[Rezension] Wolfsmehl: Der Ideenfabrikant

Details:

Autor: Wolfsmehl
Originaltitel:
Gelesen von: Ben Becker, Hans Neuenfels, Prof. Ernst Fuchs, Konrad Halver und Wolfsmehl. Genre: Erzählung
Gattung: Hörspiel
Verlag: RADIOROPA Hörbuch ( 2009 )
Dauer: 59 Min. | ungekürzt

Inhalt:

Mediendiktatoren haben dafür gesorgt, dass die Phantasie der Menschen versiegt. Um eine Lösung zu finden, gründet der Weltbotschafter Dr. Webwablüh (?) 2133 eine Ideenfabrik, um die Produktion neuer Ideen zu fördern. Doch die Fabrik erfüllt ihr Ziel nicht: Der seit drei Monaten engagierte Produktionsleiter Orblid hat bisher nur Ausschuss produziert und der Ideenfabrikant ist der Ansicht, dass die Phantasie ihnen davonfließt und weggesaugt wird.

Meinung:

Unsere Ideen sind Ergebnisse unserer Phantasie und unserer Kreativität. Doch was wird aus diesen Ideen, wenn sie zum Produktionsgut und in Schichtarbeit zu Ideenmanuskript verarbeitet werden? Dann bleibt nicht mehr viel Platz für die wirklich echte Phantasie, die aus den Köpfen der Menschen verschwindet. Die Phantasie erleidet den Tod.

Zwischen den Fingern zerfließen den versklavten Arbeitern die Ideen, die nicht mehr reifen können, sondern in Sekundentakt produziert werden müssen. Als grausam gefräßige Gedankenmaschine beschreibt der Produktionsleiter die Fabrik der Ideen, die nur noch maschinell hergestellte Ideen ausspuckt. Orblid glaubt, dass der Phantasie noch zu helfen ist, ihr Wachstum nur gebremst wurde: eine Bibliothek. Dieser Gedanke raubt dem Fabrikanten beinahe den Verstand. Eine Bibliothek, die den Arbeitern die Realität zurückgibt, ist für ihn aus kapitalistischer Sicht unvorstellbar. Der Weltbotschafter Webwablüh dagegen ist der Ansicht, dass die Anstalt vor Phantasielosigkeit stinkt und will dem ein Ende bereiten.

Das kann man vom Hörbuch nicht behaupten. Der Ideenfabrikant dauert zwar gerade mal eine Stunde, aber in dieser einen Stunde hat man das Gefühl sich in einer Phantasie-Seifenblase zu befinden. Die tiefe, raue Erzählerstimme von Ben Becker unterstützt die komplexe literarisch-poetische Sprache Wolfsmehls. Dem Hörer wird eine Welt eröffnet, die düster und melancholisch anmutet, aber zugleich auch kraftvoll und ideenreich ist. Sie ist nicht einfach verständlich und beim Hören wird eine gewissen Konzentration gefordert, die gar nicht so einfach aufrecht zu erhalten ist. Denn die technische Bearbeitung für die akustische Untermalung unterstützt durch Tastaturklackern, Türklappern sowie außergewöhnlicher Musik ziehen den Hörer regelrecht in den Bann und tragen ihn auf Seifenblasenwellen davon.

Die Ideenfabrik ist nicht nur ein Produktionsort, sondern auch – so hat man das Gefühl – ein Karussell der Phantasie, ein Zirkus der Ideen. Die wunderbare Stimmung, die Der Ideenfabrikant erzeugt, liegt aber auch an den anderen Sprechern, die dem Hörbuch noch größere Vielfalt verleihen: Hans Neuenfels, Prof. Ernst Fuchs, Konrad Halver und Wolfsmehl. Eigentlich gibt das Hörbuch ein schnelles Tempo vor, aber dennoch hat man das Gefühl – vielleicht dem langsamen Sprechen zu verdanken – in einer verlangsamten Zeitblase zu sitzen. Viele Dialoge reichern das Buch an, und sind vielleicht zum größten Teil daran Schuld, dass man als Hörer viel Konzentration benötigt, da erzählerisch das Konzept wenig erläutert wird, dafür schrittweise die aktuell vorgehenden Ereignisse.

Fazit:

Der Ideenfabrikant von Wolfsmehl ist wohl das komplexeste und kompakteste Hörbuch, das ich bisher gehört habe. Man braucht ein scharfes Gehör, um wirklich alles mitzubekommen, denn durch die vielen Dialoge der verschiedenen Sprecher verliert man hin und wieder den Faden. Die literarisch-poetische Sprache entführt einen zwar in eine Phantasie-Seifenblase, in der man von Musik, Ton und Stimmen der Hörbuchsprecher auf Wellen davongetragen wird, fordert aber volle Konzentration vom Hörer, die sich in der einen Stunde aber wirklich lohnt. Der Ideenfabrikant ist ein außergewöhnlicher Hörgenuss über eine Welt, in der die Phantasie beinahe versiegt.

Bewertung: [5/5]

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