[Theater] Futur de Luxe

Autor des Stücks: Igor Bauersima

Regie: Aleksandar D. Jožvaj

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Inhalt: Wir schreiben das Jahr 2020. Es ist Sabbat und die jüdische Arztfamilie Klein, die aus Vater Theo, einem bekannten Genetiker, seiner Frau Ulla, die statt wie 55, wie 30 Jahre aussieht, ihrer Tochter Ulla, welche sehr religiös ist und sich für Umwelt- und Tierschutz einsetzt, sowie die Geschwister Felix, dem Maler und Rudi, der seinem Vater nacheifert, feiert diesen. Bei diesem Familientreffen geratend die Mitglieder doch aneinander. Uschi kommt nicht mit ihrer oberflächlichen, nur auf das Äußere bedachte Mutter klar und Felix langweilt sich schrecklich.

Als ein Telefonanruf, den Felix annimmt, etwas von einem Gehirn, Sicherheitskontrollen, etc. erzählt. Kommt so einiges ans Tageslicht. Theo bereitet sich nicht nur auf einen Vortrag über den Ursprung des Guten (bzw. des Bösen) vor, sondern hat auch seit drei Jahren eine Affäre. Aber es geht noch weiter. Uschi ist nicht Theos Tochter, sondern die des Schönheitschirurgen ihrer Mutter: Sie ist total verzweifelt. Als wäre das nicht genug, eröffnet Theo seiner Familie ein Geheimnis, das diese ins Chaos stürzt. Mit Leib und Seele hat er sich der Wissenschaft verschrieben und wollte ein für allemal klären, ob es ein Gen für das Gute oder das Böse im Menschen gibt. Deshalb hat er vor 25 Jahren ein Experiment begonnen: Er hat DNA aus Hitlers Finger (den ein Soldat nach dessen Tod gestohlen hatte) und seine eigenen Gene genommen und damit ein Zwillingspaar geklont. Sie sollten am selben Tag und am selben Ort unter denselben Bedingungen aufwachsen: Seine Söhne Felix und Rudi.

Dieses, seit 25 Jahren verschwiegene, Geheimnis stürzt die Familie ins Chaos. Die Söhne sind außer sich, spielen mit Mord- und Selbstmordgedanken, Ulla ist fassungslos und Uschi ist angeekelt von der krankhaften Natur ihres Vaters, dessen Experiment nichts mehr mit der natürlichen Entwicklung des Menschen zu tun hat. Und mehr als einmal kommt die Frage auf, ob der Mensch ist was er ist oder von seinen Genen bestimmt wird.

Umsetzung: Ich fand die Schauspieler großartig. Auch wenn der ein oder andere es mit seinem Ekel und Angewidert sein über die Familie etwas übertrieben hat (was mir persönlich richtig gut gefallen hat, anderen weniger). Die Charaktere dieses Stücks sind selbstredend, jeder für sich, exzentrisch und überzeichnet, doch genau das macht es aus. Da gibt es Theo, der die Wissenschaft über Gott stellt. Ulla, die fassungslos über Theos Geständnis ist und nicht verstehen kann, wie diese Familienstreit so aus den Fugen geraten konnte. Außerdem Felix, der es nicht glauben kann, dass er sein Vater sein soll und seine Mutter eigentlich seine Frau und Rudi, dessen Gene die Hitlers sind und der dadurch beinahe sich selbst verliert, denn sogar seine Familie beobachtet sein Verhalten, nachdem sie weiß, wie er entstanden ist. Natürlich noch Uschi, die völlig durchdreht und die Wahrheit, die sie anfangs auf jeden Fall erfahren wollte, wohl doch lieber nicht hätte wissen wollen.

Die mediale Umsetzung hat mir persönlich am besten gefallen. Das hab ich nämlich auf diese Art und Weise noch nie erlebt. Das Stück wurde an verschiedenen entscheidenden Stellen unterbrochen und an einer Leinwand im Hintergrund durch Projektion weitergespielt. Dabei hat man einerseits Vorgriffe auf zukünftige Ereignisse gesehen und andererseits Visionen, wie sich das Familiendrama hätte weiterentwickeln können. Das Hausmädchen Olga, eine kleine Nebenrolle, war ein Verbindungsglied des Stücks zum Publikum und hat dieses mehrmals mit einer Videokamera gefilmt, was ebenfalls auf der Leinwand zu sehen war (es wurde aber schnell festgestellt, dass es nicht das „aktuelle Publikum“ war, sondern schon vorgefertigt). Dieser Kunstgriff hat mich jedenfalls sehr begeistert.

Des Weiteren wurde Musik eingespielt, ein Telefon hat geklingelt und durch die Leindwandprojektion wurde Szenen aus dem Off ins On geholt. Für mich war das ein angenehmer und unterhaltsamer Theaterabend, der mir viel Neues eröffnet hat.

3 Kommentare

  1. Creepy. Als ich am Donnerstag mitm Hopperdietzel Kaffee trinken war, standen die grad mit den Masken vor der Tür… Bin voll an denen vorbeigerast, they scared the hell out of me… 😳

  2. @ umblättern: 😆 hehe. Das war teilweise auch etwas verstörend, weil dieses Dienstmädchen uns ja dann “gefilmt hat” und einmal hatten dann alle solche Masken auf (also wir wurden ja nicht wirklich gefilmt, sondern ein gestelltes Publikum). Das war schon gruselig ^^ 8)

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