Rezension | Shariff, Samia: Der Schleier der Angst

Details:

Originaltitel: Le Voile de la Peur
Genre: Biographien
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Lübbe ( 2008 )
Seiten:379

Klappentext: Wenn die Nagst vor dem Leben größer ist als die Angst vor dem Tod bleibt nur eins: FLUCHT!

Angst ist ihr erstes Gefühl. Als drittes Kind einer reichen algerischen Familie in Paris geboren begreift Samia schon früh, was es heißt, ein Mädchen zu sein. Die eigene Mutter verflucht den Tag, an dem sie geboren wurde. Vater und Brüder bringen ihr nur Ablehnung entgegen. Schon in Paris führt Samia das Leben einer Gefangenen, doch als die muslimische Familie nach Algerien zieht, erlebt sie die Hölle. Mit 16 wird sie an einen Mann zwangsverheiratet, der sie schon in der Hochzeitsnacht schlägt und vergewaltigt.

»Wenn du deinen Mann nicht respektierst, bringen wir dich um«, sagen die Eltern. In einer Atmosphäre von Angst und Gewalt bringt Samia sechs Kinder zur Welt. Als sie sich scheiden lässt, beginnt eine wahre Hexenjagd. Samia riskiert ihr Leben, um mit ihren Töchtern zu fliehen…

Inhalt und Aufbau: Samia wird im Paris des 20. Jahrhunderts geboren, doch kann sie kein normales Leben führen, wie jedes französische Kind. Sie ist Teil einer algerischen Familie, welche strenggläubig ist. Mädchen sind aus dem Standpunkt von Samias Familie und von vielen anderen algerischen Familien nichts wert. Stattdessen sind sie ein Pool des Bösen, vom Teufel besessen und gefährden die Ehre ihrer Familie. Schon als Samia ganz klein ist, wird sie hart behandelt. Ihre Mutter sagt ihr mehr als einmal, dass sie wünschte, sie nie geboren zu haben und dass der Tag, an dem sie zur Welt kam ein verfluchter Tag war. In ihren Freiheiten eingeschränkt hat Samia nur wenige Freundinnen.

Als sie sechs Jahre als ist, zieht ihre Familie zurück nach Algerien. Dort beginnt die Unterdrückung für Samia erst richtig. Zwar darf sie anfangs noch die Schule besuchen – wird aber von ihrem Vater verachtet. Dieser zwingt ihre Mutter sie als gute Muslimin zu erziehen. Sie muss lange, weite Kleidung tragen, darf nicht allein das Haus verlassen und keine Freundinnen empfangen. Der Umgang mit Männern ist ihr sowieso verboten.

Mit sechzehn Jahren wird Samia dann zwangsverheiratet. Gegen ihren Willen muss sie einen ihr fremden Mann heiraten. Dieser begegnet ihr nicht mit Liebe und Zuneigung, sondern mit Hass, Gewalt und Drohungen. Schon von ihrer Familie ist es Samia gewöhnt Drohungen zu erhalten, wenn sie je die Ehre der Familie in den Schmutz ziehen sollte, umgebracht zu werden. Doch auch ihr Ehemann ist nicht anders, er vergewaltigt und schlägt sie so sehr, dass sie mehrmals im Krankenhaus landet. Erst nach fünfzehn Jahren sammelt Samia ihren ganzen Mut und versucht aus diesem Teufelskreis aus Gewalt und Hass auszubrechen, aber ein steiniger Weg liegt vor ihr.

Meine Meinung:

„Der Schleier der Angst“ ist die bewegende Biographie einer Frau, die all ihren Mut zusammengenommen hat und für ihre Freiheit gekämpft hat. Das Buch ist fesseln und lässt den Leser gar nicht mehr los. Es ist erschreckend zu lesen, wie Eltern und vor allem eine Mutter, ihrer Tochter so viel Hass entgegenbringen kann und den Tag verflucht, an dem sie geboren wurde. Noch viel erschreckender ist der Gedanke, dass genau diese Mutter wahrscheinlich dasselbe durchmachen musste, denn in Algerien bedeuten Mädchen nicht viel, während Jungen die größten Ehren zuteil werden. Mädchen haben dort keine Rechte, sie sind immer ihrem Vater untergeordnet und sobald verheiratet, ihrem Ehemann. Niemals dürfen sie für sich allein sprechen, sondern müssen immer einen Vormund haben. Die hölzernen Dialoge am Anfang, was meiner Meinung nach an der Übersetzung liegt bzw. an dem multikulturellen Erinnerungen dieser Frau (Französisch und Arabisch, Übersetzt ins Deutsche…) machen das Buch aber keineswegs schlechter. Im Gegenteil: Dieses Buch zeigt die Schrecken, die selbst im 20. und sicherlich auch noch im 21. Jahrhundert herrschen, wie Frauen unterdrückt und missbraucht werden. Und das ganz offiziell mit Erlaubnis der Regierung, welche Frauen, die ihre Männer anzeigen wollen, weil diese sie geschlagen haben, nur verlachen. Daher 5 von 5 möglichen Sternen.

3 Kommentare

  1. Pingback: Einmal um die Welt – ein Stöckchen « El tragalibros – Der Bücherwurm
  2. Pingback: El Tragalibros - der Bücherwurm: Blog über Literatur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.