Rezension | Venkatesh, Sudhir: Underground Economy. Was Gangs und Unternehmen gemeinsam haben

Details:

Originaltitel: Gang leader for a day. A rogue sociologist takes to the streets
Genre: Sach-/Fachbuch
Reihe: –
Gattung: Erfahrungsbericht
Verlag: Econ ( 2008 )
Seiten: 331

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Ein Buch, das ich mir zum Rezensieren herausgesucht habe, nachdem ich den Klappentext ganz interessant fande.

Klappentext: Was macht ein zukünftiger Professor im Ghetto? Er erforscht den Alltag der Armen und Ausgeschlossenen. Der Soziologe Sudhir Venkatesh hat zehn Jahre in einem berüchtigten sozialen Brennpunkt Chicagos verbracht. In „Underground Economy“ schildert er sein Leben unter Drogendealern. Sein Tatsachenbericht ist so spannend wie ein Krimi – und bietet einen erhellenden Einblick in die sozialen und ökonomischen Gesetze einer Parallel-Gesellschaft.

Inhalt und Aufbau: Sudhir Venkatesh war Doktorand an der Universität von Chicago, als er eine Studie begann, die u.a. die sozialen Strukturen von armen afroamerikanischen Menschen in den Ghettos der Stadt beinhaltete. Dazu begibt er sich an die sozialen Brennpunkte und erfährt – naiv wie er ist – schnell, dass man das Vertrauern der Schwarzen nicht so einfach gewinnen kann. Die Schwarzen in den Ghettos von Chicago stehen einem Doktoranden der Universität feindlicher gegenüber, als Herr Venkatesh vermutet hätte. Ein junger Schwarzer, namens J.T., bringt den unerfahrenen Soziologen darauf, dass Fragebögen in dieser gefährlichen Gegend von Chicago herumzureichen keine gute Idee ist und erklärt ihm, dass man mit den Menschen hier leben und sprechen muss, um sie zu verstehen. Sudhir bekommt die Chance Zeit mit J.T. und seiner Gang zu verbringen. Diese Zeit umfasst beinahe zehn Jahre. Nach und nach erfährt er mehr über die Geschichte der Schwarzen im Ghetto aus Sicht genau dieser Schwarzen. J.T. nimmt ihn unter seine Fittiche und durch ihn lernt Sudhir nach und nach das „Gangster-Vokabular“ kennen und erfährt wie eine Gang strukturiert ist. Sie besteht aus einer strikten Hierarchie, in der J.T. versucht weiter nach oben zu kommen. Sudhir bekommt Einblicke in Drogenhandel und wie genau die Häuser, welche unter J.T.‘s Herrschaft stehen, organisiert sind. Der Soziologe lernt zwischen wissenschaftlichen Objekten und liebenswerten Menschen zu unterscheiden und muss sich dabei völlig neu orientieren, denn die Universität hat ihn nicht darauf vorbereitet mit seinen „Forschungsobjekten“ in emotionale Verbindungen zu treten.

Aber auch die Schattenseiten bleiben vor Sudhir nicht verborgen. Er steht zwischen Gewalt, Korruption und Drogenhandel und muss dies alles mit seinem Gewissen und seiner Arbeit als Forscher vereinbaren.

Meine Meinung:

Underground Economy ist ein unterhaltsames Buch über ein ernstes Thema. Sudhir Venkatesh begibt sich gemeinsam mit dem Leser ein zweites Mal in die Ghettos von Chicago und erzählt von seinen Erfahrungen, die er dort gemacht hat. Für Neulinge ist der Einstieg in so ein Thema kein Problem, denn der Autor beschreibt alles sehr gut. Das „Gangster-Vokabular“ beherrscht man schnell, es wird nie langweilig und wenn man einmal liest, dann liest man und liest man und liest man.

Sudhir Venkateshs Schreibstil fängt eine ungewöhnliche Atmosphäre, allein durch seine Beschreibungen, ein. Beim Lesen kann man sich die Ghettogebäude, in denen J.T. operiert, sehr gut vorstellen, auch wenn dem Leser diese Welt noch so unbekannt ist. Sudhir Venkatesh schreibt von Erfahrungen, die aus dem Leben gegriffen sind, weshalb jede Seite spannend und interessant bleibt, da der Leser kaum erraten kann, was ihm als nächstes passieren wird. Er ist selbst ahnungslos und gerät dadurch auch in Schwierigkeiten, weil er die Konsequenzen eines einfachen Gesprächs nicht abschätzen kann. Underground Economy ist ein kein trockenes Sachbuch, sondern ein unterhaltsamer Bericht über das Leben der armen Afroamerikaner in den Ghettos von Chicago. Daher 5 von 5 möglichen Sternen.

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