Rezension | Sylvain Neuvel: Giants – 2 – Zorn der Götter

Giants - Zorn der Götter Band 2

Achtung: Spoiler, wer Band 1 noch nicht gelesen hat! Hier geht’s zur Rezension von Band 1 „Giants – Sie sind erwacht“.

Ein Wunder ist geschehen am Ende des ersten Bandes von Sylvain Neuvels Giants-Reihe: die seit einem Jahr für tot erklärte Dr. Rose Franklin ist wieder aufgetaucht. Und doch: Rose ist nicht die Person, die starb. Sie ist ganze 4 Jahre jünger als die Rose Franklin, die bei einem Unfall mit dem Roboter Themis, umkam. Und der „neuen“ Rose fehlen auch die Erinnerungen an diese letzten drei Jahre, als sie die Forschungen leitete, um Themis weltweit alle Teile von Themis zu finden und zusammenzubauen.

Giants – Zorn der Götter: die Welt gemeinsam gegen …

Dennoch ist Rose Franklin für das Projekt der EVT, der Erdverteidigungstruppe, unerlässlich. Diese von den UN gegründete Organisation versucht sich auf einen Angriff Außerirdischer vorzubereiten. Neun Jahre sind inzwischen vergangen, seit Themis gefunden wurde und der erste außerirdische Roboter mit viel Glück vernichtet werden konnte. Der 60-jährige Brigadegeneral Eugene Govender leitet offiziell die EVT. Er ist es Leid zu kämpfen, denn in vielen Kriegen hat er zu viele Tode erlebt. Als Leiter der EVT – unser unbekannter Beobachter und Strippenzieher hat ihn überzeugt, diesen Posten anzunehmen – dachte er eigentlich dem weiteren Töten entgehen zu können, doch dann taucht ein weiterer Roboter in London auf.

Kronos ist weit größer als der erste Roboter. Und er ist erst der Anfang einer Reihe von Robotern, die über die ganze Welt verteilt auftauchen und anfangen Menschen zu töten.

Giants – Zorn der Götter: die Verstrickungen gehen weiter …

In „Giants – Zorn der Götter“ hat sich seit Band 1 viel getan. Die Welt hat sich zusammengerauft, um gegen die außerirdische Bedrohung ankommen zu können. Und doch ist dem führenden Personal der Organisation klar, dass sie eigentlich gegen die außerirdische Macht, die sich über den ganzen Erdball verteilt, keine Chance haben. Der zweite Band ist nicht mehr ganz so undurchsichtig auf politischer Ebene, wie „Giants – Sie sind erwacht„. Denn in jenem haben sich die Verhältnisse einigermaßen geklärt.

Themis und ihre Piloten, die resolute Kara Resnik sowie der gutherzige Vincent Couture brachten den Menschen der Welt den Roboter in den vergangenen Jahren näher: Interviews, Fernsehauftritte, große Shows und Events zur Demonstration von Themis‘ Können.  Mr. Burns, der den außerirdischen abstammende Mann, taucht ebenfalls wieder auf und bringt ein bisschen Humor in die ernste Lage der Menschheit. Er erzählt eine Eichhörnchengeschichte als Parabel für das Schicksal der Menschheit (was den namenlosen Beobachter in den Wahnsinn treibt). Dessen Verhalten wird immer undurchsichtiger, denn nie ist ganz klar, auf welcher Seite er wirklich steht, aber eines weiß ich sicher: er benutzt jene, die ihm gerade für seine Ziele relevant erscheinen.

Aber noch eine altbekannte Person taucht in Band 2 auf: Die Psychogenetikerin, welche sich aus dem Staub machen konnte, nachdem sie Kara gegen ihren Wille Eizellen entnommen hat. Und das mit Folgen: ein Mädchen namens Eva Reyes hat Visionen über den Untergang der Menschheit und keiner glaubt ihr.

Giants – Zorn der Götter: Der Aufbau des Buches

Auch in diesem Band lässt sich Sylvain Neuvel nicht lumpen: Er fährt fort mit der Konstruktion seiner Romans, den er im ersten Teil begonnen hat. Aus Interviews mit unserem undurchsichtigen Strippenzieher, Forschungsprotokolle, Reportagen und Reden besteht „Giants – Zorn der Götter„. Diese gar so unterschiedlichen Elemente führen nicht nur exzellent die Verstrickungen zusammen, sondern zeigen auch, wie die Menschheit sowie vereinzelt Nationen sich mit den Ereignissen beschäftigen und welche Verunsicherungen und Ängste dadurch entstehen. Außenstehende werden plötzlich Teil des Ganzen und zu Kollateralschäden im Kampf gegen die Roboter.

Der zweite Band hat allerdings an Ernsthaftigkeit zugelegt, denn die 13 fremden Roboter beginnen eine Vielzahl von Menschen zu töten. Innerhalb von Minuten und so greift auch der namenlose Beobachter zu drastischen Mitteln: Folter. Denn ein einzelner Mensch zählt im Angesicht der Auslöschung eines ganzen Planeten nicht viel und zeigt zugleich die Machtlosigkeit und Unsicherheit des Einzelnen, ebenso des Strippenziehers.

Giants – Zorn der Götter: rasant & spannend

Band 2 ist viel rasanter als sein Vorgänger. Es ereignet sich weit mehr, denn die Außerirdischen machen ernst und auch in diesem Band muss sich der Leser darauf gefasst machen, die eine oder andere Figur zu verlieren. Denn auch vor den Protagonisten machen die fremden Roboter kein Halt. Mit „Giants – Zorn der Götter“ hat Sylvain Neuvel definitiv noch einmal eine Scheibe Spannung und Tiefgründigkeit oben drauf gelegt.

Es ist schockierender und erhellender für den Leser, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass er alles durchblicken kann. Denn auch in diesem Buch erzeugt der Autor Ebenen und schafft Verstrickungen: die kleine Eva Reyes, die Identitätskrise von Rose Franklin, das Ansinnen der Roboter und die unterschiedlichen Ziele aller Figuren. Die Einigkeit zwischen dem Kernteam ist auseinander gedriftet und ab einem gewissen Punkt geht jeder seiner Wege. Figuren erfahren Wahrheiten, die den Stein ins Rollen bringen und das Chaos weiter anfeuern, dass das Auftauchen der außerirdischen Roboter in Gang gesetzt hat.

Sylvain Neuvels zweiter Band „Giants – Zorn der Götter“ erweckt äußerst spannende Thematiken (wie der Fall Rose Franklin), hat (willens-)starke Charaktere und den richtige Grat zwischen Gänsehaut-Feeling, Unterhaltung und emotionalem Desaster!

Der Cliffhanger am Ende lässt auf einen weiteren Band hoffen, der wiederum ein ganz anderes Spektrum der „Giants“ zeigen könnte.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Sylvain Neuvel | Originaltitel: Waking Gods | Genre: Science Fiction | Reihe: Giants | Band innerhalb der Reihe: 2 | Gattung: Roman | Verlag: Heyne ( 2017 ) | Medium: Taschenbuch | Seiten: 480

Rezension zu Band 1: „Giants – Sie sind erwacht“

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