[Rezension] Winman, Sarah: Als Gott ein Kaninchen war

Details:

Originaltitel: When God was a Rabbit
Autorin: Sarah Winman
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Limes Verlag ( 2012 )
Seiten: 384

Inhalt:

Als Gott ein Kaninchen war ist die Geschichte von Elly Portman. Sie berichtet von ihrer Kindheit mit ihrem Bruder Joe, von ihrer Familie und von den kleinen und großen Übeln, aber auch von ihrem Leben als erwachsener Frau – tief mit ihrem großen Bruder verbunden – die beide ihren Weg und ihr wahres Ich im Leben suchen.

Meinung:

Die neunjährige Elly Portman lebt mit ihrer Familie und ihrem Bruder Joe ein normales Leben. Aber in dieses alltägliche Leben geraten immer wieder Menschen, die anders sind, die ihr eigenes Leben oder das ihrer Familie aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Kopf stellen, und es auf ihre Art und Weise bereichern. Da wäre die seltsame Freundin Jenny Penny, die auf die verrücktesten Ideen kommt und mit Elly Atlantis entdecken will oder ihre Tante Nancy, eine erfolgreiche Schauspielerin, die (heimlich) in ihre Mutter verliebt ist. Der alte Arthur, der von einem Yogi erfahren hat, wie er sterben wird oder dessen beste Freundin, die schrullige Sängerin Ginger.

Das Buch ist ein Zusammenschnitt der unterschiedlichsten Lebenssituationen, die Elly mit ihrer Familie durchlebt. Dabei wird der Fokus immer wieder zwischen den Familienmitgliedern aufgeteilt. Häufig kann man nicht auf Anhieb erkennen, ob ein Kapitel direkt an das vorangehende anschließt, oder zu einem etwas späteren Zeitpunkt spielt. Denn die Autorin deckt in ihrem Schreibstil nicht jedes Detail auf, sondern lässt Spielraum für die Imaginationskraft des Lesers. Immer wieder wechselt Sarah Winman die Szenen und benutzt häufig am Anfang dieser neuen Schauplätze Personalpronomen, wodurch man als Leser einen Moment überlegen muss, welcher der Charaktere sich gerade mit Elly austauscht.

Elly ist, obwohl im ersten Teil noch ein kleines Mädchen, keineswegs naiv gezeichnet, sondern besitzt einen kindlichen Charme und eine Auffassungsgabe, die ihrem Alter entsprechend ist. Der Leser dagegen steht ihr aber nicht als Erwachsener allwissend gegenüber, sondern auch er muss immer wieder darüber nachdenken, was sich nun wirklich ereignet haben könnte. Wie etwa die Geschichte mit dem jüdischen Nachbarn Mr. Golan, zu dem Elly von einem Tag auf den anderen nicht mehr gehen darf und dem schrecklichen Geheimnis, das nur ihr Bruder kennt.

Winman erschafft Figuren, die man sich leibhaftig vorstellen kann. Die Familie Portman und ihre Freunde tauchen regelrecht beim Lesen vor dem geistigen Auge auf, so unterschiedlich und so interessant sind sie beschrieben. Jedes Mitglied ist auf seine Weise ein phantastischer Charakter, den man gerne selbst kennenlernen möchte. So hat man auch nach einer Weile das Gefühl Elly und ihre Familie zu kennen und selbst ein Teil dieser zu sein, wodurch man Leid, Trauer und Freude mit ihnen teilt.

Manche Bücher reißen einen förmlich in ihre Welt hinein. So auch Winmans erster Roman, der mir jedes Mal, wenn ich das Buch in die Hand genommen habe, das Gefühl gegeben hat nach Hause zu kommen, obwohl Ellys Welt so gar nicht der meinen entspricht. Die Autorin schreibt über das Leben auf eine Weise, die einem zeigt, dass die Welt so groß und unendlich ist und wir ganz klein, aber nicht unbedeutend sind.

Fazit:

Sarah Winman hat mit ihrem Debütroman ein Buch geschrieben, das bewegend ist. Es reißt den Leser mit in Ellys Welt, die aus düsteren und schönen Geheimnissen besteht. Es ist eine Geschichte, die vom Leben handelt, von den großen und kleinen Dingen, welche die eigene Persönlichkeit prägen. Als Gott ein Kaninchen war erzählt von Freundschaft, von Liebe und von Verlust. Es erzählt von Menschen, die das Leben bereichern, die aber genauso tiefe Wunden zurücklassen können.

Bewertung: [5/5]

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