Starke Frauen | Prinzessin Jasmin (Aladdin-Remake)

Starke Frauen: Prinzessin Jasmin

Vorne weg: Ganz unvoreingenommen kann ich bei diesem Remake gar nicht sein, denn Disney’s Aladdin gehört für mich aus Kindheitstagen zu den liebsten Disneyfilmen. Ich habe diesen Film unendlich oft gesehen und konnte jedes einzelne Lied mitsingen.

Als ich letztes Jahr in London war, habe ich mir dann auch das Musical gegönnt und war überrascht, wie viel von der Musik und den Liedern auch auf Englisch noch präsent war. Und das obwohl ich nicht unbedingt dafür bekannt bin, dass ich Songtexte en masse parat habe. (-;

Das Remake: Aladdin

Während ich mir das Musical ganz ohne Vorbehalte angesehen habe, bin ich bei den Remakes, die sich derzeit in den Kinos aneinanderreihen doch eher skeptisch. Ich liebe die alten Disneyfilme, weil sie sich direkt mit meiner Kindheit verbinden, wenn ich an sie denke oder sie anschaue. Die guten alten Zeichentrickfilme mögen zwar aus meiner heutigen feministischen Perspektive solala sein, aber für’s Herz und diesen einen „Wohlfühlmoment“ sind sie einfach immer gut. Nichtsdestotrotz habe ich mich dann in Aladdin gewagt und war auf alles vorbereitet …

… nur nicht darauf, dass ich einfach den gesamten Film hindurch seufzend und mit verträumten Augen auf die Leinwand starre. Die Filmemacher haben sich beim Remake alle Mühe gegeben nicht zu sehr vom Original abzuweichen und doch einen eigenen Film aus der Version mit echten Schauspielern zu machen. Genau dieses Mischung aus alten Storyelementen und neuen Figuren sowie Szenen hat mir besonders gut gefallen.

Das Remake ist ebenso farbenfroh und verrückt, wie das Original. Die Lieder erkennt man problemlos wieder und doch merkt man in jedem auch die Interpretation der neuen Darsteller. Besonders Will Smith konnte als Dschinni überzeugen, der so viele Facetten dieser Figur lebendig werden lässt: pure Freude und kunterbuntes Chaos, tiefste Traurigkeit und wahre Ernsthaftigkeit.

Prinzessin Jasmin

Besonders angetan war ich aber von einem ganz anderen Charakter, nämlich von Prinzessin Jasmin, die auch schon im Zeichentrickfilm eine starke Frauenfigur ist. Aber dennoch von den patriarchalen Strukturen unterdrückt wird und nicht so richtig aus ihrer Rolle als Frau, um die man sich kümmern muss, herauskommt. Im Remake hadert sie zwar immer noch mit diesen Strukturen und ist an den Palast gebunden, doch ihr wird eine weit stärkere Rolle zugesprochen als im Zeichentrick-Original.

Prinzessin Jasmin ist eine junge Frau, die gebildet ist: Sie liebt es sich in Bücher zu vertiefen und durch diese Welt zu entdecken. Denn sie ist an den Palast gebunden, da ihr Vater befürchtet auch sie – wie ihre Mutter – durch ein Unglück zu verlieren. Jasmin ist bereit Risiken einzugehen. Sie schleicht sich aus dem Palast, unter Beihilfe ihrer gewitzten und nicht auf den Mund gefallenen Dienerin Dalia. Prinzessin Jasmin will die Menschen kennenlernen, die ihr Volk sind, das echte Leben, statt nur das konstruierte Heilewelt-Palastleben.

Und dafür ist sie bereit Risiken einzugehen. Ihr schlimmster Albtraum ist es, keine Stimme mehr zu haben in einer Welt, die von Männern regiert wird. Genau das versucht Dschafar zu erreichen, der nach noch mehr Macht strebt. Für ihn ist Prinzessin Jasmin nur eine Puppe – oder aber ein Dorn im Auge aufgrund ihrer Klugheit. Sie lässt sich nicht so leicht blenden, wie ihr Vater, der Maharadscha von Agrabah.

Prinzessin Jasmin genießt einerseits die sorglosen Privilegien als Prinzessin und andererseits ist sie sich der Verantwortung bewusst, die ihre Familie gegenüber ihrem Volk hat. Sie ist zum Teil weltfremd, gleichzeitig aber großherzig und voller Mitgefühl für diejenigen, die wenig bis gar nichts haben. So lernt sie auch Aladdin kennen, der sie vor einem wütenden Händler rettet, als sie sein Essen an hungernde Kinder weitergibt ohne zu bezahlen (, da sie kein Geld dabei hat).

Von der Prinzessin zur Anführerin

Willensstark, großmütig und kämpferisch – das ist Prinzessin Jasmin, die zu gerne der Welt und ihrem Vater beweisen will, dass sie mehr ist als eine hübsche Frau, die einen Prinzen heiraten soll. Und diese Chance erhält sie als die Machtverhältnisse kippen und das gesamte hierarchisch-patriarchale System zu Gunsten von Dschafar entscheidet. Einzig Prinzessin Jasmin bleibt standhaft und stellt sich gegen den Mann, der ihren Vater zu Fall gebracht hat.

Denn nur weil das System sagt, dass Dschafar der neue Herrscher ist, heißt das nicht, dass die Loyalität seiner Dienerschaft, seiner Wachen und Kämpfer einfach so auf ihn übergehen – oder doch?

Mit ihrem Lied „Sprachlos“ (engl. „Speechless“) zeigt sie dann, dass auch Frauen das Zeug zur Anführerin haben. Sie lässt sich nicht einfach so weg sperren oder zum Schweigen bringen. Sie plädiert dafür, sich nicht gegen die eigenen Überzeugungen zu stellen, nur weil ein veraltetes System dies erwartet. Sie überzeugt durch ihre Stärke nicht nur diejenigen, die kampflos aufgeben wollen.

Prinzessin Jasmin ist ein unglaublich starker Charakter und im Remake kommt ganz stark ihre Wandlung von einer Frau mit Wünschen, Träumen und Hoffnungen für ihre Stadt hin zu einer wahrhaftigen Anführerin, die nicht aufgibt, die nicht klein beigibt, die sich den Gefahren stellt, die diese Position mit sich bringt.

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https://www.youtube.com/watch?v=1vU4qYnyOlY

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