig überwachen. Zu allem Übel kann sich Helen auch nicht an Jennys Leben erinnern, sodass sie ständig in Fettnäpfchen tritt und sich zunehmend eingesperrt fühlt. Aber ein Gutes hat es: durch den menschlichen Körper kehren schrittweise Helens Erinnerungen an ihr damaliges Leben zurück. Was ist wirklich mit ihr passiert? Was hat sie getan?

Laura Whitcombs Roman habe ich bereits auf Englisch gelesen und damals war ich vor allem von der Sprache beeindruckt, die einfach wunderschön und poetisch war. Deshalb hatte ich Angst, dass die Übersetzung das nicht wiedergeben konnte. Doch dabei habe ich mich getäuscht. Sabine Thiele hat ganze Arbeit geleistet, denn auch sie jongliert mit den Wörtern, wie es Frau Whitcomb in A Certain Slant of Light getan hat.

Silberlicht besteht aus vielen verschiedenen Handlungssträngen. Da wäre zum einen Helen und James‘ Liebe, die Schwierigkeiten, die sie durch ihre geliehenen Körper haben, denn die Leben der beiden Jugendlichen Billy und Jenny sind nicht normal. Es hatte Gründe dafür, warum beide Geister aus ihren Leben aussteigen wollten. Zum anderen die Vergangenheit der Lichtwesen, die bisher im Dunkeln lag. Die bruchstückhaften Erinnerungen kehren langsam zurück und der Leser ist nicht nur gespannt, welche Tat Helen begangen hat, dass sie ein Leben als spukender Geist führen muss, sondern auch, wie es mit Billy und Jenny weitergeht.

Denn es scheint beinahe unmöglich, dass die beiden zusammenkommen. Jennys Familie ist tief religiös und dulden nur absoluten Gehorsam. Sie soll eines Tages einen Mann aus ihrer Kirche heiraten und ansonsten keinen Kontakt mit Jungen haben. Auch Billys Bruder ist alles andere als einfach. Er überwacht seinen kleinen Bruder wo es nur geht, denn dieser wäre beinahe wegen Drogenmissbrauch gestorben. Beide stehen zwischen dem Drang ihre Liebe ausleben zu können, ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen und den neuen – jugendlichen – Leben, die sie nun führen.

In Laura Whitcombs Buch geht alles ineinander über: Die Sprache, die Handlung und die Figuren ergeben ein wunderbares Gesamtbild. Zudem ist das Cover von Silberlicht eines der Schönsten in meinem Regal. Die Pastellfarben und die goldene Schrift leuchten bei sich verändernden Lichtverhältnissen und es wäre gut möglich, dass Helen ebenso schimmert, wie die Beschreibung im Buch vermuten lässt.

Fazit:

Der Roman Silberlicht von Laura Whitcomb besticht vor allem durch seine poetische Sprache, die mit zahlreichen Metaphern zum Träumen einlädt, aber auch Figurenzeichnung und Handlung sind ihr wahrlich gelungen. Ein Buch um Liebe, Familie und Geister, der übernatürliche Touch, der Silberlicht zu etwas Besonderem macht.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

Vielen Dank an den PAN Verlag für das Rezensionsexemplar!

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