[#Shakespeare400] Der Kaufmann von Venedig

Das Shakespeare-Projekt - Der Kaufmann von Venedig von William Shakespeare

Bevor ich mit Howard Jacobsons „Shylock“ für das Shakespeare-Projekt beginnen werde, habe ich mir die Vorlage, nämlich William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, zugelegt und tatsächlich mit Genuss und viel Gelächter verschlungen.

Der Kaufmann von Venedig – der Inhalt

Kurz zusammengefasst handelt „Der Kaufmann von Venedig“ von Antonio, dem Kaufmann, der seinem guten Freund Bassanio Geld leiht, das er sich wiederum beim Juden Shylock leihen muss. Problematisch ist dieser Handel deshalb, weil Antonio sich schon häufiger über den Juden lustig gemacht hat und dieser deshalb nur Hass für den venezianischen Kaufmann empfindet. Misslingt der Handel für Antonio, muss er ein Pfund seines Fleisches an Shylock auszahlen, was seinem Tod gleichkommen würde.

Aber was tut MANN nicht alles für die Liebe? Denn Bassanio benötigt das Geld, um zu seiner Liebsten Porzia zu reisen und um vor ihr Eindruck zu schinden, denn jene ist eine reiche Erbin. Neben den beiden gibt es auch noch Shylocks Tochter Jessica, die sich in einen Christen verliebt, nämlich Lorenzo. Sie flieht aus dem „Höllenhaus“ des Juden, um bei ihrem Liebhaber sein zu können. Aber damit nicht genug: Antonios drei Schiffe mit all seinem Besitz gehen verloren und er steht vor dem Ruin seiner Existenz und vor Gericht, denn der Handel mit Shylock steht noch aus …

Der Kaufman von Venedig – Hintergrundinfos

Zwischen den Jahren 1596 und 1598 entstand „The Merchant of Venice“. Dieses Werk von Shakespeare ist umstritten aufgrund der Figur des jüdischen Shylock, der als Feinbild des Christen dargestellt wird; als „Teufel“ und „Bluthund“. In ihm bündelt sich all das Schlechte im Menschen, auch wenn jener seine Beweggründe hat, die nachvollziehbar scheinen, nämlich die früheren Beleidigungen Antonios. Dennoch wird Shylock in seinem gesamten Sein mit den typisch-negativen Charaktereigenschaften eines Juden versehen, wie etwa Gier, Spitzfindigkeit oder Geschäftstüchtigkeit (siehe Sabin, S.86) und es geht noch weiter, sein Haus ist die reinste Hölle, selbst seine Tochter wendet sich von ihrem Vater ab, dessen Hass ihn beherrscht und der unter allen Umständen auf sein Recht besteht und keine Gnade und Milde zeigen oder Mitleid empfinden will. Shylock ist der Unsympath des Stücks, gegen welchen sich der Rest des Personals verschwört, um Gerechtigkeit (?) walten zu lassen.

Oft wird Shakespeares Komödie Antisemitismus vorgeworfen, was für das elisabethanische Theater nicht ungewöhnlich ist. Shylock ist die einzige jüdische Figur, die in Shakespeares Stücken auftaucht und die Bezeichnung des Juden wird nur hin und wieder in einigen anderen Werken als Beschimpfung verwendet. Die Figur des Shylocks spiegelt den Prototypen einer jahrhundertelangen europäischen Erfahrung des Unbehagens gegenüber  Fremden wider (u.a. siehe Sabin, S.87).

Quelle: u. a. Shakespeare auf 100 Seiten von Stefana Sabin (Reclam Verlag) | weitere Infos: Wikipedia

Der Kaufmann von Venedig – mein Leseerlebnis (Kurzrezension)

Lässt man die strittige Thematik der Judenfeindlichkeit einmal beiseite, die doch – betrachtet man den Text – kaum zu übersehen ist und durchaus berechtigter Kritikpunkt an diesem Stück ist, so ist „Der Kaufmann von Venedig“ ein unterhaltsames Stück. Mehrere Liebeleien, die Inszenierung einer Verwechslung sowie – und das hat mir am besten gefallen – ein Stück Frauenpower stecken in der Shakespeareschen Komödie. Die Frauen als Problemlöser (was doch einfach nur grandios ist!) stehen im Fokus; neben Shylock, dem Juden, an welchem kein gutes Haar gelassen wird, der sich selbst ins negative Licht rücken würde, wenn er dort nicht schon durch alle anderen Figuren des Stücks gelandet wäre. Der Christ steht im Lichte der Barmherzigkeit, des Mitleids und der Hilfsbereitschaft, der Jude dagegen ist der dunkle Teufel, der nur auf sein eigenes Recht, auf Ruhm und Vermögen aus ist.

Auch mich hat „Der Kaufmann von Venedig“ trotz seiner herrlich komischen Dialoge und unterhaltsamer Handlung zwiegespalten zurückgelassen, weil das Stück doch eine merkliche Schwarz-Weiß-Konstruktion hat. Zwar ist Shylocks Tochter ebenfalls Jüdin und ein liebenswerter Mensch, doch sie flieht aus ihrem Elternhaus, um sich mit einem Christen zu verbinden und zu konvertieren. Dagegen hat dieses Stück starke Frauenfiguren, die ihren eigenen Weg gehen, sogar als Retter auftreten und auch mit den Männern spielen. Trotz seiner Kürze steckt extrem viel in Shakespeares Komödie, die es sich zu lesen lohnt.

Bei diesem Stück ist mir unlängst wieder bewusst geworden, wie wertvoll und zugleich bedeutsam die Inszenierung auf der Bühne sein kann. Das wird ein weiterer Schritt sein, falls sich mir die Gelegenheit bietet den „Kaufmann von Venedig“ auf der Bühne zu sehen, werde ich diese nutzen!

Details zum Buch: Autor: William Shakespeare | Originaltitel: The Merchant of Venice | übersetzt von: August Wilhelm Schlegel | Genre: Klassiker der Weltliteratur | Reihe: – | Gattung: Komödie | Verlag: Reclam ( 1964, 2011 )

3 Kommentare

  1. Hallo Ramona,

    vielen Dank für Deinen interessanten Text über den „Kaufmann von Venedig“! 🙂

    Ich habe das Drama letztes Jahr ebenfalls gelesen, bin aber mit dem Text – wie so oft bei Shakespeare – nicht so recht warm geworden, was u.a. an der Schwarz-Weiß-Konstruktion, die Du hier beschrieben hast, lag. Der Barde von Avon macht mir im Gegensatz zu anderen Dramatikern irgendwie nur auf der Bühne richtig Spaß.
    Ich möchte Dir einen Theaterbesuch daher sehr ans Herz legen. Für mich sind (gute) Shakespeare-Inszenierungen bisher immer ein Ereignis gewesen!

    1. Hallo Jessica!

      Da hast du vollkommen Recht. Ich habe schon einige Stücke von Shakespeare auf der Bühne erlebt und es lohnt sich immer wieder auf’s Neue (auch die gleichen Stücke nochmal in anderer Inszenierung zu erleben). Eine wahre „Theatererleuchtung“ hatte ich mit „Der Hauptmann von Köpenick“ von Zuckmayer. Es war ein extremer Unterschied zwischen Text im Buch zu lesen und den Text umgesetzt auf der Bühne zu sehen. Grandios!

      Viele Grüße, Ramona

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