[Rezension] Winterson, Jeanette: Die steinernen Götter

Details:
Originaltitel: The Stone Gods | Autorin: Jeanette Winterson | übersetzt von: Monika Schmalz | Genre: Zeitgenössische Literatur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Berlin Verlag ( 2011 ) | Seiten: 269

Die steinernen GötterIn wenigen Worten lässt sich die Geschichte in Die steinernen Götter eigentlich nicht beschreiben. Autorin Jeanette Winterson erzählt den Anbeginn der Menschheit und der Welt, die Entstehung der Zivilisation und ihren Untergang. Sie berichtet vom El Dorado, Atlantis, der Goldküste, von Utopia und dem Blauen Planeten. Sie berichtet von einer Welt, die sich dauernd wiederholt.

Zwischen Science Fiction und Evolutionstheorie

Alles beginnt mit der Technik, einer hochentwickelten Zivilisation, in welcher der Robo Sapiens über das Mensch-Sein nachdenkt, in welcher die Menschen Genfixierung vornehmen und den Schönheitswahn so weit getrieben haben, indem sie sich bis in die Jugendjahre fixieren lassen – auf ewig. Es gibt Transluzente, Menschen, die durchsichtig sind, und ein System, das den Menschen durchsichtig macht, überwacht und kontrolliert. Stellst du dich gegen das System, verschwört sich das System gegen dich und wirft dich aus der Gesellschaft.

Billie Crusoe ist eine von ihnen. Sie gehört zur Abteilung Optimierung und Vollstreckung, lebt allerdings auf einem naturbelassenen Hof mit Pflanzen und einem echten Hund – wohl dem letzten seiner Art. Sie ist aber gleichzeitig auch Billy, der auf einem Schiff angeheuert hat und auf einer Insel mit indigenen Bewohnern zurückgelassen wird. Billie fliegt ins Weltall, dem neuen Planeten, dem Blauen Planeten, entgegen. Sie taucht in jeder Zeit, in jeder Epoche und in jedem Moment der Evolutionsgeschichte auf. Sie ist der Fixpunkt von Die steinernen Götter und mit ihr wiederholt sich die Geschichte der Welt vom Anbeginn bis zum Untergang.

Ein Gesellschaftsroman – Die Technik und der Mensch

Was passiert, wenn der Mensch seine Macht auf andere übertragen hat, wenn die Maschinen ihn am Leben erhalten? Was, wenn der Mensch ohne das System nicht überlebensfähig ist, wenn er sich eine alternativlose Welt geschaffen hat? Und was, wenn dieses System die Welt, in der es existiert, an den Abgrund geführt hat? Wenn die fortschrittliche Technologie sich ins Gegenteil verkehrt und der Mensch nur noch ein Spielball seiner eigenen Erfindungen wird – das erzählt Winterson in ihrem Roman. Sie zeichnet Gesellschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch gibt es immer parallele Handlungen und Figuren, die immer wieder auftauchen; die ein sich ineinander verschränktes Netz ergeben, aus Geschichten, Legenden und Mythen.

Zwischen Science-Fiction-Roman und Gesellschaftskritik bewegt sich die britische Autorin auf einer sprachlichen Bergauf-Fahrt. Ihre Wiederholungen sind gezielt gesetzt, die Bilder im Kopf entstehen automatisch – und sei es noch so abstrus – die Geschichten in der Geschichte sind so gut miteinander verknüpft, dass man als Leser hochachtungsvoll ihren Gedankensprüngen folgt und immer wieder von Überraschungen geprägt wird, die das Buch abenteuerlich und besonders machen.

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